Lionel Messi ist Weltmeister - eine Würdigung

    Argentinien ist Weltmeister:Der Vollendete: Messi krönt Karriere

    von Florian Haupt
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    "Was soll jetzt noch kommen?": Der siebenfache Weltfußballer Lionel Messi krönt seine einmalige Karriere mit dem WM-Titel. Wie einst Maradona trotzt er dabei allen Widrigkeiten.

    Argentiniens Lionel Messi küsst die Trophäe, während er den Gewinn der Weltmeisterschaft feiert
    Endlich: Lionel Messi küsst die Trophäe, auf die er so lange gewartet hat.
    Quelle: Reuters

    Lionel Messi bestieg das Podium und empfing die Auszeichnung für den besten Spieler der Fußball-WM. Es war nicht das erste Mal. Aber es war ganz anders. Denn auf dem Weg konnte er dem für die Siegerehrung bereitstehenden Weltpokal ein paar Zärtlichkeiten mit auf den Weg geben: Ein Küsschen, ein Streicheln, noch ein Küsschen. Und wenig später hielt er ihn dann tatsächlich auch in den Händen.
    Zum besten Spieler der WM war Messi bereits 2014 gekürt worden. Doch damals hatte Argentinien das Finale gegen Deutschland verloren. Messi war untröstlich.

    2016 wollte Messi schon abtreten

    Würde die Chance noch mal wiederkommen? Das war seither die Frage bei einem siebenmaligen Weltfußballer, der sonst alles gewonnen und jeden Rekord gebrochen hatte. Zwischenzeitlich sah es gar nicht danach aus. 2016 erwog Messi nach zwei Finalniederlagen bei der Südamerikameisterschaft den dauerhaften Rücktritt: "Ich glaub, das war’s für mich mit der Nationalelf", sagte er. "Es sollte nicht sein."
    Er ließ sich dann noch mal umstimmen, aber nachdem auch die WM 2018 gründlich daneben ging, gewöhnten sich selbst seine Anhänger an den Gedanken vom ungekrönten König. Auch wenn Messi mit 35 dieses Jahr noch mal einen letzten Anlauf nahm und Argentinien durchaus zu den Mitfavoriten zählte - wie groß war schon die Wahrscheinlichkeit, dass er es wirklich schaffen könnte?

    Das Leiden vorher macht den WM-Triumph so groß

    Dieser Umstand macht die Erzählung so groß, die in den letzten Wochen und besonders im Finale gegen Frankreich geschrieben wurde. Messi ergriff seine letzte Gelegenheit mit beiden Händen. Früher mochte er sich manchmal bei Widrigkeiten weggeduckt haben - das war immer der Kritikpunkt an ihm und seinem sonst über alle Zweifel erhabenen Spiel.
    Diesmal machte ihn Gegenwind nur noch besser. Schon in den vergangenen Runden hatte er Argentinien oft durch enge Spiele navigiert. Im Finale nun verwandelte er früh einen Elfmeter. Den wunderbaren Angriff zum 2:0 leitete er mit einer Genialität ein. Als die Franzosen gegen jede Erwartung zum 2:2 ausglichen, erzielt er in der Verlängerung das 3:2. Und als sie noch mal zurückkamen, traf er im Elfmeterschießen den ersten argentinischen Strafstoß.

    "Ich wusste, dass Gott mir den Pokal schenken würde"

    Danach vergaben zwei Franzosen, alle Argentinier verwandelten, und nach dem letzten Treffer sank Messi zu Boden. "So oft habe ich davon geträumt, so sehr es ersehnt", sagte er später. "Ich wusste, dass Gott ihn (den WM-Pokal) mir schenken würde."
    Dabei war der Druck gewaltig. Immer hatte er sich anhören müssen, dass ihm nicht gelang, was Diego Maradona geschafft hatte. Doch bei der ersten WM seit dem Tod von Argentiniens Fußball-Überfigur hat er sich jetzt mit ihm auf eine Stufe gestellt. Wie Maradona 1986 führte er ein gutes und stark gecoachtes, aber insgesamt nicht überragend besetztes Argentinien mit seiner Brillanz zum Titel.

    Erinnerungen an Maradona 1986

    Während ihn sein alter Kumpel Sergio Agüero auf den Schultern über den Finalrasen des Lusail-Stadions trug - Kopie eines ikonischen Maradona-Fotos von 1986 - trudelten aus aller Welt die Glückwünsche ein. Der große Pelé aus dem Land des Erzrivalen Brasilien brachte auf den Punkt, was wohl fast der gesamte Planet Fußball dachte:

    Messi hat den WM-Titel, den seine Laufbahn verdient. Bestimmt lächelt Diego jetzt.

    Pelé

    Messi selbst erklärte, dass er mindestens noch ein paar Spiele für Argentinien absolvieren will, jetzt wo die große Anspannung weg ist und das Land nach 36 Jahren des Wartens im Freudentaumel versinkt. Sein Trainer Lionel Scaloni dachte sogar schon an 2026: "Wir wollen, dass er bis zur nächsten WM weiter macht."

    Abgang als WM-Rekordhalter

    Messi jedoch hatte vorher immer angekündigt, dass sein 26. WM-Spiel (Rekord) auch sein letztes sein würde. Nun sagte er:

    Ich wollte meine Karriere mit diesem Pokal beschließen. Nach ihm - was soll jetzt noch kommen?

    Lionel Messi