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30 Jahre deutsche Einheit - Leichtathletik: Konkurrenz und Freundschaft

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Zwei Leichtathletik-Teams, die zu einem werden mussten - das war nicht immer einfach, ist nach Ansicht von Heike Drechsler und Sabine Braun aber ganz gut gelungen.

Sabine Braun, Susen Tiedke, Heike Drechsler bei der Leichtathletik-DM 1997
Zwei Leichtathletik-Stars aus Ost und West: Sabine Braun (l.) und Heike Drechsler (r.) bei der Leichtathletik-DM 1997.
Quelle: dpa

Zwei Athletinnen aus Ost und West, die vor 30 Jahren rund um die deutsche Wiedervereinigung große sportliche Erfolge feierten: Heike Drechsler aus Gera, im Weitsprung Weltmeisterin 1983, Olympiazweite 1988 und nach der Wende unter anderem Olympiasiegerin 1992 und 2000. Und Sabine Braun aus Essen, im Siebenkampf Olympiasechste 1984 und nach der Wende Weltmeisterin 1991 und 1997.

Unterschiedliche Sichtweise auf Wiedervereinigung

Zwei Athletinnen, die die Wiedervereinigung damals ganz unterschiedlich erlebten. Als "ein Schock und ein Glück" bezeichnete Drechsler sie in einem Interview mit der "Deutschen Welle". Für Braun war es "eine komische Zeit". Und auch 30 Jahre später empfinde sie es noch immer "als Wunder, dass das passieren konnte, dass wir wieder eine Nation sind".

Ende August 1990 gab es in Split eine Leichtathletik-EM, bei der die Mannschaften noch getrennt antraten. Drechsler wurde Europameisterin für die DDR, Braun für die BRD. Bei der Schlussfeier am 1. September 1990 dann dieses Bild: Der ostdeutsche Kugelstoßer Ulf Timmermann und die westdeutsche Sprinterin Gabi Lippe trugen Arm in Arm die deutschen Fahnen, hinter ihnen vermischte sich der Rest der Mannschaften.

Für die DDR wurde Anett Pötzsch 1980 Olympiasiegerin im Eiskunstlauf. Heute trainiert sie in Mannheim den deutschen Nachwuchs.

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Viele West-Athleten nicht mehr konkurrenzfähig

Für Braun, die der Leichtathletik treu geblieben ist und heute als Trainerin und Veranstaltungsmanagerin beim TV Wattenscheid beschäftigt ist, sei die Situation nicht all zu schwierig gewesen. Die heute 55-Jährige war gut genug, sie musste sich keine Sorgen um ihre sportliche Zukunft machen. "Aber einige Athleten wussten schon, dass sie bei den folgenden Meisterschaften nicht mehr dabei sein würden. Weil sie einfach schlechter waren als die DDR-Athleten", erzählt Braun.

Die Fahnenträger Gabriele Lippe (BRD) und Ulf Timmermann (DDR) Arm in Arm bei der Schlussfeier der Leichtathletik EM 1990 in Split
Die Fahnenträger Gabriele Lippe (BRD) und Ulf Timmermann (DDR) Arm in Arm bei der Schlussfeier der Leichtathletik EM 1990 in Split
Quelle: dpa

Heike Drechsler, heute ebenfalls 55 Jahre alt und in der Gesundheitsprävention bei einer Krankenkasse beschäftigt, war auch gut genug, fühlte sich vor ihrem Olympiasieg 1992 in Barcelona aber extrem unter Druck gesetzt. Sie habe das Gefühl gehabt, "als müsste ich mich rechtfertigen für die Zeit, die ich in der DDR war. Ich hatte wahnsinnig viele Kontrollen in dem Jahr, wohl mehr als alle anderen". Der Sieg sei dann die Bestätigung gewesen, ein Riesentalent und in Gesamtdeutschland angekommen zu sein.

Heike Drechsler

Sport | EC 2018 -
Drechsler: "Genieße es da zu sein"
 

Heike Drechsler ist bei der EM der Leichtathleten dabei! Als Einebnerin im Kampfrichterteam. ZDF-Reporterin Annika Zimmermann hat die Olypiasiegerin interviewt.

Thema Doping: "Viel vermutet, aber nichts gewusst"

Heute ist bekannt, dass Drechsler wie so viele ostdeutsche Athleten in das Dopingsystem der DDR eingebunden war. Sie selbst sagt, niemals "wissentlich und willentlich Dopingmittel genommen" zu haben. Im Westen habe man zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung "viel vermutet, aber gewusst haben wir nichts", sagt Braun: "Es gab keine offenen Diskussionen dazu, man hat höchstens mal in kleinen Gruppen darüber geredet. Und es ist ja auch nicht so, dass die anderen Nationen von uns gedacht haben, dass wir nichts Verbotenes tun."

Und heute? Da sei der deutsche Sport gut vereint. Das sind sich Drechsler und Braun einig. Die ehemalige Siebenkämpferin sagt: "Ich habe Freundschaften geschlossen zu Athletinnen aus der DDR. Natürlich war da ein Konkurrenzkampf, aber ich denke, wir sind im Sport gut zusammengewachsen."


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