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Handball | Folgen des Lockdowns - Profi-Handball hofft auf Bundeshilfen

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Der Profi-Handball war auf die Verlängerung des Lockdowns vorbereitet. Er hofft auf einen Ausbau der Bundeshilfen - und ist nach der WM im Januar zwingend auf Zuschauer angewiesen.

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Der Profihandball benötigt spätestens nach Weihnachten wieder Zuschauererlöse.
Quelle: dpa

Im Profi-Handball hatte niemand gebannt nach Berlin geschaut. Kein Manager hatte angesichts der Fallzahlen ernsthaft damit gerechnet, die Politik werde wieder Zuschauer zu den Spielen zulassen. Auch Frank Bohmann, der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL), hatte mit der Verlängerung des Lockdowns bis Weihnachten kalkuliert, den die Bundeskanzlerin am Mittwochabend verkündete.

Lage ist unwägbarer als im Frühjahr

Bereits Anfang November, als der Lockdown begann, hatte die HBL beschlossen, ihren Spielbetrieb bis Weihnachten notfalls auch mit "Geisterspielen" durchzuführen. "Dann müssen wir die Lage neu einschätzen", sagte Bohmann. Dann werde sich zeigen, ob die Maßnahmen des Lockdowns Wirkungen gezeigt hätten. Aber natürlich werde nun "die Luft immer dünner".

Jetzt geht es für alle Clubs nur noch ums Überleben.
Gerd Hofele, der Geschäftsführer von Frisch AUF! Göppingen

"Die Lage ist viel unwägbarer als noch im Frühjahr, als nach dem Spielabbruch das Kurzarbeitergeld den Schaden eingrenzte", so Gerd Hofele, der auch im HBL-Präsidium für Finanzen zuständig ist. "Wir wissen ja nicht einmal, ob wir den Spielbetrieb aufgrund der Quarantänebestimmungen wie geplant durchbringen können."

Sponsoren-Engagements an Zuschauerpräsenz gebunden

Klar ist, dass die Klubs spätestens nach Weihnachten zwingend angewiesen sind auf Zuschauer. Andernfalls werde, klagt Bohmann, den Bundesligisten dauerhaft "das Geschäftsmodell" entzogen.

Ich hoffe, dass wir spätestens nach der WM im Januar wieder mindestens jeweils 500 Zuschauer in die Hallen lassen können.
Gerd Hofele

Nur mit Zuschauern in der Halle könne man verhindern, dass auch der zweite große Finanzierungspfeiler wegbreche: die Erlöse aus dem Sponsoring. Die Engagements vieler Sponsoren sind eng mit der Zuschauerpräsenz bei den Heimspielen verbunden, betont Wolfgang Strobel, Geschäftsführer der HBW Balingen-Weilstetten. In vielen Verträgen sei die Bereitstellung von Tickets enthalten.

Fans des THW Kiel sitzen zwischen Pappaufstellern, die Bilder von nicht anwesenden Fans zeigen.

Handball: Zuschauererlöse - Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel 

Corona stürzt die Handball-Bundesliga in eine Notlage. Anders als im Fußball, sind die Profiklubs zwingend auf Zuschauererlöse angewiesen, wie das Beispiel des THW Kiel belegt.

von Erik Eggers

"Es war sehr wichtig für uns, dass wir im Oktober 500 Leute in die Halle lassen konnten, weil wir so unseren Verpflichtungen gegenüber den Sponsoren nachkommen konnten", sagt Strobel. Wenn nun aber die Sponsoren zurückzögen, weil bei Geisterspielen diese Leistungen nicht erbracht werden können, "dann wäre das unser Tod", prognostiziert Strobel.

Hoffnung auf Corona-Hilfen

Derzeit kann kein Klub zudem seriös vorhersagen, wie viele Sponsoren in dieser Pandemie ihre Marketingetats reduzieren müssen. "Die Sponsoren kommen schon zu uns", berichtete Marc Weinstock, der Aufsichtsratschef des THW Kiel, schon im September. "Es gibt immer mehr Sponsoren, die es trifft." Umso mehr hoffen die Klubs darauf, dass die Beihilfen aus dem Bundesprogramm "Coronahilfen Profisport" auf das Jahr 2021 ausgedehnt werden.

HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann über den Entschluss der Politik, für den Profisport im November keine Zuschauer zuzulassen.

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Viele HBL-Klubs haben diese Hilfen, die den Zuschauerausfall bis Ende 2020 kompensieren sollen und auf 800.000 Euro pro Klub gedeckelt sind, beantragt – inzwischen sind laut Bundesinnenministerium über 55 Millionen Euro dafür bewilligt worden. Wenn der Bundestag das Programm auf 2021 ausdehnen würde, könnten Klubs wie die HSG Wetzlar zumindest ihre Ticketingausfälle fast komplett ersetzen. "Aber das ist aktuell nicht sicher", warnt HBL-Boss Bohmann. "Es gibt verschiedene Modelle, die diskutiert werden."

Millionen für Flensburg und Kiel

Die Flaggschiffe THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt dürfen auf Zuwendungen des Landes hoffen – Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther hat den Klubs je eine Million Euro in Aussicht gestellt. Die Eulen Ludwigshafen wären schon froh, ihre Spielstätte weiter nutzen zu können. Die Stadt hat angekündigt, die Friedrich-Ebert-Halle ab Januar als Impfzentrum nutzen zu wollen.

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