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Interview

Makkabi-Präsident zum Testspiel : Alon Meyer: "Wir sind doch wie Geschwister"

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Ein Länderspiel zwischen Deutschland und Israel, fast vor der Haustür: Bei Alon Meyer müsste die Vorfreude groß sein - wenn da nicht ein Thema wäre, das aktueller denn je scheint.

Alon Meyer am 02.06.2015 in Berlin
Alon Meyer, Präsident Makkabi Deutschland
Quelle: Imago

Wenn die Auswahl des DFB am Samstag (20:45 Uhr, live im ZDF) im Testkick in Sinsheim auf den 77. der FIFA-Weltrangliste trifft, kann der Präsident von Makkabi Deutschland den Fußballabend nicht gänzlich unbeschwert genießen. Schließlich werden vermeintlich jüdisch-stämmige Sportler auf dem Platz nach wie vor verbal und teils auch körperlich angegriffen. Im Interview mit dem ZDF erklärt Alon Meyer, was ein Fußballspiel politisch bewirken kann und wo Rassismus und Antisemitismus im Sport offen zutage treten.

ZDFheute: Herr Meyer, beim ansonsten nicht öffentlichen Training der DFB-Stars am Mittwoch auf einem Nebenplatz der Frankfurter Arena durften einige Kids von Makkabi Frankfurt zuschauen. Was tut der Fußball-Bund im Vorfeld des Länderspiels gegen Israel noch, um die jüdische Gemeinde in Deutschland einzubinden?

Alon Meyer: Einiges, da ist schon eine Wertschätzung zu spüren, über die wir uns sehr freuen.

Die Einladung zum Training war natürlich ein Highlight für die Kinder.
Alon Meyer

Es finden verschiedene Aktionen mit der TSG Hoffenheim statt. Unter anderem ein Spiel der U13 von Makkabi Frankfurt gegen den Nachwuchs der TSG sowie ein Workshop über Antisemitismus und auch über deutsch-israelische Fußballbeziehungen, in dem wir den Teilnehmern jüdische Traditionen vorstellen wollen. Ergänzt wird dieser Workshop durch einen gemeinsamen Kabbalat Shabbat sowie den Besuch einer Mahn- und Gedenkstätte.

Länderspiel sehr wichtig für die Aufmerksamkeit

ZDFheute: Wie wichtig ist ein Länderspiel zwischen der DFB-Auswahl und Israel denn insgesamt für die Makkabi-Bewegung in Deutschland?

Meyer: Sehr wichtig, denn solch ein Spiel erzeugt erstens sehr viel mehr Aufmerksamkeit als alle anderen öffentlichen Veranstaltungen, die wir sonst haben, zusammengenommen. Und zweitens können gesellschaftlich sicherlich nicht einfache Dinge im Umfeld des Sports viel unkomplizierter thematisiert werden als auf politischer Ebene, wo es in der Regel doch etwas trockener zugeht.

Besuch im DFB-Quartier: Vertreter von Humans Right Watch und Amnesty International informierten die Fußball-Nationalelf über die Lage beim umstrittenen WM-Gastgeber Katar.

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ZDFheute: Am Dienstag spielt zudem die deutsche U21 in Israel. Wird es auch dort gemeinsame Veranstaltungen geben?

Meyer: Selbstverständlich, allerdings ist das ja ein Qualifikationsspiel für die EM, also ein Pflichtspiel, in dem der sportliche Wettbewerb im Vordergrund steht. Das ist etwas anderes als ein Freundschaftsspiel, wo sich beide Mannschaften freiwillig treffen.

Die Mannschaften spielen nicht gegen-, sondern miteinander - und das ist für das deutsch-israelische Verhältnis entscheidend.
Alon Meyer

Dass Deutschland ins WM-Jahr mit einem Spiel gegen Israel startet, wo es ansonsten nur gegen große Fußballnationen wie die Niederlande, Italien und England die Form testet, ist ein ganz klares politisches Zeichen: Uns trennt kein Blatt, wir sind wie Geschwister!

ZDFheute: Das werden die Spieler von Makkabi Frankfurt und den anderen Vereinen in Deutschland mit jüdischem Hintergrund anders sehen. Ist ihr Alltag auf dem Platz nicht nach wie vor von Antisemitismus geprägt?

Meyer: Das ist so und hat in den letzten Jahren eher noch zugenommen, statt weniger zu werden. Dabei sind wir zwar ein Verein mit jüdischer Tradition und halten die Werte der Makkabi-Bewegung hoch, von den etwa 2.500 Mitgliedern bei unserem größten Ortsverein Makkabi Frankfurt sind aber mindestens drei Viertel nicht-jüdischer Herkunft. Makkabi-Vereine sind offen für jeden, bei uns spielen Christen, Juden, Muslime oder Nicht-Gläubige friedlich zusammen. Das verstehen aber manche Spieler aus anderen Vereinen nicht, und es kommt regelmäßig zu verbalen, wenn nicht körperlichen Attacken.

Antisemitische Attacken keine Seltenheit

ZDFheute: Können Sie uns Beispiele nennen?

Meyer: Jede Menge, aber das würde zu weit führen. Von Beleidigungen wie "Euch hat man vergessen zu vergasen" oder: "Wenn es Hitler noch gäbe, würde es euch nicht mehr geben" bis hin zu gewalttätigen Attacken meist nach Abpfiff ist das ganze Spektrum dabei.

Ich nenne Ihnen noch ein konkretes Beispiel: Wir hatten ein A-Jugendspiel, nach dem einer unserer Spieler nach dem Abpfiff außerhalb der Kabine von einem Spieler der anderen Mannschaft mit einem Messer bedroht wurde. Er hat ihn angezeigt, und als sie bei der Verhandlung nebeneinander saßen, hat er ihn gefragt: "Warum hast du das getan?" – und zwar auf Persisch. Beide Spieler waren persischer Abstammung, das wusste der andere aber nicht.

Er hat auf dem Platz einfach nur unser Trikot mit dem Makkabi-Stern gesehen, der so ähnlich wie ein Davidstern aussieht und ist deswegen ausgerastet. Am Ende hat er zu unserem Spieler gesagt: "Wenn ich gewusst hätte, dass du Perser bist, hätte ich das doch nie gemacht!" Das ist doch absurd, oder?

Das Interview führte Heiko Buschmann.

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