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Corona-Privilegien: Profifußball - "Wer soll denn noch zu ihnen hochgucken?"

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Die Corona-Privilegien der Profis bei Training und Spiel nehmen viele Amateure noch hin. Für Forderungen, sie auch bei Impfschutz und Reiseverkehr zu bevorzugen, gilt das nicht.

FC Bayern auf Dienstreise
FC Bayern auf Dienstreise in Pandemie-Zeiten: Die Kritik am Gebaren des Profifußballs wächst.
Quelle: dpa

Der Vorstoß von Bayern Münchens Vorstandvorsitzendem Karl-Heinz Rummenigge, Fußballprofis als Impf-Vorreiter einzusetzen, schlägt weiter hohe Wellen. Während sich zunächst Politiker wie der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling ("Beschämend") und Bremens Regierungschef Andreas Bovenschulte ("Muss man erstmal drauf kommen") positionierten, meldet sich jetzt auch die Sportwelt zu Wort.

Verlust von Bodenhaftung

So sieht der hessische Landessportbund-Präsident Rolf Müller eine bevorzugte Behandlung von Leistungssportlern beim Impfen als "absolut unangebracht" an. Das Lamentieren der Bayern-Bosse darüber, dass auch ihr Flieger sich bei der Anreise zum Turnier in Katar an das Nachtflugverbot auf dem Flughafen BER halten musste, ging noch als Verlust von Bodenhaftung durch.

Die Profis dürfen spielen, die Amateure nicht einmal trainieren. Der Teil-Lockdown trifft den Handball auf unterschiedliche Weise - aber in beiden Fällen hart.

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Der jetzige Vorstoß hat das Potenzial, genau das endgültig ad absurdum zu führen, was er behauptet: die angebliche Vorbildfunktion von Profi-Fußballern. "Am Anfang habe ich es wie die meisten hingenommen, dass die Profis Sport treiben können - die Profiklubs haben ja auch gesagt, dass es ihnen als Unternehmen ums Geschäft geht", sagt Ute Groth, Vorsitzende des DJK TUSA 06 Düsseldorf im Gespräch mit ZDFsport.de.

Enttäuschte "Hartplatzheldin"

"Dazu gehört es wohl auch, in der Blase durch Europa zu reisen, auch wenn man darüber nur den Kopf schütteln kann. Aber dann sollen sie aufhören, sich auf die Fans und den Amateursport zu berufen. Sie geben uns keine Vorbilder mehr!

Wer soll denn noch zu ihnen hochgucken? Sie machen alles, was wir nicht dürfen und setzen sich nicht mal für uns ein.
Ute Groth, Vorsitzende des DJK TUSA 06 Düsseldorf

Ute Groth hat als Vorsitzende eines Breitensportvereins andere Probleme als Karl-Heinz Rummenigge. Von denen spricht sie regelmäßig als Kolumnistin im Portal hartplatzhelden.de. Mit ihren Kollegen hatte sie eine Öffnungsperspektive für den Breitensport gefordert. "Wir sind richtig enttäuscht", sagt sie zu den jüngsten Beschlüssen von Bund und Ländern.

Kinder verlieren Bewegungsfähigkeit

"Auf den öffentlichen Flächen wird es immer voller, aber unsere Sportanlagen bleiben komplett leer. Auf der Parkanlage vor meinem Haus rodeln zehn Kinder ohne Abstand - bei uns auf der Anlage könnten sie kontrolliert, mit Abstand und allen Regeln Sport treiben."

SPORTreportage: Problematik Breitensport

Shutdown im Amateursport - Die Angst, eine Generation zu verlieren 

Im Amateursport bleibt es beim Stillstand. Auch die von Vereinen und Verbänden in der Corona-Pandemie geforderte konkrete Öffnungsperspektive gibt es vorerst nicht.

von Ralf Lorenzen

Als Hauptproblem sieht Groth, die 2019 für das Amt der DFB-Präsidentin kandidierte, dass viele Kinder, die seit Monaten keinen Sport mehr treiben, ihre Bewegungsfähigkeit verlieren. "In den Grundschulen sieht man schon genug Kinder, die sich eingeschränkt bewegen", sagt sie. "Da haben wir in den Sportvereinen eine sehr wichtige Funktion."

Bewegung statt Training

Aus den Vereinen hört man selten die Forderung nach einem schnellen Zurück in den Normalbetrieb, "wohl aber den Ruf nach einer verlässlichen Perspektive", wie der Präsident des Bremer Fußballverbandes, Björn Fecker, ZDFsport sagte.

"Uns geht es im ersten Schritt nicht um normales Training oder um Wettkampf, sondern um Bewegungsformen, die mit Abstand möglich sind.
Ute Groth

"Das haben wir im letzten Jahr alles schon gemacht, das würde auch die Familien und die öffentlichen Plätze entlasten", so Groth

Fehlende Fantasie des DFB, fehlende Solidarität der Profis

Mit diesen Überlegungen finden die Vereine offenbar nicht nur bei der Politik kein Gehör, sondern auch nicht im eigenen Dachverband DFB. Den Verantwortlichen dort fehlt laut Groth die Fantasie, sich für eine Phase der Öffnung andere Formen des Sports vorzustellen, als sie es kennen. "Solange sie nur auf den normalen Trainings - und Wettkampfbetrieb gucken, tut sich gar nichts. Dabei geht es vor allem um eins: Menschen wollen sich bewegen."

Und dann hat Groth noch eine Idee, wie sich die Profiklubs zumindest ein wenig als Vorbilder zeigen könnten: "Sie könnte sich mit ihrer Macht und Stimme dafür einsetzen, dass wir im Amateursport uns auch wieder bewegen können", sagt sie.

Statt zu fordern, dass seine Spieler vorrangig geimpft werden, könnte Herr Rummenigge doch fordern, dass die Amateure auch wieder auf ihre Sportanlagen dürfen.
Ute Groth
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