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Altersvorgaben bei Olympia : Experte: Scheitern muss erlaubt sein

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Erziehungswissenschaftler Heinz Reinders hält ein Mindestalter von 16 Jahren für sinnvoll - mahnt aber vor allem eine Talentförderung mit vielen Selbstbestimmungsmöglichkeiten an.

Olympia 2022, Eiskunstlauf, Kamila Valieva
Kamila Walijewa nach ihrer missglückten Kür bei den olympischen Spielen in Peking mit ihrer Trainerin Eteri Tutberidze.
Quelle: Imago

Die Verzweiflung der 15 Jahre alten russischen Eiskunstläuferin Kamila Walijewa nach ihrer missglückten Kür bei den gerade beendeten Olympischen Winterspielen in Peking hat Menschen weltweit die Tränen in die Augen getrieben - nur ihrer Trainerin nicht. Seither wird im Sport heftig diskutiert: Sollte es für Olympische Spiele ein Mindestalter geben?

Fachverbände entscheiden über Altersvorgaben

Bislang überlässt das Internationale Olympische Komitee (IOC) die Entscheidung darüber den einzelnen Fachverbänden. Ganz unsinnig ist das nicht, da der Zenit der Leistungsfähigkeit nicht in allen Sportarten im gleichen Alter erreicht wird.

Der Fall Kamila Walijewa endet vorerst mit einer sportlichen Niederlage der 15-Jährigen, von ihrer Trainerin hart kritisiert. Die neue Olympiasiegerin fühlt mit ihrer Teamkollegin.

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Viele Dachorganisationen haben wie der Eislauf-Weltverband kein Mindestalter festgelegt, einige schon: Turnerinnen und Turner müssen im Olympiajahr mindestens 16 Jahre alt werden. Im Boxen sind nur Sportler zwischen 18 und 39 Jahren zugelassen. Leichtathleten müssen volljährig sein.

IOC-Präsident Thomas Bach kündigte zuletzt an: "Wir haben angefangen, in der Exekutive darüber nachzudenken. Es gibt Themen, die besprochen werden müssen, die betreffen Minderjährige in Wettbewerben von Erwachsenen." Auf der größtmöglichen Bühne des Sports zu scheitern, ist für niemanden schön. Im identitätsbildenden Kindesalter ist es aber zudem fragwürdig.

DOSB-Chef Thomas Weikert hofft, dass sich das IOC noch zum Thema Menschenrechte äußert. Den Fall Walijewa findet er "ganz furchtbar". Ihr Umfeld habe sie "seelenlos" behandelt.

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Studie: Junge Leistungssportler auch in Schule besser

Heinz Reinders ist Professor für Erziehungswissenschaften. Der 49-Jährige leitet an der Universität Würzburg das Institut für empirische Bildungsforschung und zudem das Nachwuchsförderzentrum für junge Fußballerinnen. Sport findet er gut und wichtig, auch Spitzensport.

In einer Studie bei jungen Fußballerinnen und Fußballern hat er mit Kollegen nachgewiesen, dass "diejenigen, die sich intensiv in den Leistungssport hineinbegeben, auch im schulischen Kontext besser abschneiden". Diese Jugendlichen arbeiteten strukturierter, hätten eine höhere innere Motivation, eine höhere Leistungsbereitschaft.

Falscher Ansatz in der Talentförderung

Die Herausforderung sei es jedoch, angepasst an die intrinsische Motivation der Athleten, also an den aus ihnen selbst heraus kommenden Antrieb, der keinen Druck von außen benötigt, Möglichkeiten zur Leistungsentwicklung zu schaffen. Talentförderung müsse Talententfaltungsmöglichkeiten schaffen.

Doch zumeist sei es so: Wer einmal drinsteckt in der Talentförderung, bekommt vermittelt: Schaffst du es nicht, bist du gescheitert. "Das ist aber völliger Quatsch", sagt Reinders, "die Rückmeldung müsste lauten: "Wenn du es nicht schaffst, dann ist das nicht die richtige Umwelt für dich. Aber es gibt andere Umwelten, in denen du deine Talente entfalten kannst." Das Scheitern müsste ausdrücklich erlaubt sein.

Experte warnt vor kulturellen Klischees

Welche Rolle die intrinsische Motivation und welche der äußere Druck in der Karriere von Kamila Walijewa gespielt haben, lässt sich von außen nicht beurteilen. Reinders warnt vor kulturellen Klischees: "Wir müssen aufpassen, Athletinnen und Athleten aus Russland oder auch China nicht per se abzusprechen, einen eigenen Willen zu haben. Das ist eine doppelte Viktimisierung, die ganz fürchterlich ist."

Anna Schtscherbakowa aus Russland gewinnt Gold im Eiskunstlauf der Frauen. Die als Top-Favoritin gestartete Kamila Walijewa patzt und landet auf Rang vier.

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So viel Deutung allerdings wagt der Erziehungswissenschaftler: "Wer mit 15 Jahren bei Olympia auf dem Eis steht, hat sicherlich zehn, elf Jahre Vorbereitung hinter sich. Da geht schon ein erheblicher Teil der Biografie verloren und ich frage mich, wie selbstbestimmt die Kinder und Jugendlichen dieses Leben mitgestalten."

16 Jahre wohl eine sinnvolle Altersgrenze

Eine Altersgrenzen-Diskussion für Olympia müsse daher auch die Frage beinhalten, "ab wann wir Kindern die Heranführung an den Sport als Leistungssport auch psychologisch zumuten wollen". Von da aus könne man dann weiterrechnen, wie lange es braucht, jemand für Spitzenwettbewerbe vorzubereiten.

Alles in allem kommt Reinders so zu dem Schluss: "In Deutschland darf man mit 16 Jahren kommunal wählen, das ist für mich auch der früheste Zeitpunkt, an dem ich Jugendlichen zutraue, dass sie eigenständig entscheiden können, ob sie an einem solchen Wettkampf teilnehmen wollen."

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