Deutschlands Auftaktgegner Japan in der Taktik-Analyse

    Analyse des deutschen Gegners:Japan: Starke Konter, schwache Standards

    von Tobias Escher
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    Ein einfaches Auftaktlos? Von wegen! Japan kombiniert kompaktes Pressing mit schnellen Kontern. Wie Deutschland spielen muss und warum Standards das Spiel entscheiden könnten.

    Fußball: Japans Takefusa Kubo.
    Wichtig im taktischen Konzept: Japans Außenverteidiger Takefusa Kubo.
    Quelle: Reuters

    Die deutsche Nationalmannschaft ist gewarnt. 2018 unterschätzte der damals amtierende Weltmeister Auftaktgegner Mexiko - und ließ sich beim 0:1 auskontern. 2022 heißt der erste Kontrahent Japan (Mittwoch, 14 Uhr). Er verfügt über ähnliche Stärken wie Mexiko: Die Japaner verteidigen kompakt und schalten schnell um.
    Deutschland hat jedoch auch Vorteile gegen die wenig torgefährlichen Japaner. Besonders nach Standards ist der Asien-Vizemeister von 2019 anfällig.

    Japan mit kompakten Viererketten

    Die Stärke der Japaner ist ihre Defensive. In den zehn Gruppenspielen der asiatischen WM-Qualifikation fingen sie nur vier Gegentore, zwei davon nach Standards. In den jüngsten Testspielen gegen die USA (2:0), Ecuador (0:0) und Kanada (1:2) ließen sie kein einziges Gegentor aus dem Spiel heraus zu. Kanada traf per Eckball und Elfmeter.

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    Japan verteidigt in einem klassischen 4-2-3-1. Die Abwehrkette schiebt weit nach vorne. Der Abstand zwischen Abwehr- und Mittelfeldkette bleibt gering. Japan sucht im hohen Mittelfeld den Zugriff. Der Stürmer bewegt sich nach vorne, dahinter sichert das Mittelfeld mannorientiert ab.
    Das Pressing der Asiaten ist äußerst dynamisch, sodass ihnen viele Ballgewinne gelingen. Misslingt das frühe Attackieren, ziehen sie sich sofort in ein kompaktes 4-4-1-1 zurück. Lücken lassen sie keine.

    Gegen Japan Räume auf den Flügeln nutzen

    Die deutsche Mannschaft muss auf der Hut sein: Japans Spieler antizipieren ungenaue Pässe frühzeitig und fangen sie direkt ab. Nach Ballgewinnen kontern die Asiaten gnadenlos. Die Außenstürmer attackieren den Raum zwischen Innen- und Außenverteidiger. Sie werden sofort mit Chipbällen bedient.
    Für das deutsche Team sind zwei Facetten wichtig: Die Abwehrspieler müssen Präzision im Passspiel beweisen. Außerdem wird die individuelle Klasse der Außenspieler gefragt sein. Japan möchte den Gegner ins Zentrum lenken.
    Mit einem gewonnenen Duell auf Außen lässt sich ihr Pressing jedoch leicht aushebeln, da die Außenverteidiger nicht weit vorschieben. Wie weit die japanische Elf herausschiebt, ist indes unklar. In der Wüstenhitze Katars könnten sie sich in ein kompakteres, kraftschonenderes 4-1-4-1 zurückziehen.

    Spielkunst und flache Kombinationen

    Im Ballbesitz eröffnet Japan das Spiel meist flach. Sie greifen häufig durch das Zentrum oder über die Halbräume an. Der Zehner, zuletzt Frankfurts Daichi Kamada, empfängt im offensiven Mittelfeld die Bälle.
    Die Außenstürmer lauern auf den Chip-Ball hinter die Kette. Besonders Linksaußen Takefusa Kubo (Real Sociedad San Sebastian) interpretiert seine Rolle offensiv, er startet ständig Richtung Tor.
    Bundestrainer Hansi Flick könnte auf einen eher zurückhaltenden Rechtsverteidiger setzen, der gegen Kubo defensiv absichert. Oder er könnte die offensive Variante wagen. In diesem Fall würde Deutschland über rechts angreifen und die offensive Rolle des japanischen Linksaußen ausnutzen.

    Japan fehlt ein Torjäger

    Japan plagt ein ähnliches Problem wie die deutsche Mannschaft: die Chancenverwertung. Kein asiatisches Team gab in der Qualifikation mehr Torschüsse ab. Am Ende sprangen nur 14 Treffer heraus.
    Dass die Elf so häufig über die einrückenden Außenstürmer angreift, liegt auch daran, dass im Strafraum ein Verwerter fehlt. Die japanische Offensive lässt sich leicht kaltstellen, indem man das Zentrum schließt und Japans Außenverteidiger zu Flanken zwingt.
    Die deutsche Innenverteidigung hat im eigenen Strafraum die Lufthoheit. Auf der anderen Seite ist Japan anfällig in der Luft - nicht unbedingt aus dem Spiel heraus, aber zumindest bei Standards.
    Die Mischung aus Mann- und Raumdeckung versagt bei Eckbällen, sobald der Gegner mit Dynamik aus dem Rückraum vor das Tor sprintet. Flick sollte kopfballstarke Spieler aufstellen, um diese Schwäche auszunutzen.

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