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Olympia - Historie - Tokios Phantomspiele

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In Japans Gedächtnis sind Tokio 1964 die goldene Spiele. Tokio 2021 werden die stillen sein. Doch es gab noch ein drittes, vergessenes Olympia.

Olympische Ringe leuchten vor dem Nationalstadion in Tokio
Geisterspiele ohne Zuschauer*innen: Am 23. Juli werden im Nationalstadion in Tokio die Olympischen Spiele eröffnet
Quelle: dpa

Keine Zuschauer. Aus epidemiologischer Sicht mag das notwendig sein. Doch für die Athleten wird dies ein schaurig schöner Moment. Schön, denn es geht um die höchsten sportlichen Ehren. Schaurig, weil der Jubel und die Emotionen, denen viele nur bei diesem Event vergönnt sind, inmitten der Corona-Pandemie fehlen wird.

Es ist kein Vergleich zu Tokios Spielen von 1964. Was den Deutschen ihr Wunder von Bern ist, sind für Japan die Spiele in den Sechzigern.

Das war für Japan zu dieser Zeit ein wahrhaft monumentales Ereignis,

sagt Furokawa Takahisa, Professor an der Tokioter Japan Universität für jüngere Geschichte.

"Tokio 1964 ist das Symbol der Wiederaufnahme in die internationale Gemeinschaft und eines rasantes Wirtschaftswachstums", erklärt Furokawa Takahisa. Die Stadt, die zuvor zweimal in Trümmern lag - 1923 beim großen Kantō-Erdbeben, 1945 nach dem Weltkrieg - erhob sich: Harmonie, Technik, Stärke.

Tokio 1964 - die ersten Spiele in Asien. Noch einmal tritt ein gesamtdeutsches Team an. Willi Holdorf jubelt im Zehnkampf, Wasserspringerin Ingrid Engel-Krämer holt ihr 3. Gold.

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24 min
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1964: Natur und Fischer wurden für Olympia ruiniert

Viele Superlative wurden für die Spiele in Tokio 1964 gesetzt: Erstes Olympia der Geschichte im Farb-TV, erste Live-Übertragung über den gesamten Planeten, automatisierter Zeitstopp beim Schwimmen, das erste moderne Fotofinish, neue Autotrassen, Metrolinien und die Krönung: Der Shinkansen, der erste Schnellzug der Welt, wurde just zu Olympia eröffnet. Ein gelungener PR-Coup.

Doch es wurden Flussläufe in der der Stadt, die Natur, die Fischer ruiniert. Das sieht man an der Nihonbashi: Die historische Brücke ist der traditionelle Nullpunkt Japans, zu der alle Fernstraßen bemessen werden. Von wo aus man einst malerisch den Berg Fuji erblickte, schaut man heute auf die Unterseite einer sechsspurigen Autobahn. Das ist ungefährt so, als hätte man die A8 über den Münchener Marienplatz gebaut.

1940: Jazz, Kimonos, Panzer - und Olympia

Tokio 1964 setzte Maßstäbe in der Selbstdarstellung für das Fest der fünf Ringe. Doch andere, unbekannte Spiele haben viel tiefer gehende Einflüsse auf die olympische Kultur: Tokio 1940. Die Maboroshi no Gorin, die Phantomspiele. Die Spiele, die niemals stattfanden, repräsentieren bis heute ein Japan, das hätte sein können.

Ähnlich wie das Berlin der 1920er durchlebte Tokio der 1930er einen vibrierenden Aufschwung im Spannungsfeld der Extreme zwischen Jazz, Kimonos, Panzern - und Olympia. Der damalige IOC-Chef Baillet-Latour zeigte sich derart beeindruckt von Effizienz und Glamour, dass er Japans damalige Aggressionen in China ignorierte und die Kapitale unterstützte.

Geburt einer zweifelhaften Tradition

Die Visite in Tokio war Teil einer Charme- und Diplomatieoffensive, wie sie die olympische Bewegung bis dahin nicht kannte. Am IOC und olympischen Grundsatz der politischen Neutralität vorbei einigte man sich mit Italien, dass erst Tokio 1940, dann Rom die Spiele ausrichten sollte.

Schäkern mit Staatsoberhäuptern und politische Deals sind seitdem fest professionalisierter Bestandteil der olympischen Bewegung. Das IOC konnte sich nie mehr der Nationalpolitik entziehen. Japan gewann Olympia für 1940 - doch in Japan gewann der imperialistische Militarismus, der den Zweiten Weltkrieg in Asien befeuerte und in China 1937 zur Invasion führte.

1938 war man der Meinung, dass die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele und die Fortsetzung des Krieges für die nationale Stärke unvereinbar sind.
Professor Furokawa

"Im Gegenteil zu Berlin 1936 förderte Olympia nicht Krieg und Rassenwahn, sondern fiel ihm zum Opfer", sagt Furokawa. Die Spiele wurden zurückgegeben. Die Spuren in Tokio, die Olympia hinterließ, brannten 1945 im Weltkrieg nieder.

Während die Sportwelt hofft, dass Tokios Geisterspiele 2021 nur eine Episode bleiben werden, wirken Japans Phantomspiele 1940 bis heute nach: Die nach Paris 2024 und Los Angeles 2028 vergebenen Spiele sind das Ergebnis von Charme und Deals à la Tokio 1940.

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