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Als "Trudy" Ederle die Männer schockte

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Ärmelkanal-Durchquerung 1926 - Als "Trudy" Ederle die Männer schockte

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Mit ihrem Rekord im Ärmelkanal setzte die US-Schwimmerin Gertrude Ederle im Jahr 1926 ein Zeichen gegen Geschlechterrollen. Nun würdigen ein Buch und ein Kinofilm ihr Leben.

Gertrude Ederle reibt sich vor dem Start ein, um sich vor der Kälte im Ärmelkanal zu schützen
Eine Schicht aus Olivenöl, Lanolin und Schweineschmalz schützte Gertrude Ederle vor Kälte
Quelle: Sammlung Erik Eggers

Die Männerwelt ist noch in Ordnung, als Gertrude Ederle am frühen Morgen des 6. August 1926 den Strand von Cap Gris-Nez betritt. Noch sind die Herren der Schöpfung sicher, dass das "schwache Geschlecht" nicht in der Lage ist, die heftigen Strömungen im 34 Kilometer breiten Ärmelkanal zu bezwingen. Viele waren schon gescheitert. Auch Ederle, die Olympiasiegerin von 1924, hatte ein Jahr zuvor aufgeben müssen.

Lilian Cannon, Trainer Burgeß und Gertrude Ederle (v.l.)
Konkurrentin Lilian Cannon, Trainer Burgeß und Gertrude Ederle (von links)
Quelle: Sammlung Erik Eggers

Ungewöhnlicher Kälteschutz

Ederle trägt eine rote Badekappe, eine markante Brille mit honigfarbenen Gläsern und einen dunkelblauen Zweiteiler aus Seide. Diesen ersten Bikini hat sie, wie Anne-Kathrin Kilg-Meyer in ihrer neuen Ederle-Biografie beschreibt, gemeinsam mit ihrer Schwester Meg entwickelt - der lange Schwimmanzug hatte beim ersten Versuch gescheuert. Ihren Körper hat sie mit dicken Schichten aus Olivenöl, Lanolin und Schweineschmalz eingerieben. Das schützt vor der Kälte des Wassers.

Jeder einzelne Schritt Ederles wird von Kameraleuten festgehalten. Sie besitzt einen Vertrag mit einem Zeitungssyndikat, der Exklusivrechte für die "Chicago Tribune" und die "New Yorker Daily News" vorsieht. Diese Zeitungen haben den teuren Trip an den Ärmelkanal finanziert und eine Prämie ausgesetzt. "Lieber sterbe ich, bevor ich diesmal aufgebe", versichert Gertrude "Trudy" Ederle in einer Kolumne vor ihrem Start.

Liveticker nach USA

Ihre größte Konkurrentin am Kanal, die mehrfach gescheiterte Lilian Cannon, wird von der "Baltimore Post" bezahlt. Diese atemlose Jagd nach Schlagzeilen kreiert eines der ersten globalen Events der Sportgeschichte.

Befeuert wird es dadurch, dass man inzwischen auch von Schiffen aus mit einem Marconi-Gerät Nachrichten nach Übersee senden kann: So können die Menschen in New York, wo Ederle am 23. Oktober 1905 als Tochter eines aus Bissingen/Teck eingewanderten Fleischers geboren wurde, wie mit einem Live-Ticker jedes Detail vom Ärmelkanal verfolgen.

"Trudy" Ederle kurz vor der Aufgabe

Auch in New York erfahren die Menschen also sofort, dass sich die Wetterverhältnisse dramatisch verschlechtern, als Ederle die Mitte des Kanals erreicht hat. Der Sturm ist so heftig, dass ihr Trainer Bill Burgess gar zur Aufgabe rät.

Ederles Vater aber lehnt ab. Er hat seiner Tochter nicht nur ein rotes Cabriolet als Prämie versprochen, sondern auch 25.000 US-Dollar auf sie gewettet. Als jemand die Schwimmerin auffordert, an Bord zu kommen, erwidert sie: "What for?" Diese Frage nach dem Warum geht sofort um die Welt.

Ein Roadster zur Belohnung

Ederles Lippen sind vom Salzwasser zerschunden, als sie schließlich total erschöpft Kingsdown erreicht; schwankend stakst sie an den Strand, an dem sie eine jubelnde Menschenmenge erwartet. "Bekomme ich jetzt meinen Roadster?", fragt sie ihren Vater. Der nickt.

Was sie sofort bekommt: weltweite Aufmerksamkeit. Denn sie hat den Ärmelkanal in 14 Stunden und 39 Minuten überquert - und damit zwei Stunden schneller als jeder Mann vor ihr.

Zwei Millionen Menschen feiern Gertrude Ederle in New York
Zwei Millionen Menschen feiern Gertrude Ederle in New York
Quelle: Sammlung Erik Eggers

Von zwei Millionen Menschen gefeiert

Das schockt die Männer - und begeistert die Mädchen und Frauen. Als Ederle drei Wochen später nach New York zurückkehrt, wird die berühmteste Frau der Welt von zwei Millionen Menschen mit einer Konfettiparade geehrt. Ihrem Manager liegen Werbeverträge in Millionenhöhe vor. Doch Ederles Marktwert sinkt dramatisch, als nur einen Tag später mit Mille Glade die nächste Frau den Kanal bezwingt.

Die Wucht des Ruhms setzt "Trudy" Ederle, die ohnehin unter Schwerhörigkeit zu leiden hat, zunächst schwer zu. Doch je älter sie wird, desto besser arrangiert sie sich damit. Ederle ist 98 Jahre alt, als sie 2003 in New York stirbt.

Lily James spielt Gertrude Ederle

Im November soll eine Hollywood-Produktion mit Lily James in der Hauptrolle in die Kinos kommen, welche die berühmteste Frau der Sportgeschichte würdigt.

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