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Handball - Bundesliga - Gislason: Mehr Lehrgänge, weniger Bundesliga

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Vor dem Start in die 56. Saison der Handball-Bundesliga hat Alfred Gislason die Szene erschüttert: Wenn es nicht mehr Lehrgänge gibt, will der Bundestrainer hinschmeißen.

06.01.2021, Handball-EM-Qualifikation, Österreich - Deutschland: Bundestrainer Alfred Gislason an der Trainerbank
Alfred Gislason
Quelle: Erwin Scheriau/APA/dpa

Probleme gibt es auch so schon genug vor dem Saisonauftakt der Handball-Bundesliga, der mit dem Supercup zwischen Pokalsieger TBV Lemgo Lippe und Meister THW Kiel am Samstagabend eingeleitet wird. Das vorherrschende Thema, das die HBL-Verantwortlichen seit Monaten umtreibt: die Rückkehr der Fans in die Hallen. Vor der Corona-Pandemie speisten die Klubs ihre Budgets zu gut 40 Prozent aus dem Ticketing.

Der Handball braucht volle Hallen

Speziell die Branchenriesen THW Kiel und SG Flensburg-Handewitt, die in den vergangenen vier Spielzeiten den Meister unter sich ausmachten, sind dringend auf volle Hallen angewiesen. Doch die Unsicherheit ist zu spüren angesichts der drohenden vierten Corona-Welle.

"Ich hoffe, dass wir allmählich wieder zur Normalität zurückkehren", seufzt HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann:

Es brennt nirgendwo, aber es bleibt eine schwere Zeit. Diese Saison wird kein Selbstläufer.
HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann
9. Juni 2019, Handball-Bundesliga: THW Kiel - TSV Hannover-Burgdorf: Spieler des THW Kiel laufen in die Sparkassen-Arena ein.
So soll's wieder sein: Volles Haus bei Heimspielen der Handball-Bundesliga - hier THW Kiel.
Quelle: imago images / Philipp Szyza

Und nun werden die HBL-Manager auch noch von einem Erdbeben geschüttelt, das ein Interview der "Sportbild" mit Bundestrainer Alfred Gislason ausgelöst hat. Der Isländer, der in dem Interview auch den Tod seiner Ehefrau im Mai bekannt machte, droht der Liga mit seiner Demission, falls seinem Team nicht ausreichende Trainingslehrgänge ermöglicht werden:

Wenn wir realistisch um Titel mitspielen wollen, müssen wir mehr Vorbereitungszeit bekommen
Bundestrainer Alfred Gislason

Vor Olympia nur sechs Tage Pause

Hintergrund seines Ärgers ist die Phase vor dem Olympiaturnier in Tokio, als die deutschen Spieler nach nur sechs Tagen Urlaub zum Lehrgang reisten und Gislason dort nur ein paar Tage Training blieben. "Ein deutscher Nationalspieler wird nicht super, nur weil er sich das Nationaltrikot überzieht", ätzte Gislason.

Sein Team war im olympischen Viertelfinale sang- und klanglos am Afrikameister Ägypten gescheitert, der sich Monate für den Höhepunkt präpariert hatte.

Pekeler pausiert

Auch vor der kommenden EM im Januar bekommt der Bundestrainer kaum Zeit, sein neues Team einzuspielen - mit Kreisläufer Hendrik Pekeler (Pause) und Rückraum Steffen Weinhold (Rücktritt) fehlen zwei Schlüsselspieler.

"Ich arbeite sehr, sehr gern für Deutschland", sagt Gislason: "Aber wenn ich die Mannschaft kaum sehe, sehe ich wenig Sinn, den Job zu machen." Kurzum: Möglicherweise muss sich der DHB ab Februar einen neuen Bundestrainer suchen.

Dauerthema 16er- statt 18er-Liga

Eine zentrale Forderung Gislasons - die Reduzierung der Bundesliga von 18 auf 16 Teams - flammt seit Jahrzehnten immer mal wieder auf. Aber diese sei, sagt HBL-Präsident Uwe Schwenker, unter den Klubs bislang "stets Keim erstickt worden".

Branchenkrösus THW Kiel etwa wollte bisher nicht auf zwei Heimspieleinnahmen in Höhe von jeweils 300.000 Euro brutto verzichten. Und die Teams aus den unteren Regionen - Balingen, Minden oder Stuttgart - sind gegen eine Verkleinerung der Liga, um nicht in die Zweite Liga abzurutschen.

Neue Debatte um Liga-Verkleinerung?

Doch nun könnte Bewegung in die Sache kommen. Das ernüchternde Olympia-Aus der Nationalmannschaft, die seit jeher als großes Zugpferd für die Liga fungiert, scheint eine offene Debatte möglich zu machen.

"Dieses Thema steht auf der Agenda der HBL-Präsidiumssitzung am Wochenende", berichtet Schwenker:

Die Liga muss sich ihrer Verantwortung für Tokio stellen.
HBL-Präsident Uwe Schwenker

Selbst wenn dies alles tatsächlich eine Reduzierung zur Folge habe, werde die Umsetzung lange Zeit in Anspruch nehmen, so der HBL-Präsident im Gespräch mit dem ZDF: "Das würde nicht von heute auf morgen erfolgen, sondern wäre ein Verfahren von mehreren Jahren." Dann könnte Gislason schon längst das Handtuch geworfen haben.

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