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Kommentar zu Dopingprozess - "Klares Signal im Antidopingkampf"

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Im Münchner Dopingprozess ist der Hauptangeklagte Mark S. zu knapp fünf Jahren Haft verurteilt worden. "Ein deutliches Signal im Antidopingkampf", kommentiert Christoph Schneider.

Der deutsche Sportmediziner Mark S. (M), angeklagt als Drahtzieher eines internationalen Doping-Netzwerks im Radsport und Wintersport, spricht mit seinen Anwälten Alexander Dann (r) und Yuri Goldstein (l)
Mit dem Urteil hat "das Anti-Doping-Gesetz seinen Lackmustest bestanden", kommentiert Christoph Schneider.
Quelle: Reuters

Eigentlich ist die verhängte Freiheitsstrafe von vier Jahren und 10 Monaten gegen den hauptangeklagten Erfurter Mediziner Mark S. keine große Überraschung. Schon lange vor der Hauptverhandlung hatten sich Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidiger vorab um eine Verständigung bemüht. Denn klar war: Mit dem Verfahren würde man Neuland betreten. Da machte die Zweite Strafkammer des Landgerichts München II deutlich, dass sie eine Haftstrafe zwischen vier und sechs Jahren als realistisch ansehen würde.

Jahrelang hatte der Arzt Mark S. Sportler gedopt – bis er aufflog. Im Prozess wurde der Hauptangeklagte jetzt zu vier Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt.

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Nun sind es knapp fünf Jahre - erwartbar. Und die vier Mitangeklagten wurden zu deutlich niedrigeren Strafen verurteilt. Nicht als bandenmäßige Mittäter, sondern als bloße Helferin und Helfer - nachvollziehbar. Denn einzig Mark S. hatte das Heft des Handelns in der Hand, setzte die vier Mitangeklagten nach Belieben bei seinen Machenschaften quer durch Europa ein, die willig folgten, er steuerte, zog die Fäden, war der Kopf eines irren Systems.

Das weichgezeichnete Bild des Mark S., von ihm und seinen Verteidigern: Ein fürsorglicher Mediziner, der nur helfen wollte. Ja, ein bisschen Geld verdienen auch, doch oberste Priorität hatten für ihn hohe medizinische Standards. Die Sportler wollte er noch ein bisschen besser machen, denn andere dopen doch auch.

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Eine eigenwillige Sicht, die sowohl Staatsanwaltschaft als auch Gericht im Urteil heute nicht teilen. Hohe medizinische Standards auf Autorückbänken, auf Raststätten, in Hinterzimmern bei schummriger Handybeleuchtung? Eher nicht. Klipp und klar: Eigenblutdoping ist strafbar, so sagt es nicht nur das 2015 neu geschaffene Anti-Doping-Gesetz.  

Athleten nahmen Dienste gerne in Anspruch

Der Prozess hat Vieles zutage gefördert. Eines aber nicht: Neue Namen, die sich Antidopingkämpfer erhofft haben. So waren die Namen der Athleten in diesem Prozess aus dem Winter- und Radsport eher nicht aus der ersten Reihe, auch nicht aus Deutschland, außer dem Ex-Radprofi Danilo Hondo, doch sein Fall blieb, weil vor dem Anti-Doping-Gesetz geschehen, außen vor.

Die Athleten aber aus Österreich, die aussagten, nahmen gerne die Dienste von Mark S. und seiner Helfershelfer in Anspruch. Irritierend deren Aussagen. Johannes Dürr, der Ex-Langläufer, der bekannte: "Spitzensport war mein Leben, und Doping war für mich Teil des Spitzensports". Oder die österreichische Ex-Mountainbikerin Christina Kollmann-Forstner, die aussagte, dass Doping "nun mal Gang und Gäbe" sei. Traurig.

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von Christoph Schneider

Die mehrjährige Haftstrafe gegen Mark S. - sie ist abschreckend und wird ihre Wirkung nicht verfehlen. Dass S. für drei Jahre ein Berufsverbot bekommt und er nicht schnell wieder Patienten in seiner Hausarztpraxis in Thüringen behandeln kann, was er sich in seinen Schlussworten eigentlich wünschte, ist folgerichtig.

Nein - hier war kein fürsorglicher Mediziner am Werk, sondern einer, der verbotene Leistungssteigerungen systematisch durchführte.
Christoph Schneider

Das Anti-Doping-Gesetz, auf dem diese Verurteilung fußt, hat seinen Lackmustest bestanden, die Erwartungshaltung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) an das Urteil bestätigt. Doch der DOSB muss seine Bemühungen im Anti-Doping-Kampf mehr denn je verstärken und ausbauen. Verstärken und ausbauen müssen aber auch die nationalen Antidopingagenturen - nämlich die unangekündigten Kontrollen der Spitzensportler in allen Disziplinen, um verbotenen systematischen Leistungssteigerungen den Riegel vorzuschieben. Doping darf einfach nicht salonfähig werden.

Ein frommer Wunsch vielleicht, doch: Man darf ihn jetzt wenigstens mal aussprechen.

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