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Fußball | WM-Qualifikation - Gemischte Gefühle bei Joachim Löw

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Durch eine bemerkenswerte Botschaft sammelt die deutsche Nationalmannschaft beim 3:0 gegen Island auch Sympathiepunkte in der WM-Qualifikation ein. Trotzdem bleibt ein Unbehagen.

Bundestrainer Joachim Löw
Quelle: dpa

Es schien demonstrative Vorsorge zu sein, dass Joachim Löw die FFP2-Maske fast die gesamte Spielzeit über trug. Nicht mal beim ersten Fernsehinterview nach dem ungefährdeten 3:0 gegen Island zum Auftakt der WM-Qualifikation wollte der Bundestrainer auf den Schutz verzichten. Denn dieses Statement war dem 61-Jährigen nach dem ersten Corona-Fall (Jonas Hofmann) bei der deutschen Nationalmannschaft wichtig:

Die Sinne sind vom ersten Tag geschärft. Wir verhalten uns so diszipliniert, wie es geht.
Joachim Löw

Und auch sportlich will die um ihre gesellschaftliche Akzeptanz ringende DFB-Auswahl keine Angriffsfläche mehr bieten: Das vor vier Monaten beim 0:6-Debakel in Spanien fürchterlich zerzauste Team verbuchte mit einem "schwungvollen und dynamischen" (Löw) Auftritt in Duisburg erste Pluspunkte.

"Human Rights": DFB-Team setzt Zeichen

Zudem setzte die Mannschaft noch ein sportpolitisches Signal, als die Spieler kurz vor Anpfiff überraschend T-Shirts mit der Aufschrift "Human Rights" enthüllten. Eine Solidaritätsbekundung analog zu den Norwegern, die auf die unbefriedigende Menschenrechtssituation der Arbeitsmigranten im WM-Ausrichterland Katar aufmerksam machen sollte.

WM-Qualifikation Europa: Deutschland - Island
Die DFB-Elf vor dem Anpfiff der Partie gegen Island.
Quelle: epa

Leon Goretzka erzählte, dass man die Buchstaben selbst "drauf geschrieben" habe. "Wir möchten der Gesellschaft klar machen, dass wir das nicht ignorieren, sondern ganz klar machen, welche Bedingungen da herrschen müssen", so Goretzka. "Wir haben eine große Reichweite, eine große Fläche." Damit könne man Werte transportieren, "für die wir stehen wollen". Auch Löw sprach von einem "sehr, sehr guten und wichtigen Zeichen".

Sein endlich wieder stimmiges Ensemble sammelte wichtige Sympathiepunkte, die fast wichtiger als die ersten Zähler auf dem Weg zur Wüsten-WM sein könnten. Nach frühen Toren von Goretzka (3.) und Kai Havertz (7.) - jeweils mustergültig initiiert von Joshua Kimmich - legte Ilkay Gündogan (56.) in der nicht mehr ganz so unterhaltsamen zweiten Halbzeit nach. Herzstück war an diesem Abend ein ebenso spielfreudiges und kampfstarkes Dreier-Mittelfeld mit Kimmich, Goretzka und Gündogan, das dem Gegner anfangs jede Luft zum Atmen nahm.

Corona-Fall Hofmann

Für alle sollte schließlich wieder sichtbar werden, "dass wir diese Leidenschaft auf den Platz bringen, für unser Land spielen zu dürfen", wie Goretzka sagte. Sein überragender Mitstreiter Gündogan, der selbst eine Corona-Erkrankung mit erheblicher Beeinträchtigung hinter sich hat,  war hinterher in Gedanken bei dem positiv getesteten Jonas Hofmann. "Ich hoffe, er ist schnell wieder auf dem Platz."

Große Erfolge, aber auch tiefe Krisen und viel Kritik prägen die Ära Löw. Ein Rückblick auf Löws Sternstunden und Tiefpunkte als Fußball-Bundestrainer.

Beitragslänge:
31 min
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Das Düsseldorfer Gesundheitsamt hatte auch Marcel Halstenberg als Kontaktperson der ersten Kategorie in Quarantäne geschickt, weil der Verteidiger von RB Leipzig bei "einem blöden Backgammon-Spiel" (DFB-Direktor Oliver Bierhoff) mit dem Mittelfeldspieler von Borussia Mönchengladbach im Mannschaftshotel zusammengesessen hatte. Beide fallen nun auch für die WM-Qualifikationsspiele in Rumänien am Sonntag und gegen Nordmazedonien am Mittwoch aus. Auch aus Furcht vor weiteren Ansteckungen will Löw auf Nachnominierungen verzichten.

Infektion löst Hektik aus

Entgegen anderslautender Mitteilung hatte die erste Covid-19-Infektion im DFB-Dunstkreis erhebliche Unruhe ausgelöst. "Es war natürlich nach der Nachricht hektisch. Das hat den ganzen Tagesplan durcheinander gebracht", verriet Löw, der die für den Vormittag anberaumten Sitzungen und auch das Anschwitzen im Hotel absagen musste.

Erst nach weiteren negativen Testungen sämtlicher Spieler, Trainer und Betreuer gab es von behördlicher Seite grünes Licht für die Austragung. Gerade die ersten Tage nach dem Eintreffen aller Akteure ist die Blase eben doch nicht dicht, wie Löw eingestand. "Man muss sich mit solchen Dingen abfinden. Es kann immer passieren, dass was reingebracht wird." Danach aber werden bitte alle Abstands- und Hygieneregeln befolgt – so wie der Bundestrainer es vormachte.

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