ZDFheute

Appell der Ultras happig, aber vernünftig

Sie sind hier:

Fußball-Bundesliga | Kommentar - Appell der Ultras happig, aber vernünftig

Datum:

Fans sprechen sich gegen Geisterspiele in der Fußball-Bundesliga aus und würden lieber den Saisonabbruch in Kauf nehmen. Nicht ganz zu Unrecht, kommentiert Thomas Wark.

Keine Zuschauer beim Derby Borussia Mönchengladbach - 1. FC Köln
Fußball-Bundesliga am 11. März 2020: Das Spiel Borussia Mönchengladbach - 1. FC Köln (2:1) fand ohne Zuschauer statt.
Quelle: AP

Die letzten Tage dieser fußballlosen Zeit machen deutlich, dass es für einige Profivereine angesichts der Corona-Krise nur noch ums Überleben geht. Mitten hinein in diese ebenso trostlose wie schonungslose Bestandsaufnahme, in der nur noch die letzte Tranche der TV-Gelder Rettung verspricht, melden sich die Ultras wieder.

Die "Fanszenen Deutschlands" (ein Zusammenschluss der meisten deutschen Fangruppen, die sich den Ultras zugehörig fühlen und deren Einfluss zunehmend größer wird), forderten am Donnerstagabend: "Quarantäne für den deutschen Fußball - Geisterspiele sind keine Lösung".

Klare Postulate der Fußball-Fans zu Geisterspielen

Die Ultras liefern einen detaillierten Katalog klarer Postulate, die nichts zu tun haben mit einem möglichen Spaßentzug durch Geisterspiele. Im Gegenteil: Lieber wird der Abbruch der Saison 2019/20 in Kauf genommen, als dass der Fußball weiter von der Gesellschaft entkoppelt werde.

Die Suche nach anderen Lösungen als der eindimensionalen Abhängigkeit von TV-Geldern wird angeregt und mit dem Appell versehen, dass eine Solidargemeinschaft von Großen und Kleinen in der Branche erfolgversprechender sein wird als das Wohlergehen einzelner Krisengewinner.

Den Nerv Vieler getroffen

"Die jetzige Herausforderung ist auch eine Chance: Die Verbände sollten diese Krise als solche begreifen und die Strukturen des modernen Fußballs grundlegend verändern. Es ist höchste Zeit", so der Appell. Das Papier der Ultras, ohne Larmoyanz und verklärende Fußballromantik geschrieben, trifft den Nerv vieler in diesen Tagen.

Bund und Länder haben sich auf eine Linie geeinigt: Ab Montag dürfen kleinere Geschäfte öffnen, in zwei Wochen werden die nächsten Schritte verhandelt. Das Statement der Kanzlerin im Video.

Beitragslänge:
10 min
Datum:

Die Fanszenen veröffentlichten ihre Stellungnahme am Tag, als Kanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten ihre Entscheidungen über Lockerungen der gesellschaftlichen Beschränkungen mit diesem Satz garnieren: "Wir haben noch nicht über Sport gesprochen."  

Fußball Nebensache in der Krise

Vier Stunden Sitzung und kein Wort über die Bundesliga? Die Botschaft ist klar: Auch der Fußball bleibt Nebensache in der Krise. Geht es nach den Ultras, dann sollten Insolvenzen (13 von den 36 Profivereinen sind ernsthaft bedroht) und ein Saisonabbruch eher in Kauf genommen werden als die kurzfristige Rettung der Blase Profifußball.

Die Forderungen der Ultras sind happig, aber sie offenbaren Kerngedanken, die von Vernunft und der Sehnsucht nach Nachhaltigkeit getragen sind. Einen Tag, bevor die Kanzlerin mit ihren Länderchefs tagte und die Ultras Quarantäne für den Fußball forderten, gab Schalkes Finanzvorstand Peter Peters zu, dass sein Verein schlimmstenfalls in Insolvenz gehen müsste.

Sehnsucht nach Drosselung des Turbo-Kommerzes

Natürlich werden DFL und DFB alles versuchen, die Unterhaltungsbranche Fußball am Leben zu halten. Wer aber garantiert, dass das große Schalke mit 200 Millionen Schulden und 100 Millionen Investitionen bei der nächsten Krise nicht wieder gefährdet sein wird?

Die Ultras und ihre Denkanstöße sind getrieben von der Sehnsucht nach einer neuen Vernunft und nach einer Drosselung des Turbo-Kommerzes. Diese Diskussion muss geführt werden, denn die Chance, die diese Krise bietet, ist einmalig.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.