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Amateurfußball - Kleine Klubs im Corona-Dilemma

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Profi-Fußballklubs halten den Spielbetrieb mit aufwändigen Hygiene-Konzepten aufrecht. Amateurvereine jedoch stellt die Covid-19-Pandemie vor schier unlösbare Probleme.

Fußbälle auf dem Grandplatz am Schützenhof. Die Senioren des Hamburger Amateurklubs SC Urania bestreiten am Freitag, 23. Oktober, ihr erstes Heimspiel in der Landesliga 2 seit dem 29. November 2019.
Spielen oder nicht? Ein Durcheinander, unter dem Verbände, ehrenamtliche Funktionäre und Spieler leiden.
Quelle: imago images / Hanno Bode

Staffelleiter einer Amateurliga zu sein, ist derzeit ein nervenaufreibender Fulltime-Job. Bei Gerd Schmitt ist das nicht anders. Die Abende verbringt der Staffelleiter der Bezirksliga Rheinhessen am Telefon oder vor dem Computer. Oft genug muss er seiner Frau erklären, mit wem er denn da in Videokonferenzen sitzt. Bei Sven Brückner, dem sportlichen Leiter des Bezirksligisten VfR Nierstein, sieht es nicht anders aus.

Chaos-Bewältigung in Corona-Krise nicht nur beim VfR Nierstein

Aus unterschiedlichen Blickwinkeln versuchen sie das Chaos zu ordnen; eine schier nicht machbare Aufgabe, da die Infektionszahlen steigen und immer mehr Landkreise zu Risikogebieten erklärt werden. Und: Unterschiedliche Pandemie-Verordnungen ziehen sich durch Bundesländer bis weit hinunter in die Landkreise.

Kanzlerin Merkel und die Regierungschefs der Länder beraten über stärkere Einschränkungen im Kampf gegen Corona. Das Treffen wird diesmal in Form einer Video-Konferenz abgehalten.

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Hamburg, Bremen und das Saarland haben den Spielbetrieb vorerst eingestellt. Mittlerweile hat auch der Südwestdeutsche Fußballverband (SWFV) und der des Rheinlandes nachgezogen und den Spielbetrieb ausgesetzt. In anderen Ländern sorgt ein Flickenteppich aus verschiedenen Regeln für ein heilloses Durcheinander, das auf dem Rücken der Verbände, ehrenamtlicher Funktionäre und Spieler ausgetragen wird.

Aussetzung während Pandemie? Nicht immer einfach

Solange die Politik Spiele erlaube, werde gespielt, sagte Schmitt, Kreisvorsitzender des Kreises Mainz-Bingen, noch am Dienstagmorgen. Die Möglichkeit, Spiele auszusetzen oder ganze Staffeln vorrübergehend stillzulegen, gäbe es immer. Davon hat dann sein Verband, der SWFV, Gebrauch gemacht. Der gesamte Ligenbetrieb bis in den Jugendbereich wurde am Dienstagabend bis auf Weiteres ausgesetzt.

Diese Maßnahme löst allerdings nicht alle weitreichenden Probleme und Unsicherheiten, die die kleinen Klubs belasten. Denn der Trainingsbetrieb läuft weiter, auch Freundschaftsspiele, solange sie den gültigen Corona-Regularien der Politik entsprechen, sind erlaubt.

VfR Nierstein fühlt sich allein gelassen

Für Sven Brückner vom VfR Nierstein war die Situation vor der Aussetzung des Spielbetriebs ein heilloses Durcheinander. Allein die Sorge, nicht allen Regeln gerecht werden zu können, reicht nicht. Er und viele andere fühlen sich mit der Last der Verantwortung allein gelassen.

Als die Niersteiner noch vor dem Beschluss des Verbandes ein Spiel wegen gesundheitlicher Bedenken verlegen wollten, der Gegner dies aber ablehnte, traten die Niersteiner nicht an. Die Konsequenz: Das Spiel wurde als verloren gewertet, von einer möglichen Geldstrafe sah der Verband wegen der besonderen Situation ab. Zahlen musste der Verein die grundsätzlich anfallenden Kosten für Urteilsgebühr und das Verfahren an sich aber trotzdem - in dem Fall 55 Euro. Und: Vor der Aussetzung war es so, dass dem Verein bei weiteren Absagen - etwa wieder wegen der Sorge um die Gesundheit - gar ein Zwangsabstieg gedroht hätte.

Die Bundesregierung rechnet mit bald bis zu 20.000 täglichen Corona-Neuinfektionen. Bund und Länder könnten deshalb beim morgigen Treffen die Maßnahmen weiter verschärfen.

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Zeichen an die Politik

Ein nicht zu akzeptierender Vorgang war das für Christian Blessing, Co.- und Reha-Trainer sowie Hygienebeauftragter des VfR. Im Zivilberuf ist Blessing Leiter der Anästhesiologischen Intensivstation der Uniklinik Mainz. Gemeinsam mit Brückner ging es ihm um ein Zeichen an die Politik.

"Gesundheit geht vor Spielbetrieb. Ich weiß wie Covid-19-Patienten aussehen und was Folgeschäden auslösen können," sagt Blessing und erwartete noch klarere Signale vom Verband. Keiner, so Blessing, könne die Verantwortung für Erkrankungen und die Auswirkungen auf Beruf und Familien übernehmen.

Unterschiedliche Kreise, unterschiedliche Corona-Regeln

Selbst, wenn sich die Dinge innerhalb eines Fußball-Kreises lösen lassen, tauchen neue auf, wenn es um kreisübergreifende Spiele geht und unterschiedliche Anordnungen greifen.

Andere führen den Kostendruck, Abhängigkeit von Sponsoren und Gaststättenumsätze ins Feld, um eine Fortsetzung zu rechtfertigen. Schon der Verlust der geringen Zuschauereinnahmen löse existenzielle Probleme aus, so die Befürchtung.

Einige Verbände haben nun aber reagiert. In anderen Bundesländern dagegen bleibt die Situation diffus. Zurück bleibt bei Spielern und Funktionären ein beklemmendes Gefühl.

Diesen Regionen droht erneut der Lockdown

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Ob Corona-Maßnahmen gelockert oder verschärft werden, hängt auch von der sogenannten Sieben-Tage-Inzidenz ab. Eine Karte zeigt, ob die Obergrenze in Ihrer Region eingehalten wird.

von Simon Haas
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