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EM | Deutscher Frauenhandball - Bundestrainer fordert mehr Professionalität

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Der deutsche Frauenhandball hinkt großen Nationen wie Norwegen oder Frankreich seit Jahren hinterher. Bundestrainer Henk Groener mahnt daher eine weitere Professionalisierung an.

Frauenhandball-Bundestrainer: Henk Groener
Frauenhandball-Bundestrainer: Henk Groener vermisst professionelle Strukturen.
Quelle: dpa

Vom norwegischen Paradies können die deutschen Handballerinnen, die zurzeit bei der 14. EM in Dänemark um den Halbfinaleinzug kämpfen, nur träumen. Dort unterstützt der Staat seit vielen Jahren den Frauenhandball derart intensiv, dass jede Nationalspielerin sich voll auf ihren Sport konzentrieren kann. Auch deshalb zählt der Rekordeuropameister, der am Samstag in Kolding zweiter deutscher Vorrundengegner ist, wieder zum Favoritenkreis.

Abhängigkeit von Deutscher Sporthilfe

In Deutschland beschränkt sich die Unterstützung auf die Deutsche Sporthilfe, und aktuell gibt es derzeit nur drei Klubs, die überhaupt über die finanziellen Möglichkeiten verfügen, auf bescheidenem Niveau Vollprofis zu beschäftigen: der BVB Dortmund, der Thüringer HC und die SG BBM Bietigheim. Bundestrainer Henk Groener, der seit 2018 für die DHB-Auswahl zuständig ist, formuliert eine nüchterne Bestandsaufnahme zum deutschen Frauenhandball.

Die Bundesliga ist qualitativ gut, aber keine Weltspitze.
Frauenhandball-Bundestrainer Henk Groener

Der Erfolgscoach, der zuvor die Niederländerinnen in atemberaubend kurzer Zeit an die Weltspitze geführt hat - aktuell führt das Team sogar den WM-Titel - fordert seit Beginn seiner Amtszeit im Frühjahr 2018 eine Professionalisierung des deutschen Frauenhandballs. Wenn man in die Weltspitze wolle, sagt er, dann sei das nicht mit Amateurinnen möglich: "Wir brauchen Spielerinnen, die eine professionelle Handballkarriere verfolgen wollen", sagte er damals. Die Zeiten, in denen die frühere Nationalmannschaftskapitänin Anna Loerper einst in einer Agentur arbeitete, sind seitdem vorbei.

Handballerinnen flüchten ins Ausland

Viele Spielerinnen haben jedenfalls auf Groeners Forderung reagiert und sind ins Ausland gewechselt. So etwa Emily Bölk, die im Sommer vom Thüringer HC zu Ferencváros Budapest wechselte, ebenso wie ihre Kollegin im Rückraum, Alicia Stolle (die allerdings wegen einer Corona-Infektion bei der EM fehlt). Dort spielt auch, nach einem einjährigen Abstecher nach Russland, Kreisläuferin Julia Behnke. In Ungarn sorgt ebenfalls das Geld des Staates für eine überlegene Infrastruktur und Finanzierung.

Die Rahmenbedingungen der ausländischen Vereine bietet kein einziger deutscher Frauen-Klub.
DHB-Kreisläuferin Julia Behnke

"Man sieht in der internationalen Spitze, sei es in der Champions League oder im EHF-Pokal, dass die deutschen Vereine da noch nicht mithalten können", so Julia Behnke im "Mannheimer Morgen". Im großen Konzert auf europäischer Bühne spielen neben den ungarischen und norwegischen Klubs auch Vereine aus Rumänien, Montenegro und Frankreich mit.

Vorbild Frankreich

So freut sich Groener darüber, dass mit Xenia Minevskaja eine weitere zentrale Rückraumspielerin in der Wallachei ihre Wettkampfhärte stählt. Nach einem Jahr im französischen Brest ist die gebürtige Minskerin im Sommer zu Ramnica Valcea gewechselt. Sie genieße dort die "Intensität und Ausgeglichenheit der Liga", hat die 28-Jährige dieser Tage berichtet. Torhüterin Dinah Eckerle steht beim französischen Topklub Metz Handball unter Vertrag.

Bundestrainer Groener allerdings betonte, dass er den Auszug seiner Spielerinnen ins Ausland nicht gefordert habe. "Wenn sich unsere Champions League-Teams gut entwickeln und professionell aufgestellt sind, muss man auch nicht ins Ausland gehen", so der Niederländer. Insofern muss Xenia Smits nicht um ihren Stammplatz auf Halblinks fürchten: Sie ist im Sommer aus Metz nach Bietigheim gewechselt. "In Frankreich trainieren die Frauenklubs unter extrem professionellen Bedingungen", weiß Smits. Davon könnten sich deutsche Klubs eine Scheibe abschneiden, sagt sie und fordert Visionen für den deutschen Frauenhandball. "Groß denken schadet nie."

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