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Markus Rehm ausgezeichnet - Pionier in der Sandgrube

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Markus Rehm springt so weit wie kein anderer Mensch mit Beinprothese. Damit macht er sich nicht nur Freunde, geht aber unbeirrt seinen Weg. Dafür wird er jetzt ausgezeichnet.

Markus Rehm ist zum deutschen Para-Sportler des Jahrzehnts gewählt worden. Die Ziele gehen dem Weitspringer jedoch nicht aus: Ein drittes Paralympics-Gold und die 8,50-Meter-Marke. Von Alexander Kramer

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Bei der Online-Wahl des Deutschen Behindertensport-Verbandes (DBS) wurde Rehm zum Para-Sportler des Jahrzehnts gekürt. Auf Rang zwei landete der frühere Skirennfahrer Gerd Schönfelder vor Kugelstoßer Niko Kappel.

Christian Reif erinnert sich noch gut an diesen Tag im Juli 2014 im Ulmer Donaustadion. Er war fit, hoffte auf eine gute Weite, wollte Deutscher Meister im Weitsprung werden. Ahnte aber schon, dass ihm einer gefährlich werden könnte, mit dem sonst kaum jemand rechnete: Markus Rehm. Der Mann mit Unterschenkelprothese.

Duell Reif - Rehm

Zum damaligen Zeitpunkt bereits Paralympicssieger von London sowie zweimaliger Para-Weltmeister - und mit einer Bestleistung von 7,95 Metern nicht mehr weit weg von der auch für olympische Weitspringer knackigen Acht-Meter-Marke.

Reif, Europameister von 2010 mit 8,47 Metern, war in dem Jahr schon 8,49 Meter gesprungen. Auf dem Papier war er der klare Favorit.

Aber ich wusste, dass Markus ein Wahnsinnspotenzial hatte, sein Limit war nicht abschätzbar.
Christian Reif

So kam es, dass sich Rehm in Ulm auf 8,24 Meter steigerte und vor Reif (8,20 Meter) landete. Der nahm es gelassen, sehr viel gelassener als viele andere Konkurrenten, die eine bis heute anhaltende Diskussion über die möglichen Vorteile des inzwischen 32 Jahre alten Orthopädiemechanikers aus Leverkusen durch die Karbonprothese lostraten.

Rehm Meister der Nicht-Behinderten - ein rotes Tuch

Markus Rehm war an jenem Tag im Juli nicht nur Deutscher Meister der Nicht-Behinderten geworden, obwohl er eine Beinprothese trägt, seit er mit 14 Jahren bei einem Wakeboardunfall seinen Unterschenkel verlor. Er war auch zum roten Tuch geworden. Für Leichtathleten, die um die Chancengleichheit fürchten, wenn sie gegen Sportler mit hochmodernen Prothesen antreten müssen.

Christian Reif in Aktion bei Hallen-EM am 03.03.2013
Christian Reif (hier bei der Hallen-EM 2013) trat bei der DM 2014 gegen Markus Rehm im Weitsprung an - und verlor knapp.
Quelle: AP

Und für Parasportler, die das Gefühl haben, Rehm sei die Welt des Behindertensports nicht mehr gut genug. "Es gab sicherlich schwierige Momente, als ich zum ersten Mal kritisch beäugt wurde und es manchmal richtig böse wurde", sagte Rehm dazu in diesem Frühjahr.

Er habe dann immer Gesprächsangebote gemacht. "Leute, die sich mit mir unterhalten, verstehen oft, dass ich nicht der Böse bin, der jemandem etwas wegnehmen will...

Ich habe einfach Bock, weit zu springen und mit den Besten zu springen.
Markus Rehm

"Ob ich nun gewinne oder verliere - für mich ist der Wettkampf toll. Wenn ich auch mal den Kürzeren ziehen kann. Darum geht es doch im Sport. Es geht nicht darum, immer zu gewinnen und nur zu gucken, mit welcher Weite." Genauso ist es für ihn im Parasport aber, dort ist er ohne Konkurrenz.  

Markus Rehm - Aktion im Weitsprung
Paralympics-Sieger im Weitsprung: Markus Rehm
Quelle: dpa

Paralympics-Sieger und Weltmeister

Aufhalten lassen hat sich Rehm davon nicht. Er gewann auch bei den Paralympics in Rio und bei den drei folgenden Weltmeisterschaften. Sein Para-Weltrekord steht heute bei 8,40 Meter. Und nun ist er in einer Online-Abstimmung des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) zum Para Sportler des Jahrzehnts gewählt worden.  

Der sportliche Höhepunkt seiner Karriere soll aber noch folgen. Rehm träumt weiter davon, 2021 in Tokio vielleicht doch noch im olympischen Wettbewerb bei den Nichtbehinderten mitspringen zu dürfen.

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2016 in Rio war das nicht möglich, weil der Leichtathletik-Weltverband 2015 eine Regel erdacht hatte, wonach Athleten beim Gebrauch einer mechanischen Hilfe belegen mussten, dass diese ihnen keinen Vorteil bringt. Rehm hatte das versucht, doch eine von deutschen und japanischen Wissenschaftlern durchgeführten Studie führte zu keinem klaren Resultat.

Besagte Regel wurde nun allerdings vor wenigen Wochen vom Internationalen Sportgerichtshof (CAS) gekippt, die Beweislastumkehr sei "rechtswidrig und ungültig". Damit könnte für Rehm nun die Möglichkeit bestehen, sich ganz regulär bei Wettkämpfen der olympischen Athleten für die Olympischen Spiele zu qualifizieren.

Wenn ich damals gedacht hätte, es sei unfair, dass er gegen uns springt, wäre ich gar nicht erst gestartet.
Christian Reif

Christian Reif hatte für sich schon 2014 entschieden: "Da war ein junger Sportler mit durchtrainiertem Körper, der alles dafür tat, um vorn mit dabei zu sein. Der Pionierarbeit leistete im Weitsprung mit Beinprothese, der sich mit den Besten der Welt im olympischen Sport messen konnte. Das war außergewöhnlich, da wollte ich nicht im Weg stehen."

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von Susanne Rohlfing
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