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Fußball-WM alle zwei Jahre? - Nächste Runde im Machtkampf

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Der Fußball-Weltverband FIFA will mit seinen 211 Mitgliedsverbänden die Revolution des WM-Spielkalenders diskutieren. UEFA und DFB sind vor dem Online-Gipfel misstrauisch.

WM-Pokal
Die FIFA forciert Pläne, die WM alle zwei Jahre auszutragen.
Quelle: Imago

Digitale Konferenzen sind im globalen Business längst die Regel geworden. Doch die Revolution des WM-Spielkalenders könnte womöglich ein Thema sein, das einen Online-Gipfel überfordert, den der Fußball-Weltverband FIFA am Donnerstag mit seinen 211 Mitgliedsverbänden abhält. Es geht um die Kardinalfrage, ob Fußball-Weltmeisterschaften künftig im Zweijahresrhythmus stattfinden.

Im Misstrauen gegen entsprechende FIFA-Pläne sind die Europäische Dachorganisation UEFA und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) vereint – und halten die virtuelle Beratung für nicht geeignet, weil sie aus ihrer Sicht über einen informellen Charakter nicht hinauskommt. 

Ohne vorbereitende Beratungen mit ausführlichen Informationen in allen Gremien halten wir das nicht für zielführend

, teilte der DFB mit, wird sich aber der Teilnahme nicht verweigern. Zugeschaltet für den Verband ist Multifunktionär und Interimspräsident Rainer Koch.

Befremdliche Kommunikation

Endlich spricht die FIFA also mit denjenigen, die eine engere WM- und EM-Taktung nicht wollen, zumal deren Geschäftsmodell bislang prächtig funktionierte.

UEFA wie DFB bemängeln, dass die Auswirkungen auf die Vereinswettbewerbe, die Belastung der Spieler und die Abstufung vor allem der Frauen-Turniere, die bislang in den ungeraden Jahren eine Art Alleinstellungsmerkmal besitzen, umfassender untersucht gehören.

Hauptkritikpunkt bleibt, dass ihnen quasi im Vorbeigehen die Radikalreform übergestülpt werden soll. Die UEFA war massiv verstört, dass die FIFA das Projekt "bereits kommuniziert und öffentlich beworben hatte, bevor der UEFA die Möglichkeit gegeben wurde, Stellung zu beziehen."

Doppelrolle des DFB

Spannend ist die Doppelrolle des DFB als mitgliederstärkster Verband: Der eine Interimspräsident, Peter Peters, sitzt im FIFA-Council; der andere, Rainer Koch, dient der UEFA-Exekutive. Beide kennen die auseinanderdriftenden Interessen zwischen Europa und dem Rest der Welt, wenn es um den internationalen Spielkalender ab 2023 (Frauen) bzw. 2024 (Männer) geht.

Die Machtspiele haben sich nach dem öffentlichen Getöse längst in die Hinterzimmer verlagert; und jede Fraktion überlegt sich dabei den geschicktesten Winkelzug, nachdem UEFA-Präsident Aleksander Ceferin als schärfstes Schwert mit einem Boykott an einer WM alle zwei Jahre gedroht hatte.

Die UEFA kennt die Gefahr: Europa besitzt mit neun Mitgliedern längst keine Mehrheit im 37-köpfigen FIFA-Council, könnte also locker überstimmt werden. Funktionäre, Spieler, Vereine und Fans in den bevölkerungsreichsten Regionen Asiens und Afrikas können sich sehr gut mit einer WM alle zwei Jahre anfreunden, weil sich der Spitzenfußball ansonsten nämlich nur in Europa abspielt.

Korruptionsvorwürfe bei der Vergabe des Turniers und Menschenrechtsverletzungen im Gastgeberland: Die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar steht in der Kritik. Ein Überblick.

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UEFA verbrüdert sich mit Südamerikaverband

Pikant, dass die UEFA am Dienstag mit dem Südamerikaverband CONMEBOL "einen Ausbau ihrer bestehenden Zusammenarbeit" und gleich noch eine Begegnung zwischen Europameister Italien und Südamerikameister Argentinien im Juni 2022 angekündigt hat.

Eine Retourkutsche, um Handlungsfähigkeit zu demonstrieren. Wenn sich Europa und Südamerika mit allen Mitteln gegen eine Reform der WM stellen, bei der ihre Mannschaften meist ab dem Viertelfinale unter sich sind, ist das ein Statement.

FIFA-Präsident Gianni Infantino setzt all seine Macht dafür ein, um an die gewaltigen Erlösströme einer WM im Zwei-Jahres-Rhythmus zu gelangen. Der gewiefte Impresario aus der Schweiz hat zuletzt eine Reise zur 76. Generalversammlung der Vereinten Nationen unternommen. Es ging ihm vor Ort in New York darum, bei den Herrschern dieser Welt persönlich für sein Prestigeobjekt zu werben. Für die Fußballfunktionäre reicht am Donnerstag ein aus Zürich orchestrierter Online-Gipfel.

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