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Handball-Erfolge: Made in DDR

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30 Jahre deutsche Einheit - Handball-Erfolge: Made in DDR

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Der Handball hat nach 1990 von der Qualität des untergegangenen DDR-Systems profitiert, wie nicht nur der Fall Henning Fritz belegt. Wesentliche Strukturen aber wurden zerschlagen.

Johannes Bitter, Carsten Lichtlein and Henning Fritz
Gefeierte Handball-Helden von 2007: Johannes Bitter, Carsten Lichtlein und Henning Fritz (v.l.)
Quelle: Reuters

Auf den ersten Blick liegen Welten zwischen Moskau 1980 und 2007. 27 Jahre waren es zwischen der olympischen Goldmedaille der DDR-Auswahl und dem "Wintermärchen", dem WM-Triumph in Köln. Doch auf der Torhüterposition lassen sich Kontinuitäten erkennen: Torwart Henning Fritz, gefeierter Weltmeister von 2007 und überhaupt der erste Torwart, der 2004 Welthandballer war, hatte sich stets an Wieland Schmidt orientiert, dem großen Keeper des SC Magdeburg.

Geboren 1974 in Magdeburg, hatte der junge Fritz oft hinter dem Tor des Olympiahelden gehockt. "Dann habe ich mit großen Augen seine Reflexe bewundert", so Fritz. Als er 1988 zum SCM wechselte, hieß sein Torwarttrainer: Schmidt. Diese direkte Linie, die 30 Jahre nach der Wiedervereinigung von Ost und West logisch erscheint, ermöglichte freilich erst günstiges Schicksal.

SC Magdeburg übersteht turbulente Zeit

Während viele Zentren des DDR-Handballs zerschlagen wurden, überlebte Magdeburg als einzige östliche Hochburg die turbulente Zeit nach dem Mauerfall 1989: Geführt von seinem umtriebigen Manager Bernd-Uwe Hildebrandt, wurde der SC Magdeburg 2001 Deutscher Meister und gewann ein Jahr danach sogar die Champions League.

Außer dem Zentrum Magdeburg ist von den Strukturen des DDR-Leistungshandballs nicht viel übriggeblieben.
Handball-Historiker Lorenz Völker

Am Ende der 1960er Jahre, als die DDR den Staatssport mit viel Geld und Personal forcierte, waren fünf Sportklubs als große Handball-Zentren inklusive Jugendschulen aufgebaut worden: Neben Magdeburg waren dies der SC Empor Rostock, der ASK Frankfurt/Oder, der SC Dynamo Berlin und der SC Leipzig.

Silber 1970 rettet Förderung des DDR-Handballs

Dabei stand der Handball zunächst auf der Kippe, weil er personalintensiv war und, anders als das Rudern, Turnen oder Schwimmen, wenig Medaillen versprach. Insofern war das WM-Silber 1970 in Frankreich wichtig, erinnert sich der damalige Spieler Klaus Langhoff. "Ich weiß nicht, wie es ohne Medaille mit unserem Sport weitergegangen wäre. Damals gab es ernsthafte Bestrebungen, Handball aus dem Förderprogramm zu nehmen."

"Die enormen Anstrengungen des Staatssports, der große Einsatz von Trainern und die frühe systematische Sichtung geeigneter Kinder und Jugendlicher - das ist alles verschwunden", sagte der Sporthistoriker Völker. Auch die geforderte Konformität und sozialistische Staatstreue, der ausgesonderte Stars wie Wolfgang Böhme zum Opfer fielen - der Kapitän der Nationalmannschaft wurde im Sommer 1980 wegen des Vorwurfs der Republikflucht "ausdelegiert" -, gehörte der Vergangenheit an. Exaltierte Persönlichkeiten wie Stefan Kretzschmar wurden erst durch die Wende möglich.

Beispielloser Exodus nach 1990

Rund 300 im Osten ausgebildete Handballer wechselten wie Kretzschmar nach 1990 in den Westen, ein beispielloser Exodus. Zentren wie Frankfurt wurden aufgelöst. Dass heute in Leipzig mit dem SC DHfK ein neuer Leuchtturm des ostdeutschen Handballs steht, ist allein der Initiative von Leuten wie dem heutigen Geschäftsführer Karsten Günther zu verdanken: Die Handballer des SC DHfK, Europapokalsieger von 1966, waren 1975 durch einen Beschluss in den SC überführt worden.

Der gesamtdeutsche Handball profitierte nicht nur durch den Olympiaplatz für 1992, den die DDR-Auswahl 1990 sicherte, und den WM-Titel 1993 der Frauen, sondern auch langfristig durch die Wiedervereinigung: So war Langhoff, 1980 Trainerassistent beim "Wunder von Moskau", lange als Junioren- und Jugendtrainer für den DHB aktiv. Auch zählt er zu den geistigen Vätern und Entwicklern des Jugendzertifikats in der Handball-Bundesliga.

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Bildnummer: 00063548  Datum: 00.00.1984  Copyright: imago/Camera 4 Jens Weißflog (DDR) beim Interview; Olympische Spiele 1984, Olympia, Winterspiele, Olympiade, Nachdenklichkeit, Skispringen OS Winter Herren Einzel Kanada Einzelbild Randmotiv Personen

30 Jahre deutsche Einheit -
Das goldene Wintersport-Erbe der DDR
 

Deutschland gehört im Wintersport zu den erfolgreichsten Nationen weltweit. Das hat auch 30 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung viel mit dem Erbe der DDR zu tun.

von Lars Becker
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