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Sommermärchen | Kommentar - Die Justiz hat versagt

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Der Prozess um die Vergabe der Fußball-WM ist wegen Verjährung zu Ende. Die Schweizer Justiz steht vor einem Scherbenhaufen, kommentiert Christoph Schneider.

Grafik zu Sommermärchen-Prozess
Quelle: ZDF

Es war einmal vor 14 Jahren, da wurde in Deutschland eine Fußball-WM gefeiert. Der Gastgeber wurde zwar nicht Weltmeister, doch es bleiben Erinnerungen an tolle Stimmung, volle Stadien und sonniges Wetter. Doch bald zogen dunkle Wolken auf: War die Vergabe der WM 2006 gekauft? Ein Verdacht, dem man nachgehen wollte.

Aufklärung nicht mehr möglich

14 Jahre später steht die Schweizer Justiz vor einem Scherbenhaufen. Aus der Traum, der Traum von der Aufklärung über die Hintergründe des deutschen Sommermärchens.

Ob es sich tatsächlich noch mit rechtsstaatlichen Mitteln herausfinden lässt, was mit der Zahlung von 6,7 Millionen bezweckt wurde - es darf getrost bezweifelt werden. Denn die, die hätten aufklären können, sind entweder verstorben, gesundheitlich angeschlagen oder schweigen im sicheren Wüstenstaat.

Bundesanwaltschaft im dunklen Licht

Viel schlimmer aber: die Justiz hat versagt. Und nicht die irgendeines Unrechtsstaates, sondern die Strafjustiz der Schweiz. Die Verstrickungen des obersten Schweizer Anklägers in der Causa Sommermärchen, der sich mit FIFA-Oberen traf - es wirft ein ganz dunkles Licht auf die Bundesanwaltschaft.

Ankläger dann ausgetauscht, andere übernehmen - doch eher halbherzig. Klar könnte der Empfänger der 6,7 Millionen Mohamed bin Hammam aus Katar, übrigens lebenslang wegen Korruption gesperrter FIFA-Funktionär, aufklären, doch die offizielle Anfrage der Ermittler verläuft sprichwörtlich im Sande.

Klar könnte man nachhaken, aber man muss nicht. Schwarze Wolken also über den Anklägern, aber auch das Bundesstrafgericht trägt seinen Teil zum juristischen Trauerspiel bei.

Die Schweiz kann schneller

Anderthalb Monate vor Verjährung dann doch noch das Verfahren in aller Eile durchziehen zu wollen - ziemlich sportlich. Wiewohl: In der Schweiz können auch große Strafprozesse von der Anklageverlesung bis zum Urteil schon mal binnen einer Woche erledigt werden.

Doch dieses Verfahren ist zu groß. Zu groß die Zahl der Verteidiger der Angeschuldigten, die mit aller Hartnäckigkeit auf die Ungereimtheiten und Befangenheiten der Ankläger mit einer Flut von Anträgen und Eingaben reagieren. Und die stark angegriffenen Ankläger - sie können eigentlich nicht mehr gegenhalten.

Strudel von Befangenheiten

Mag auch vieles richtig ermittelt worden sein - das geht in einem Strudel von Befangenheiten unter. Die Corona-Pandemie hat das Verfahren dann endgültig zum Erliegen gebracht. Doch richtig kommunizieren tut das Bundesstrafgericht das nicht.

Schlussendlich bleibt neben dem juristischen Scherbenhaufen auch ein Kommunikationsdesaster. Bleibt zu hoffen, dass sich jetzt ein reinigendes Gewitter über der Schweizer Bundesanwaltschaft entlädt.

Mehr zu den Folgen der Verfahrenseinstellung

Christoph Schneider gehört zur ZDF-Redaktion Recht & Justiz.

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