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Interview

Zehnkämpfer Niklas Kaul - Zuversicht trotz misslungenen Tests

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Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul fehlte beim ersten Wettbewerb nach langer Corona-Pause in Götzis noch der Schwung - trotzdem blickt er optimistisch in Richtung Olympia.

Niklas Kaul im Moeslestadion
Noch nicht in Topform: Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul
Quelle: Imago

ZDFheute: Herr Kaul, vor Götzis, Ihrem ersten Zehnkampf seit dem WM-Sieg im Herbst 2019 in Doha, haben Sie gesagt: "Wenn ich Spaß habe, wird das Ergebnis schon stimmen." Hatten Sie Spaß?

Niklas Kaul: Am zweiten Tag leider nicht so richtig viel. Die Beine waren ein bisschen schwer, damit war der Wettbewerb mehr Arbeit und Kampf und weniger Spaß.

ZDFheute: Sie sind eigentlich bekannt dafür, der Jäger des zweiten Tages zu sein. Hilft Ihnen das normalerweise?

Kaul: Ich glaube schon, dass das ein psychologischer Vorteil ist. Wenn die Sprintstrecken vorbei sind, hole ich eigentlich nur noch auf. Der erste Tag wird ja gern als der Sprint-/Sprung-Tag betitelt, der zweite Tag ist eher der Technik-Tag - der liegt mir einfach mehr.

ZDFheute: Sie sind in Götzis Fünfter geworden und haben 8.263 Punkte gesammelt. Den vom Verband geforderten Leistungsnachweis von 8.150 Punkten haben Sie damit geliefert, die Olympianorm von 8.350 Punkten aber knapp verpasst. Was bedeutet das jetzt für Olympia in Tokio?

Kaul: So ganz genau weiß ich das auch noch nicht. Es müssten jetzt wohl in Ratingen (19./20. Juni, Anm. d. Red.) drei deutsche Zehnkämpfer 8.350 Punkte machen, dann wäre ich raus. Aber wegen dieses nicht gelungenen Testes sage ich jetzt nicht: Olympia wird eh nichts. Wir hatten so etwas in der Vergangenheit schon öfter. Ich müsste mir eher Gedanken machen, wenn Testwettkämpfe mal funktionieren würden.

ZDFheute: Wie groß ist die Gefahr, dass Sie noch verdrängt werden?

Kaul: Das ist schwierig zu sagen. Wir können nicht voraussagen, was für Bedingungen in Ratingen sein werden und wer bis dahin noch mal besser in Form kommt. Ich denke, ich werde dort auf jeden Fall auch an den Start gehen und dann mal gucken, ob ich den Zehnkampf durchmache.

ZDFheute: So könnten Sie also zur Not dagegenhalten, falls die Kollegen groß auftrumpfen.

Kaul: Genau, das ist der Plan. Ich hätte in Ratingen sowieso getestet, meine Vorbereitung ändert sich also nicht. Und wenn drei andere Deutsche dort richtig auftrumpfen, wäre das auch kein großes Drama. Wenn Konkurrenz da ist, kommen bei mir vielleicht auch die paar Prozent zurück, die in Götzis noch gefehlt haben.

Mit einer spektakulären Aufholjagd hat Niklas Kaul WM-Gold im Zehnkampf gewonnen. Dabei habe er auch vom Pech der Konkurrenz profitiert, sagt er: "Ich bin nicht der beste der Zehnkämpfer, die hier teilgenommen haben, aber vielleicht der konstanteste."

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4 min
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ZDFheute: Der Kanadier Damian Warner ist in Götzis mit 8.995 Punkten denkbar knapp daran vorbeigeschrammt, zum vierten Zehnkämpfer aufzusteigen, der die 9.000-Punkte-Marke knackt. Wie haben Sie seine Galavorstellung erlebt?

Kaul: Das war ein Wahnsinnswettkampf. Damian zaubert eigentlich immer in Götzis, aber dass es so viele Punkte werden, hat vorher glaube ich keiner gedacht. Er hat mit einem Sahne-Ersten-Tag angefangen und es lief dann weiter gut. Besser hätte es nicht laufen können. Von daher: Glückwunsch!

ZDFheute: Es hätte schon besser laufen können: Mit fünf Punkten mehr.

Kaul: Ja gut, aber guckt man sich die einzelnen Disziplinen an, war er entweder nah an der Bestleistung oder hat eine aufgestellt. Na klar, die fünf Punkte hätte ich ihm auch noch gegönnt, aber ich glaube, er ist auch so zufrieden. Er wird sich noch ein bisschen ärgern, aber dann sehr, sehr freuen über diese Leistung.

Zwei Frauen gehen an einem «Betreten verboten»-Schild vorbei. Dahinter sind die Olympischen Ringe zu sehen. Bei den Sommerspielen in Tokio dürfen wegen der Corona-Pandemie keine ausländischen Fans nach Japan einreisen.

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ZDFheute: Die Austragung der Tokio-Spiele im Juli und August steht nach wie vor in der Kritik und wird viel diskutiert? Mit was für einer Art Olympia rechnen Sie?

Kaul: Zunächst mal rechne ich damit, dass es stattfindet. Es wird anders als sonst.

Ich glaube, es wird kein großes Zusammentreffen verschiedener Athleten aus unterschiedlichen Sportarten und Nationen.
Niklas Kaul über die Olympischen Spiele

Man wird sich nur in Kleingruppen aufhalten dürfen. Es wird etwas fehlen - aber ich hoffe, dass wir das dann 2024 in Paris wiederhaben werden. Und ich kenne Olympia bisher ja gar nicht, deshalb wird es so oder so neu sein für mich. Ich freue mich darauf und würde gern wieder in den Bereich meiner Bestleistung kommen.

Das Gespräch führte Susanne Rohlfing

Olympia - Schrifzug

Olympia - Olympia - Tokio 2020 

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