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Fußball bei Olympia - Rumpfelf gegen Starensembles

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Fußball bei Olympia: Während der Nachwuchsfußball weltweit an Bedeutung gewinnt, schickt der DFB lediglich ein Notaufgebot zu den Spielen - im Gegensatz zu manch anderem Land.

Hessen, Frankfurt/Main: Stefan Kuntz, Cheftrainer des Fußball-Olympiateams, geht beim Abschlusstraining am Frankfurter Stadion über den Platz. Archivbild
U21-Trainer Stefan Kuntz will mit seinem gerade mal 18-köpfigen Olympia-Kader reüssieren.
Quelle: dpa

Der Star des Ensembles wurde vorzeitig ausgewechselt, vereinzelte Pfiffe begleiteten ihn, als er zu den spartanischen Umkleidekabinen an der Flensburger Förde trottete. Auch Uli Hoeneß hatte sich am 28. Juli 1972 nicht gegen die 1:5-Niederlage der deutschen Olympia-Auswahl gegen eine Juniorenauswahl Schwedens gestemmt. Es war das vorletzte Vorbereitungsspiel für das olympische Fußballturnier in München.

Sechs Wochen zuvor war der 20-jährige Spieler des FC Bayern München mit der A-Nationalmannschaft in Brüssel Europameister geworden. Offiziell galt Hoeneß noch als Olympia-Amateur, der mit Fußballspielen kein Geld verdienen durfte - eine Konstruktion, die es dem DFB erlaubte, das prestigeträchtige Heimturnier mit einer konkurrenzfähigen Mannschaft zu bestreiten, zu der auch Manfred Kaltz und Ottmar Hitzfeld gehörten.

Altersbegrenzung statt schwammige Amateurregel

Bis 1980 durften zum olympischen Fußballturnier wie in den anderen Disziplinen nur Amateure antreten – beziehungsweise Sportler, denen das IOC diesen Status zuerkannte. Das traf auch auf die sogenannten Staatsamateure des Ostblocks zu, die gleichwohl unter professionellen Bedingungen trainierten und so von 1952 bis 1980 sämtliche Olympiasieger im Fußball stellten. Auch die aus verschleierten Profis bestehende DFB-Auswahl von 1972 scheitere in der Zwischenrunde an der DDR und Ungarn.

1992 wurde statt der schwammigen Amateurregel eine Altersbegrenzung bis 23 Jahre eingeführt, seit 1996 dürfen zusätzlich drei ältere Spieler eingesetzt werden. Dass es noch keine vollständige Freigabe für Profis wie im Basketball oder im seit 1996 olympischen Frauenfußball gibt, ist auf den Einfluss von FIFA und UEFA zurückzuführen, die für ihre eigenen Turniere das Alleinstellungsmerkmal behalten wollen.

Zweimal Afrika und viermal Lateinamerika

Auch nach der Öffnung wurde die Bedeutung des olympischen Fußball-Turniers unterschiedlich hoch gehandelt. Auf zwei afrikanische Staaten (Nigeria 1996 und Kamerun 2000) folgten zuletzt vier Goldgewinner aus Lateinamerika (2 x Argentinien mit Angel di Maria, Lionel Messi und Sergio Aguero; Mexiko sowie Brasilien mit Neymar). Aus Europa schob sich 1992 nur Spanien mit Pep Guardiola und Luis Enrique dazwischen.

Da sich ihre Zusammensetzung ständig ändert, ist es für Olympia- sowie U21-Teams ungleich schwerer sich eine stabile Fan-Basis aufzubauen als für A-Nationalmannschaften. Dennoch ist die Attraktivität des olympischen Turniers wie auch der U21-EM durch die gestiegene Bedeutung der Ausbildung und die hohe Qualität der Spieler in den letzten Jahren gewachsen. So tritt das spanische Team in Tokio mit sechs EM-Fahrern an, zu denen Stars wie Pedri, Dani Olmo und Mikel Oyarzabal zählen.

U21: das neue Aushängeschild des DFB

Auch in Deutschland hat das Nachwuchsteam in den letzten Jahren der A-Mannschaft als Aushängeschild den Rang abgelaufen. Während Leistung und Ansehen der Löw-Elf nach dem WM-Sieg 2014 in den Keller gingen, erreichte das Olympia-Team mit Horst Hrubesch die Silbermedaille in Rio und die U21 holte mit Trainer Stefan Kuntz seit 2016 zwei EM-Titel und wurde einmal EM-Zweiter. Das jetzige Olympia-Aufgebot, für das es keine Abstellungspflicht der Klubs gibt, konterkariert diesen Bedeutungswandel allerdings völlig.

Keiner der hochgehandelten Jungstars wie Kai Havertz, Florian Wirtz oder Jamal Musiala ist für den DFB dabei, so dass der Star der Mannschaft mit dem 33-jährigen Max Kruse bezeichnenderweise jemand ist, der einst aus der DFB-Elf geflogen ist.

Nicht einmal zahlenmäßig schöpft der DFB sein Reservoir aus – statt der erlaubten 22 Spieler erhielt Kuntz lediglich von 18 Spielern die Zusage.

Ich glaube, dass keine Sportart nicht alle Kaderplätze besetzt,
Stefan Kuntz

Der DFB-Trainer weiter: "Ich finde, das ist kein optimales Zeichen vom Fußball - bei allem Verständnis."

Wenn es Kuntz gelingt, auch aus diesem Rumpfkader eine kämpferische Einheit zu machen, ist beim Auftaktspiel gegen Titelverteidiger Brasilien eine Überraschung möglich.

Spielplan der "deutschen" Gruppe D

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