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Torwartlegende Buffon - Gigis (vorerst) letzter Tanz

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Gibt es den einen richtigen Zeitpunkt, um die Sporttasche an den Nagel zu hängen? Italiens Torwartlegende Gianluigi "Gigi" Buffon beweist: Darauf kommt es nicht an. Eine Würdigung.

Gianluigi Buffon am 02.03.2021 in Turin, Italien
Buffon verlässt Juve - ob der 43-Jährige seine Karriere beendet, ließ er offen.
Quelle: Reuters

Eigentlich hätte das ein Text über einen Fußballer werden sollen, der die Zelte abbricht, obwohl er gar nicht will. Über einen, der einfach nicht aufhören kann.

Einer wie Jordan und Schumacher

Und darüber, ob es den richtigen Zeitpunkt, um aufzuhören, überhaupt gibt. Ein Thema, das schon Michael Jordan und Michael Schumacher weglächelten. Auch sie kamen wieder.

Doch dann: Mittwochabend. Finale der Coppa Italia. Gianluigi Buffon, 43 Jahre alt, stellt sich gegen Atalanta zum wohl allerletzten Mal ins Tor von Juventus Turin. Pariert, treibt an. Signalisiert wie eh und je mit Schnute und flacher Hand: Es ist alles unter Kontrolle.

Ungebrochene Freude

Ein "letzter Tanz", frei nach Jordan. Und schließlich: Ein Mann, der sich über seinen sechsten Pokalsieg freut, als wäre es der erste seiner 28 Titel – weil er weiß, dass es diesmal wirklich der letzte sein wird.

Seine Mitspieler tragen ihn auf Händen. Siegtorschütze Federico Chiesa etwa, der bei Buffons Debüt im Nationalteam 1997 vier Tage alt war. Dessen Vater Enrico mit Buffon und Parma die Coppa und den UEFA-Cup gewann. 1999.

Hat's mal wieder allen gezeigt

"Gigi" - der seinem Herzensklub Juve schon einmal, 2018, "Arrivederci" gesagt hatte - hat es wieder allen gezeigt: Es gibt immer einen Grund, weiterzumachen.

Nach dem Pokalsieg postet Buffon: "Das perfekte Finalspiel, das perfekte Ende." Und die perfekte Antwort auf alle, die den Routinier nicht erst seit seinem Bandscheibenvorfall bei der WM 2010 als "zu alt" betitelten.

Gianluigi Buffon am 19.05.2021 in Italien
Buffons Mitspieler feiern die Torwartlegende nach dem Pokalsieg.
Quelle: Reuters

Buffons neues Torwartspiel

"Ist Gigi immer noch ein großer Torwart?", fragte der "Corriere della Sera" vor Buffons Comeback im Februar 2011.

Er war es. "Gigi", der 2006 als Weltmeister Juves Zwangsabstieg in die Serie B mitmachte, holte sich den Weltklassestatus zurück - und das, obwohl sein Torwartspiel inzwischen überholt war.

Buffon lernte mitzuspielen. Nicht so stilprägend wie Manuel Neuer - doch die Torwartlegende, die mit Libero und Manndecker aufwuchs, kam in der Neuzeit an. Buffons vielleicht größte Leistung als Fußballer.

Oliver Kahn stand zu seiner Zeit für irre Reflexe auf der Linie - Manuel Neuer steht außerdem für sein mitspielendes Auge

Beitragslänge:
5 min
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Titel und Tränen

Der Preis dafür: viele Titel und Auszeichnungen - aber auch Tränen. Das Bild des knienden Buffon, dem Jonas Hectors Elfmeter im EM-Viertelfinale 2016 durchrutschte, ging um die Welt.

Vor der Abreise von der EM war Buffon wieder den Tränen nahe: Einer musste die wartenden Tifosi ja drücken. Diese Menschlichkeit zementierte den Mythos, während die verlorenen Champions-League-Finals 2003, 2015 und 2017 zum Antrieb wurden.

Traum(a) Champions League

Nach dem ersten Abschied von Juve ließ sich Buffon auf Paris ein. Der Traum vom letzten fehlenden Titel in seiner Sammlung platzte im Achtelfinale. Zurück bleibt aber auch hier: Bewunderung.

Er ist nicht nur legendär auf dem Feld, sondern auch menschlich großartig. Er kommt jeden Tag mit einem Lächeln, hat die jungen Torhüter ständig im Arm. Es ist top für einen Trainer, so jemanden im Team zu haben.
Thomas Tuchel im Jahr 2018

Kritisch beäugte Rückkehr

Die Rückkehr nach Turin 2019 als Nummer zwei hielten nicht wenige für zu viel des Guten. Was war aus Buffons Worten an seinem schwärzesten Fußballertag geworden? Nach dem WM-Playoff-Aus der Azzurri gegen Schweden 2017 hatte er weinend erklärt, die Zeit für einen Neuanfang sei gekommen.

Im März 2018 stand Buffon wieder im Tor der Nationalmannschaft. Nach lauter Kritik machte der 176-fache Nationalspieler den Weg frei.

Ein "verrücktes Angebot"

Jetzt lässt "Gigi" los. Wieder. Wirklich. Okay: vorerst. Beim Saisonabschluss in Bologna sitzt er auf der Bank. Dass sein angekündigtes Aus bei Juve aber nicht das Karriereende sein muss, stellt Buffon seitdem verdächtig oft klar.

Nach dem Pokalsieg sprach er von einem "verrückten Angebot". Ersatzmann bei einem Champions-League-Favoriten? Berlusconis AC Monza in der Serie B? Es fällt schwer zu glauben, dass "Gigi" keinen weiteren letzten Tanz dranhängt.

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