Müller und Neuer bei WM in Katar: Siegen, auch wenn's zwickt

    Bayern-Duo will's nochmal wissen:Müller und Neuer: Siegen, auch wenn's zwickt

    von Maik Rosner, Doha
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    Manuel Neuer und Thomas Müller erleben in Katar, wie Messi, Ronaldo und Neymar, wahrscheinlich ihre letzte WM. Schwieriger könnten die Umstände für ihren Abtritt kaum sein.

    Manuel Neuer und Thomas Müller, Archivbild
    "In unserem Alter zwickt es öfters mal: Manuel Neuer (li.) mit Thomas Müller
    Quelle: Imago

    Die anfangs so gute WM-Laune ist bei Manuel Neuer verflogen. Spätestens seit Montag, seit dem erzwungenen Verzicht auf die "One-Love"-Binde. Diese hatte der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft eigentlich am Mittwoch (14 Uhr/ARD) im ersten WM-Gruppenspiel gegen Japan tragen wollen.
    Doch zwei Tage vorher teilte der DFB mit, auf die Aktion aufgrund drohender Sanktionen seitens der FIFA verzichten zu müssen. Der DFB-Präsident sprach von einem "beispiellosen Vorgang in der WM-Geschichte". Bernd Neuendorf sagte:

    Die von der FIFA herbeigeführte Konfrontation werden wir nicht auf dem Rücken von Manuel Neuer austragen.

    Bernd Neuendorf, DFB-Präsident

    WM unter schwierigen Umständen

    Im Raum stand nun ja, dass Neuer als Kapitän persönlich sanktioniert würde. Noch am Samstag hatte Neuer auf dem WM-Trainingsgelände der deutschen Nationalmannschaft im Norden Katars mit einem klaren "Ja" auf die Frage geantwortet, ob er die Binde gegen Japan als Zeichen für Vielfalt tragen werde. Nun kommt es anders.

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    Der von der FIFA erzwungene Verzicht zeigt einmal mehr, unter welch schwierigen Umständen Neuer (36) und Müller (33) ihre vierte und sehr wahrscheinlich letzte Weltmeisterschaft erleben.

    Man weiß nie, aber ich gehe davon aus, dass es die letzte WM für mich sein wird.

    Manuel Neuer

    Das hatte Neuer jüngst in der deutschen Ausgabe der Sports Illustrated gesagt. "Ich habe im Kopf, bis 2025 auf Top-Niveau Fußball zu spielen", hatte Thomas Müller bereits im März beim DFB-Team erklärt. Er wolle es nicht so weit kommen lassen, "dass alle sagen: 'Jetzt wird es Zeit'" Bei der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko wäre Neuer 40 und Müller fast 37 Jahre alt.

    Messi, Ronaldo, Neymar: Zeit läuft ab

    Ähnlich unwahrscheinlich ist, dass Argentiniens Lionel Messi, aktuell 35, Portugals Cristiano Ronaldo, 37, und Brasiliens Neymar, 30, in knapp vier Jahren noch für ihre Nationalteams auflaufen werden. Sie alle haben schon geäußert, dass sie dann voraussichtlich nicht mehr dabei sein werden. Auch Robert Lewandowski, 34, wird 2026 vielleicht nicht mehr für Polen spielen.
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    Bei dieser WM setzt Hansi Flick aber nochmal fest auf das Bayern-Duo Neuer und Müller.

    Das Alter zählt für mich nicht, nur die Leistung,

    Hansi Flick

    Neuer und Müller haben sich vorgenommen, bei dem höchst umstrittenen Turnier in Katar trotz aller Begleitumstände noch einmal maximal erfolgreich zu sein. Neuer rief den Titelgewinn als Ziel aus. Es wäre der zweite für ihn und Müller nach 2014 in Brasilien.

    Bei der WM 2010 erstmals dabei

    Erstmals hatten sie in Südafrika 2010 auf der Weltmesse des Fußballs gespielt. Neuer war damals wegen René Adlers Rippenprellung zur Nummer eins aufgestiegen. Und Müller wurde mit fünf Toren Schützenkönig. Träfe der Offensivspieler des FC Bayern in Katar ein weiteres Mal, stünde er mit elf WM-Toren auf Platz drei von Deutschlands erfolgreichsten WM-Torschützen. Und zwar gleichauf mit Jürgen Klinsmann, hinter Miroslav Klose (16 Tore) und Gerd Müller (14).

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    Triumph über den streikenden Körper?

    Doch über allem stünde für Neuer und Müller der erneute Titelgewinn. Dieser wäre auch ein kleiner Triumph über den manchmal streikenden Körper. Neuer hatte sich zuletzt mit anhaltenden Schmerzen in seiner linken Schulter herumgeplagt. Müller war nach Hüft- und Muskelbeschwerden erst am Samstag wieder ins Teamtraining eingestiegen.
    "In unserem Alter zwickt es öfters mal", hatte Neuer in Katar eingeräumt. Offensivkollege Serge Gnabry vom FC Bayern witzelte tags darauf über Müller, dieser sei "voller Ehrgeiz". Gnabry formulierte es so: "Bei ihm merkt man das immer noch einen Tick mehr, weil er dann noch mehr redet."
    Vermutlich sprechen sie teamintern gerade auch viel über die sehr schwierigen WM-Umstände in Katar und über den erzwungenen Verzicht auf die "One-Love"-Binde. Die Debatten werden Neuer und Müller in Katar begleiten. Bis der letzte Vorhang fällt.

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