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Nord-Derby in ungewohnter Atmosphäre

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Handball | Kiel - Flensburg - Nord-Derby in ungewohnter Atmosphäre

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Vor dem 103. Nordderby zwischen dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt steht der Gastgeber schon schwer unter Druck. Die "Zebras" leiden unter den Ausfällen im Rückraum.

Filip Jicha
Sorgenfalten bei Kiels Trainer Filip Jicha vor dem Nord-Derby gegen Flensburg.
Quelle: Frank Molter / dpa

Eine seriöse Vorhersage? Kaum machbar. In den bisherigen 102 Handballschlachten zwischen dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt beeinflussten die Emotionen auf den Rängen schließlich oft das sportliche Ergebnis. Unvergessen jenes legendäre Finalhinspiel in der Champions League 2007, als die SG zu Hause hoffnungslos hinten lag, bevor Christian Zeitz aus kürzester Distanz den Kopf des Flensburger Torwarts Jan Holpert traf - und das Spiel schlagartig kippte.

Der große Druck von den Rängen wird fehlen

Inmitten der Pandemie ist alles anders. "Ohne Zuschauer wird sich unser Sport verändern, weil etliche Spieler emotional extrem auf Atmosphäre und Stimmung reagieren", fürchtete Maik Machulla, der Trainer der SG Flensburg-Handewitt, vor der Saison.

Insofern scheint der Ausgang des 103. Nord-Derby am Sonntag (Bericht in der ZDFSPORTreportage, 17:10 Uhr) völlig offen, da in der Kieler Arena, die normalerweise 10.250 Fans fasst, nur knapp ein Viertel der Ränge besetzt werden dürfen. Der ganz große Druck von den steilen Rängen der Arena wird also nicht entfacht werden können.

Kiel geht ausgeruhter ins Spitzenspiel

Was die Regeneration angeht, ist der Rekordmeister aus Kiel deutlich im Vorteil. Während die Champions-League-Partie des THW gegen Saporoschje wegen zahlreicher Corona-Infektionen beim Gegner verschoben werden musste, traten die Flensburger am Donnerstagabend in Skopje (26:31) an. SG-Rechtsaußen Lasse Svan will das - genauso wenig wie die Ausfälle der Mittelblocker Johannes Golla und Jacob Heinl - als Ausrede indes nicht akzeptieren. "Für uns sind solche Spielpläne nichts Neues", betont der dänische Weltmeister und Olympiasieger.

Auf der anderen Seite steht der THW Kiel schon unter großem Druck, da er am letzten Samstag eine vernichtende 22:31-Niederlage bei der HSG Wetzlar kassierte - die höchste Pleite der "Zebras" seit über drei Jahren. Danach attestierte Trainer Filip Jicha seinem Team eine "katastrophale Leistung". So dürfe man sich als THW Kiel nicht präsentieren. Jicha hatte freilich vor der Saison "überraschende Resultate" erwartet, da die Pandemie den gesamten Rhythmus der Profis durcheinandergebracht habe.

Ausfälle beim THW auf der "Königsposition"

Der THW Kiel leidet sichtlich unter den Ausfällen dreier Topspieler. Neben Torwart Niklas Landin, der just zum Welthandballer gewählt worden ist, fehlen mit Nikola Bilyk (Kreuzbandriss) und Sander Sagosen (Muskelfaserriss) zwei Stützen auf der "Königsposition" im halblinken Rückraum. Speziell Sagosen, der eventuell Sonntag eingesetzt werden kann, demonstrierte beim 28:24-Sieg im Supercup gegen Flensburg seine außergewöhnlichen individuellen Fähigkeiten.

Bei den Heimspielen mit maximal 20 Prozent der normalen Zuschauerkapazität erlebte das Hygienekonzept der Handball-Bundesliga seine Premiere. Ob es funktioniert, muss sich zeigen.

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Die Statik des in der letzten Saison so stabilen THW-Systems ist ins Wanken geraten, weil die Abwehr sich deutlich poröser zeigte. Das offensive 4:2-Deckungssystem mit zwei aggressiven Halbspielern, das Jicha favorisiert, ist offensichtlich löchriger als die probaten 6:0- und 3:2:1-Varianten, die sein Vorgänger Alfred Gislason spielen ließ.

In allen drei bisherigen Bundesligaspielen kassierte der THW mindestens 30 Treffer - und die fehlenden Ballgewinne in der Defensive setzten zugleich das Positionsspiel des THW Kiel unter Druck, weil die sogenannten "leichten Tore" aus den Tempogegenstößen fehlten.

All das hat freilich wenig zu sagen für das große Nordderby, das im Handball eine ähnlich große Bedeutung hat wie ihm Fußball der Ruhrpott-Schlager Schalke gegen Dortmund. "Wir werden in jedem Fall aufstehen und nie aufgeben", hat THW-Kapitän Domagoj Duvnjak nach der Pleite in Wetzlar versprochen. "Und ich bin mir sicher, im Derby wird das viel, viel besser als heute."

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