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100 Tage vor Olympia - Röhler: "Thema Impfung ist wichtig"

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Noch 100 Tage bis Olympia in Tokio. Olympiasieger Thomas Röhler im Interview zu Impfungen für Ahtleteninnen und die magische Zahl 100 im Speerwurfsport.

Speerwerfer Thomas Röhler
Speerwerfer Thomas Röhler
Quelle: dpa

ZDFsport: Herr Röhler, ich sage 100 – was geht Ihnen als erstes durch den Kopf?

Thomas Röhler: Wenn ich nur die 100 sehe, dann denke ich zuerst an den 100-Meter-Lauf. Das muss ich ehrlich zugeben. Da bekomme ich jetzt bestimmt Schelte von vielen meiner Wurfkollegen. Aber ganz ehrlich, für mich steht die 100 für die 100 Meter, für die Strecke, über die der schnellste Mann und die schnellste Frau der Welt ermittelt werden. Das Zweite ist natürlich, dass die 100 Meter die machbare Distanz in unserem Speerwurfsport sind. Viele wollen diesen Rekord eines Tages brechen.

ZDFsport: Ihnen könnte auch einfallen, dass in 100 Tagen die Olympischen Sommerspiele in Tokio beginnen.

100 Tage vor den Olympischen Spielen in Tokio ist die Skepsis der Japaner hinsichtlich einer Durchführung gestiegen - nicht zuletzt wegen steigender Coronazahlen im Land.

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Thomas Röhler: Stimmt. Aber ich bin nicht so ein zahlenbasierter Mensch. 100 Tage bis Olympia – das ist natürlich ein schöner Meilenstein. Das Event rückt ein Stück näher, aber es ist noch viel Arbeit zu tun, es werden in der Sportwelt bis dahin noch viele Dinge passieren. Insofern sind die 100 Tage für mich erstmal nur ein nettes Bild, ein Reminder: Hey, es ist Olympiajahr, und es ist gar nicht mehr lange hin.

ZDFsport: Haben Sie Sorge, dass Sie sich in den verbleibenden 100 Tagen mit Corona infizieren könnten?

Thomas Röhler: Man muss alles geben, sich an die Maßnahmen zu halten und mit viel, viel Menschenverstand agieren. Aber das ist jetzt seit einem Jahr so.

ZDFsport: Die ersten Wettbewerbe in Hallen haben gezeigt, dass Athleten sich nicht ganz sicher sein können. Beim Fechten und bei der Hallen-Leichtathletik gab es viele positive Fälle.

Thomas Röhler: Das ist korrekt. Wir müssen uns alle nichts vormachen:

Es wird Infektionen geben. Die Frage ist, wie damit umgegangen wird. Wie kann man dann schnell und verantwortungsbewusst im Sinne der Athleten handeln.

Der Wunsch ist, als Sportler geimpft zu Olympia zu fahren. Doch die Sache hat zwei Haken: Die Impfreihenfolge und die Tatsache, dass Impfungen dem Körper in der Olympiavorbereitung zusetzen.

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ZDFsport: Warum die Athleten, die nach Tokio fahren, nicht einfach alle impfen?

Thomas Röhler: So viele sind es ja nicht, wäre die kurze Antwort. Aber das ist eine gesellschaftspolitische Angelegenheit, die auf anderer Ebene geklärt werden muss als auf der, dass ein Sportler sagt: Ich würde gern geimpft werden.

  

Das Thema ist wichtig. Eine Impfung würde uns vieles erleichtern. Aber wir Sportler müssen da aufpassen, nicht nur uns muss etwas erleichtert werden, sondern Menschen in vielen gesellschaftlichen Bereichen brauchen und wollen eine Impfung, um wieder ins Rollen zu kommen.     

ZDFsport: 2020 sind Sie als Speerwerfer kaum in Erscheinung getreten. Woran lag das? An Corona, an der Olympia-Verschiebung, an der Geburt Ihres Kindes im Juli?

Thomas Röhler: Das war eine Mischung. Da war die neue familiäre Situation, die ich genießen konnte. Aber ich wollte auch meinem Körper mal die Chance geben, nach zehn Jahren Leistungssport Luft zu holen. Ich bin wirklich zufrieden mit der Entscheidung. Und ich lag ja nicht ein Jahr lang rum.

ZDFsport: Im vergangenen September hat ihr Kollege und größter nationaler Rivale Johannes Vetter seinen Speer auf unglaubliche 97,76 Meter fliegen lassen. Wie haben Sie das erlebt?

Thomas Röhler: Das war natürlich eine enorme Leistung. Ein Wurf, der nicht alle Jahre passiert. Das habe ich respektvoll wahrgenommen, mit der Leistung ist Johannes in die Sportgeschichtsbücher eingegangen.  

Speerwurf-Ass Johannes Vetter über seinen jüngsten Wurf auf 97,76 Meter und seine Motivation für diese schwierige Corona-Zeit.

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ZDFsport: Konnten Sie sich darüber freuen, dass das geht, dass der Speer so weit fliegen kann, dass der 1996 von Jan Zelezny aufgestellte Weltrekord tatsächlich wackelt?

Thomas Röhler: Das stand für keinen von uns zur Debatte. Das war ein Beweistag – wenn die Bedingungen stimmen, kann der Speer einfach mal richtig weit segeln.

ZDFsport: Und der Gedanke: Verdammt, warum er und nicht ich – wie präsent war der?

Thomas Röhler: So funktioniert Sport nicht…

DOSB-Präsident Alfons Hörmann zur Problematik des Impfens von Olympia-Teilnehmern im Gespräch mit ZDF-Moderator Norbert König.

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ZDFsport: … aber so funktionieren Menschen.

Thomas Röhler: Ja. Aber du kannst nicht bei jedem Wettkampf sein. Wenn du dann jedes Mal denkst hätte, wäre, könnte – es gibt nun mal kein Leben im Konjunktiv. Ich habe das aufgenommen, hingenommen, geiler Speerwurf. Aber ich war nicht da. Und ich persönlich bin gar nicht so der rekordorientierte Werfer. Ich hoffe auf eine lange, gesunde Karriere. Ich gucke auf Wettkämpfe Mann gegen Mann.

ZDFsport: Wenn Sie wählen müssten oder dürften, würden Sie noch mal Olympiasieger werden wollen, oder lieber der erste Werfer, der die 100-Meter-Marke übertrifft?

Thomas Röhler: Dann würde ich den Olympiasieg nehmen. Das ist das Größte, was man in unserem Sport gewinnen kann.

Das Interview führte Susanne Rohlfing

Olympia - Schrifzug

Olympia - Olympia - Tokio 2020 

Alles zu den Olympischen Sommerspielen 2020

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