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Fußball - FIFA-Vorhaben - Massive Kritik am geplanten neuen WM-Rhythmus

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Die FIFA will eine drastische Reform des Fußball-Kalenders: Die Weltmeisterschaften sollen alle zwei Jahre ausgerichtet werden. In Europa gibt es massive Kritik.

WM-Pokal
Die FIFA forciert Pläne, die WM alle zwei Jahre auszutragen.
Quelle: dpa

Wenn es nach den Plänen der FIFA geht, soll 2026 die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft im Zwei-Jahres-Rhythmus ausgetragen werden. "Die Fans wollen mehr wichtige Spiele", sagte der zuständige FIFA-Direktor Arsene Wenger nach den zweitägigen Beratungen mit Altstars wie Lothar Matthäus und Jürgen Klinsmann in Katar: "Dazu gibt es für die Spieler mehr Möglichkeiten, um zu glänzen."

Derzeit wird die WM-Endrunde wie das EM-Turnier alle vier Jahre ausgetragen. Nach dem Plan Wengers soll es künftig nach jeder Saison abwechselnd eine EM und eine WM geben. Dafür könnte es pro Spielzeit nur eine statt bisher fünf Abstellungsperioden für die Nationalspieler geben. "So wie es derzeit ist, ist es nicht effizient", äußerte Wenger: "Es gibt doch auch kein Problem damit, dass wir dieses Jahr eine EM hatten und nächstes Jahr eine WM haben werden."

Prominente Altstars pro FIFA

Neben Matthäus, Klinsmann und Sami Khedira gehörten zahlreiche internationale Stars wie Ronaldo, Marco van Basten, Youri Djorkaeff, Michael Owen oder Peter Schmeichel dem hochkarätigen Gremium an, das sich in Doha versammelt hatte. Die Fußballgrößen sollten die äußerst umstrittene Idee der FIFA vorantreiben - und sie taten das wie gewünscht.

Arsene Wenger am 17.12.2020 in Zürich
FIFA-Direktor Arsene Wenger
Quelle: Reuters

Alle zu Wort gekommenen Stars sprachen sich für die Reform aus, die laut Wenger von einem FIFA-Kongress beschlossen werden soll. "Das jetzige Modell stammt aus einer lange zurückliegenden Zeit. Es ist höchste Zeit, es zu erneuern", sagte Ronaldo: "Eine WM ist immer großartig. Wir wollen mehr davon. Die Fans wollen mehr Show."

Entscheidungen bis Ende 2021

Der Däne Peter Schmeichel pflichtete Ronaldo bei: "Alle waren einer Meinung: Der Spielplan ist überholt." Zuvor hatte FIFA-Präsident Gianni Infantino angekündigt, die WM-Frage schon bis Weihnachten klären zu wollen. "Dieser Konsultationsprozess wird sehr umfassend sein, und wir hoffen, ihn bis zum Jahresende abzuschließen", sagte Infantino: "Der aktuelle Kalender der Länderspiele endet 2024. Wir müssen also bis Ende des Jahres Entscheidungen treffen."

Der ganze Ablauf erinnert stark an das Prozedere bei der Aufstockung des WM-Teilnehmerfeldes von 32 auf 48 Mannschaften. Trotz heftiger Kritik an der Idee wurde das Vorhaben damals doch zügig beschlossen.

Alle waren einer Meinung: Der Spielplan ist überholt."
Peter Schmeichel, ehemaliger Nationalspieler Dänemarks

Weltweite Kritik an FIFA-Plänen

Der Widerstand gegen die WM-Revolution ist allerdings groß. So hat sich die Europäische Fußball-Union (UEFA) dagegen ausgesprochen, da dies laut ihrem Präsidenten Aleksander Ceferin das "Juwel" des Weltfußballs "verwässern" würde.

Der Weltverband der Profiligen (WLF) sprach in einer Erklärung von einem Projekt, das "der Wirtschaftlichkeit des Fußballs und der Gesundheit der Spieler schaden" würde.

Der Zusammenschluss der europäischen Ligen, dem auch die Deutsche Fußball Liga angehört, gab eine deutliche Stellungnahme ab. "Die Ligen werden mit den anderen Interessengruppen zusammenarbeiten, um zu verhindern, dass die Fußballverbände einseitige Entscheidungen treffen, die dem nationalen Fußball schaden", hieß es nach einer Sitzung des Vorstands der European Leagues in Nyon. Die Ligen seien "einstimmig" gegen den Vorschlag.

Salihamidzic: "Das mit der WM ist ein Quatsch."

Aus deutscher Sicht lehnte Präsident Herbert Hainer von Rekordmeister Bayern München das Vorhaben entschieden ab. "Man will noch mehr Geld durch noch mehr Wettbewerbe und Spiele machen", sagte Hainer. Noch deutlicher wurde Sportvorstand Hasan Salihamidzic: "Das mit der WM ist ein Quatsch."

Hasan Salihamidzic am08.05.2021 in München
FC-Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic
Quelle: epa

Auch Bundesliga-Trainer wie Jesse Marsch oder Christian Streich sprachen sich am Donnerstag deutlich gegen die Neuerung aus. Streich: "Wenn Sie jetzt eine WM alle zwei Jahre machen, dann weiß ich nicht mehr, wie das dann noch gehen soll". Und weiter:

Es reicht an Spielen. Die Terminhatz ist ja unglaublich."
Christian Streich, Trainer

Und auch rund 50 Fanorganisationen aus aller Welt hatten sich gegen die Pläne ausgesprochen.

Verdienstmöglichkeiten als Treiber?

Dennoch führt die FIFA bereits eine Machbarkeitsstudie zu einem verkürzten WM-Zyklus durch. Offiziell soll diese ergebnisoffen sein - doch an einem positiven Signal wird kaum gezweifelt. Schließlich gilt Infantino als großer Verfechter der Idee.

Die Aussicht auf eine gewaltige Einnahmen-Steigerung durch die häufigere WM-Austragung treibt den FIFA-Boss an. Deshalb hat der Weltverband Allianzen außerhalb Europas geschmiedet. Afrikas Kontinentalverband CAF hat sich bereits für eine Verkürzung des WM-Rhythmus ausgesprochen, auch aus Asien gibt es Unterstützung.

Aus für Club-WM?

Ein anderes Projekt, die "FIFA Club-WM", liegt erst einmal auf Eis: FIFA-Direktor Arsène Wenger zufolge hat der Fußball-Weltverband seine Pläne für die reformierte Club-WM erst einmal ausgesetzt. Es sei auch wegen der Corona-Pandemie entschieden worden, sich zunächst um den internationalen Spielkalender mit Fokus auf den Nationalmannschaftswettbewerben zu kümmern.

Zuletzt hatten japanische Medien berichtet, dass Japan wegen Corona auf die eigentlich für Dezember geplante Ausrichtung der Club-WM noch im alten Format verzichten werde.

Bestätigt sind die Berichte bislang noch nicht. Die FIFA hatte Ende des vergangenen Jahres entschieden, die Club-WM 2021 noch im alten Format stattfinden zu lassen. Ursprünglich hätte in diesem Sommer eine neues Turnier mit 24 Mannschaften in China stattfinden sollen

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