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Fußball | Aus für Super League - Geschlossenes System in Europa chancenlos

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Das gescheiterte Projekt "Super League" entspricht dem amerikanischen Ligen-System ohne Auf- und Abstieg, das in Europa kaum Nachahmer hat. Eine Ausnahme stellt der Basketball dar.

Trikot mit Aufschrift "Football is for the fans"
Das geschlossene Modell der Super League will nicht so recht in die europäische Sportkultur mit Auf- und Abstiegsregelung passen.
Quelle: dpa

Werder Bremens Sportchef Frank Baumann schien am Dienstagnachmittag schon geahnt zu haben, dass wenig später der Rückzug aus der gerade gegründeten Super League beginnt. "Ich persönlich glaube nicht, dass die Super League kommen wird", sagte er. Das geschlossene Ligen-System passe nicht in den europäischen Fußball, wo die Auf- und Abstiegsregel eine "Grundfeste" sei.

In den Anfängen steckengeblieben

Es ist kein Zufall, dass die Investoren der am Sonntagabend angekündigten Super League aus der US-amerikanischen Sportkultur kommen, wo der Sport nicht in den Vereinen, sondern an den Universitäten seine Basis hat und wo die nationalen Basketball-, Baseball-, Football- und Hockeyligen als "Closed Shops" ohne Auf- und Abstieg funktionieren.

Im europäischen Fußball sind Initiativen in diese Richtung seit den 1990er Jahren bislang immer in den Anfängen stecken geblieben. Auch in den anderen populären Mannschaftssportarten ist das Modell einer geschlossenen Europa Liga bislang lediglich im Basketball umgesetzt worden, wo es diese seit 2000 gibt.

Weltverband contra Euroleague

Die Teilnehmerzahl änderte sich bis heute mehrfach, aktuell gehören achtzehn Mitglieder der Basketball Euroleague an, darunter Bayern München und Alba Berlin. Die Teilnehmer können sich zwar jährlich ändern, aber wer dazugehört, entscheidet die Liga über die Vergabe von Lizenzen und Wildcards selbst. Im Schatten der EuroLeague verlor der vom Weltverband FIBA ausgetragene Europapokal der Landesmeister an Bedeutung.

"Die Macher dahinter haben nicht mit dem enormen Sturm des Protestes vor allem in England gerechnet", sagt ZDF-Reporter Markus Harm zum wahrscheinlichen Aus der Super League.

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2015 ging die FIBA auf Konfrontation und versuchte den attraktivsten Klub-Wettbewerb der Sportart wieder unter seine Kontrolle zu bekommen. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen gibt es aktuell vier europäische Wettbewerbe: neben der Euroleague und dem von ihr initiierten Eurocup veranstaltet die FIBA die Champions League und als Zweitwettbewerb den Europe Cup.

Komplizierter Kompromiss

Die Drohung der FIBA, Länder von großen Turnieren auszuschließen, die Vereine in die Euroleague entsenden, wurden zwar mit einem Kompromiss aus der Welt geräumt. Doch das für Nicht-Insider schwer zu entwirrende Wettbewerbs- und Qualifikations-Gestrüpp bleibt.

Ähnliche Ausschluss-Drohungen von UEFA und FIFA gegenüber Klubs und Spielern, die an der Super League teilnehmen, können nicht der Grund für den am Dienstagabend verkündeten Rückzug der englischen Klubs sein. Damit mussten sie rechnen und juristisch fühlten sich die Abtrünnigen seit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Dezember 2020 auf der sicheren Seite.

EU-Urteil stärkt Abtrünnige

Das Gericht bestätigte die EU-Kommission darin, dass "die Regeln der Internationalen Eislaufunion (ISU), nach denen Sportler für die Teilnahme an nicht von der ISU anerkannten Eisschnelllauf-Wettkämpfen mit harten Sanktionen belegt werden, gegen die Wettbewerbsregeln der EU verstoßen."

Auch einen Ausschluss einzelner Fußballprofis von Welt- oder Europameisterschaften allein aufgrund der Teilnahme an einem anderen Wettbewerb hält Rechtsanwalt Carsten Thiel von Herff gegenüber ZDFsport "wettbewerbsrechtlich für bedenklich". Aber das müsse die UEFA nicht davon abhalten, Spieler de facto auszuschließen. Bis die Zulässigkeit in jedem Einzelfall geklärt sei, könnten Jahre vergehen.

Zwölf europäische Topklubs haben die Gründung einer Super League beschlossen und damit ein Erdbeben in der Fußballwelt ausgelöst. Kritiker sagen, damit werde der Sport zum Spielball von Finanzinteressen.

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Ziel durch die Hintertür erreicht

"Der Ausschluss einer Mannschaft aus einem laufenden Wettbewerb ist möglich, wenn die Teilnahmebedingungen dies hergeben", sagt der im Kartellrecht erfahrene Anwalt zur Drohung der UEFA, Super-League-Teilnehmer aus der laufenden Champions League auszuschließen. "Ich bezweifle, dass die Ankündigung der Gründung einer Super League ein solcher Ausschlussgrund ist." Aber auch dies könne die UEFA zunächst einfach tun.

Zusammengefasst glaube ich, dass die Super League eine Provokation war, um die UEFA zu weiteren Zugeständnissen zu bewegen.
Carsten Thiel von Herff, Rechtsanwalt

Dies sieht auch Frank Baumann so: Durch die am Montag beschlossene Champions League Reform habe "der eine oder andere durch die Hintertür schon sein Ziel erreicht."

Nach massivem Druck - "Super League" gescheitert 

Die umstrittene Super League ist vorerst gescheitert. Nach den Rückziehern der sechs englischen Klubs gaben die Initiatoren das Vorhaben auf.

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