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NADA - Mehr Kontrollen und das Prinzip Hoffnung

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Sportler befürchten weniger Chancengleichheit bei Olympia durch erschwerte Dopingkontrollen in der Corona-Pandemie - die deutschen Dopingfahnder fuhren die Kontrollen hoch.

Doping-Kontrolle: Spritzen (Typical)
Quelle: dpa

"Wir hoffen, dass wir saubere Spiele erleben werden", sagte die Vorstandsvorsitzende der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA), Andrea Gotzmann, auf einer Pressekonferenz am Donnerstag. "Das Bestmögliche wurde gemacht." Mit vielen ausländischen Anti-Doping-Agenturen sei man im Austausch. "Wir wissen, dass sich alle sehr große Mühe geben", so Gotzmann.

Für die deutschen Athletinnen und Athleten sicherte die NADA-Chefin zu, dass das vorolympische Testprogramm trotz der Auswirkungen der Corona-Pandemie "auf gewohnt hohem Niveau" durchgeführt wurde. Im ZDF-Interview ergänzte Gotzmann:

Quantität und Qualität der Kontrollen konnte gegenüber Rio nochmal eindeutig gesteigert werden.
NADA-Chefin Andrea Gotzmann im ZDF

Lockdown des Kontrollsystems

Im Vorfeld der Spiele waren Bedenken laut geworden, dass durch die Pandemie Lücken im Kontrollsystem entstanden seien, die zu vermehrtem Doping führen könnten. Nach dem Ausbruch der Pandemie war das Dopingkontrollsystem weltweit vorübergehend zusammengebrochen und unterschiedlich schnell wieder hochgefahren worden. Einige außergewöhnliche Leistungssteigerungen, besonders in der Leichtathletik, hatten den Argwohn zusätzlich geschürt.

NADA-Chefin Andrea Gotzmann über die Dopingkontrollen bei den deutschen Olympioniken und die Problematik der fehlenden Kontrollen während der Corona-Pandemie.

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3 min
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Zuletzt hatte auch der deutsche Athletensprecher Max Hartung Zweifel an der Chancengleichheit bei den Olympischen Sommerspielen geäußert. "Das hat Türen geöffnet", sagte der Olympia-Teilnehmer im Säbelfechten. "Da gab es mehr Chancen für Betrüger."

Für Dirk Schimmelpfennig, den deutschen Chef de Mission in Tokio, ist die Welt-Anti-Doping-Agentur in der Verantwortung, Chancengleichheit zu gewährleisten. Doch in der Corona-Krise sei es "noch schwieriger gewesen, dieser Erwartung gerecht zu werden."

Stäble: Viele Fragezeichen

Die Chancengleichheit sieht auch der Ringer Frank Stäbler bei der Zahl der Dopingkontrollen in Gefahr: "Ich persönlich hatte erst heute Morgen wieder eine, bin auf Herz und Nieren überprüft worden und auch in der Corona-Zeit jede paar Wochen unter Kontrolle", sagte er in einem Interview des SWR. "Ich weiß aber auch von meinen Freunden und Gegnern und Sparringspartnern international, dass es bei ihnen nicht so ist. Das wirft schon ganz viele Fragezeichen auf."

Auch dort, wo das Kontrollsystem wie in Deutschland längst wieder hochgefahren ist, sehen einige Sportler Gefahren. "In dem Moment, in dem man sagt, man hat Corona-Symptome, muss der Kontrolleur abbrechen, das gibt einen enormen Spielraum für Personen, die das System umgehen wollen", sagte der moderne Fünfkämpfer Patrick Dogue in der Sportschau.

3,3 Kontrollen im Durchschnitt

Diese Praxis schließt Andrea Gotzmann zumindest für den Bereich der NADA aus. "Es wurde immer nachgeprüft, ob es eine behördlich angeordnete Quarantäne war", sagte die Vorsitzende auf Nachfrage von ZDFsport. Lediglich in 0,5 Prozent der Fälle verhinderte eine behördlich angeordnete Corona-Quarantäne geplante Tests, diese seien aber schnellstmöglich nachgeholt worden.

Laut den vorgelegten NADA-Zahlen wurden alle Mitglieder des Team Deutschland in Tokio in den letzten sechs Monaten mindestens einmal, im Durchschnitt 3,3mal kontrolliert. Im Vergleich zum Kontrollprogramm vor den Olympischen Spielen in Rio sei die Zahl der Kontrolle um 28 Prozent und der dabei entnommenen Proben um 51 Prozent gestiegen. Dazu seien die Kontrollen gekommen, die die International Testing Agency (ITA) im Rahmen ihres weltweiten Testprogramms durchgeführt habe.

ITA soll Lücken schließen

Diese 2018 unter der Aufsicht von WADA (World Anti-Doping Agency) und des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) gegründete Organisation hat nach eigenen Angaben seit Anfang des Jahres mindestens 80 Prozent der für Tokio qualifizierten Athleten kontrolliert.

Mit der ITA hofft Gotzmann einen Partner mit im Boot zu haben, "der die Lücken auffüllt in Gegenden, wo das Anti-Doping-System auch aufgrund der Pandemie nicht so gut aufgestellt ist." Einige Testagenturen könnten "immer noch nicht arbeiten", so die 63-Jährige. Sie könne sich aber "nicht vorstellen", dass es in Tokio Teilnehmer "ohne jeglichen Test gibt."

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