Fußball-WM: Rückläufige Quoten in Deutschland

    Abstimmung mit der Fernbedienung:Fußball-WM: Rückläufige Quoten in Deutschland

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    Die Fußball-WM war kein Straßenfeger wie die vorherigen Turniere. Die Quote in Deutschland bei der WM in Katar war deutlich niedriger als bei der letzten WM.

    Katar, Doha: Fußball, WM 2022 in Katar, Argentinien - Frankreich, Finale, im Lusail Stadion, Argentinien-Fans verfolgen das Spiel auf einem Fernseher.
    Die Quoten waren rückläufig, zumindest in Deutschland.
    Quelle: Maximiliano Ramos/ZUMA Press Wire/dpa

    Im EM-Finale geschlagen, aber bei der Quoten-Bilanz 2022 die Nummer eins: Die deutschen Fußballerinnen sind die TV-Königinnen des Jahres.

    Katar-Quote um 40 Prozent eingebrochen

    Keine andere Sport-Sendung im deutschen Fernsehen hatte ein so großes Fernsehpublikum wie die DFB-Auswahl beim verlorenen Endspiel gegen England - auch nicht das WM-Finale am Sonntag zwischen Argentinien und Frankreich. Allerdings profitierten die Vize-Europameisterinnen von einem überraschendem Einbruch der Katar-Quote von rund 40 Prozent im Vergleich zur vorherigen WM in Russland.
    13,86 Millionen Menschen sahen am Sonntag das WM-Endspiel zwischen Argentinien und Frankreich - 17,952 Millionen Menschen hatten am 31. Juli das EM-Finale gesehen.
    "Es freut uns sehr", sagte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. "Denn es zeigt, dass diese Europameisterschaft sportlich sehr attraktiv war. Nicht nur unsere Spiele, sondern auch die der anderen Mannschaften."

    Weniger Lust auf deutsche Spiele

    Lust auf die WM hatten hingegen deutlich weniger Menschen als erwartet. Auch die Spiele der deutschen Männer lockten weniger Fans vor den Bildschirm als gewohnt: 2018 gab es noch einen Schnitt von mehr als 25 Millionen TV-Zuschauern, bei den drei DFB-Spielen dieser WM lag der Wert bei nicht einmal 15 Millionen. Das WM-Spiel mit den meisten TV-Zuschauern war Costa Rica gegen Deutschland mit 17,495 Millionen (Marktanteil 53,1). 
    Auch andere Daten verdeutlichen das gesunkene Interesse. Bei der WM 2018 in Russland hatte es 20 Übertragungen mit mehr als zehn Millionen TV-Zuschauern gegeben. Beim Turnier in Katar waren es lediglich vier.

    1. 17,43 Deutschland-Costa Rica/ARD
    2. 17,06 Deutschland-Spanien/ZDF
    3. 13,86 Argentinien-Frankreich/ARD
    4. 10,58 Frankreich-Marokko/ZDF
    5. 9,23 Deutschland-Japan/ARD
    6. 9,14 Frankreich-England/ZDF
    7. 9,13 Argentinien-Kroatien/ARD
    8. 8,04 Argentinien-Niederlande/ARD
    9. 6,72 Polen-Argentinien/ZDF
    10. 6,21 Katar-Ecuador/ZDF

    Das Finale vor vier Jahren zwischen Frankreich und Kroatien (4:2) hatten 21,45 Millionen Menschen im ZDF geschaut, während es am Sonntag  bei Argentiniens 4:2-Sieg im Elfmeterschießen gegen Frankreich nur 13,86 Millionen waren.
    ARD und ZDF erlebten einen Einbruch von rund 40 Prozent bei der Reichweite. 2018 lag der Durchschnittswert pro Live-Übertragung bei rund 10,16 Millionen, jetzt waren es nur knapp 6,33 Millionen. Norbert Himmler sagte als Intendant des ZDF:  

    Das ist schon eine durchwachsene Bilanz für alle Beteiligten.

    Norbert Himmler, ZDF-Intendant

    Nicht das komplette Quotenbild

    Keine Zahlen gibt es von der Telekom, die gegen Bezahlung alle Partien aus Katar zeigte, davon 16 exklusiv. Auch die Daten der Internetnutzung bei den öffentlich-rechtlichen Sendern liegen nicht alle vor. "Die Digital-Zahlen waren sehr gut und werden immer besser, aber sie gleichen das bei Weitem nicht aus", sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky.

    WM-Bilanz
    :Katar hat gewonnen

    Mit der WM hat die kleine Halbinsel sich unvergesslich gemacht. Viel verändert hat sie allerdings nicht in dem Land selbst. Dafür hatte sie Strahlkraft nach außen.
    Golineh Atai, Doha
    Katar, Doha: Menschen laufen am Nachmittag zum Marktplatz Souq Waqif, im Hintergrund ist die Skyline mit den modernen Hochhäusern zu sehen.
    Warum es so einen Einbruch bei der WM gab?

    Viele Menschen wollten die WM aus persönlichen Gründen nicht schauen und haben es auch nicht getan.

    Martina Voss-Tecklenburg. Bundestrainerin und ZDF-Expertin

    "Auch das Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft nach der Gruppenphase wird wahrscheinlich ein Grund gewesen sein."

    Fußball mit Abstand Sieger beim Sportquoten

    Trotz des deutlichen Minus bei der WM ist Fußball als Sportart unschlagbar. "Fußball bleibt das liebste Kind der Zuschauer, unabhängig von der Kritik an der WM", sagte Balkausky.
    Der Blick auf die Quoten-Bilanz zeigt: Erst auf Platz 41 folgt mit Skispringen eine andere Sportart. Das Neujahrsspringen der Vierschanzentournee sahen 5,44 Millionen Menschen. 

    81 Prozent Marktanteil in Frankreich

    Dem französischen TV-Sender TF1 bescherte das Finale eine Rekordquote. 24,08 Millionen Menschen sahen das Endspiel. Der Marktanteil betrug 81 Prozent, in der Spitze sahen laut TF1 29,4 Millionen Menschen die Partie. Wie der Sender mitteilte, sei dieser "historische Zuschauerrekord" über "alle Programme und Kanäle hinweg" aufgestellt worden.
    Noch nie haben sich demnach so viele Menschen im französischen Fernsehen ein Ereignis auf einem Kanal angesehen. Dabei berief sich TF1 auf Zahlen des Unternehmens Mediametrie. Der bisherige Rekord stammt laut Sender vom WM-Halbfinale 2006 zwischen Portugal und Frankreich, das 22,2 Millionen Zuschauer auf TF1 verfolgten.
    Quelle: dpa, sid

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