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Wischen und Pusten verboten - Chinas Tischtennisteam wittert Manipulation

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Felder zu klein, Regeln zu strikt, die Vorbereitung schwierig. Chinas Tischtennisteam sorgt in Japans Presse für Unbehagen.

Ein Mitarbeiter reinigt nach einer Tischtennis-Trainingseinheit den Boden des Tokyo Metropolitan Gymnasiums.
Ein Mitarbeiter reinigt nach einer Tischtennis-Trainingseinheit den Boden des Tokio Metropolitan Gymnasiums. Um die Corona-bedingten Einschränkungen ist nun ein Streit zwischen China und Japan entbrannt.
Quelle: dpa

Provokation, Manipulation und Ressentiments stehen im Raum, wenn es um die Vorbereitung der Chinesen auf das olympische Tischtennisturnier geht. "Die Vorbereitung wird uns enorm erschwert." Zititert wird hier Luo Guoliang, Vorsitzender des chinesischen Tischtennisbundes - quer durch einschlägige japanische Newsportale wie Jiji oder Yahoo.

Wir haben nicht vorhersehen können, dass die Regeln uns verbieten würden, die Tischtennisplatte mit der Hand abzuwischen oder auf den Ball zu pusten.
Luo Guoliang, Vorsitzender des chinesischen Tischtennisbundes

Ja, der Umstand wiegt schwer: Verbietet man beim Tischtennis das Wischen und Pusten, dann fühlen einige sich wie Lewis Hamilton, der mit falschen Reifen durch die Parabolica brettert.

Feintuning am Ball

Benetzen Mikrotropfen vom Schweiß der Spieler die technisch austarierten Bälle (der Entstehungsprozess ist schon eine Wissenschaft für sich), dann entwickeln die Bälle beim Anschnitt nicht den erwarteten Spin.

Der Spin ist aber einer der wichtigsten Technik-Kniffe, um einen Gegner zu bezwingen. Im Profibereich, wo Mikrounterschiede über Medaillen entscheiden, pusten die Spieler also gerne den Ball wieder trocken.

Regen die sich wirklich auf?

Doch Pusten und Wischen sind derzeit nicht hygienekonform, weswegen es durch die Regeln bei Olympia untersagt wurde. Das betrifft bei den Chinesen vor allem den Spielstil von Ma Long, dem Tischtennis-Federer und Olympiasieger von Rio.

Brisbane ist vom IOC zum Ausrichter der Spiele 2032 auserkoren worden. Und Tokio? "Die Angst geht um, dass die Corona-Zahlen dramatisch steigen", sagt ZDF-Reporter Markus Harm.

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Bemerkenswert - vielleicht mehr als der Inhalt - ist der kontextuelle Zusammenhang, in den die japanische Presse Lius Aussagen setzt. So wird betont, dass China mit 28 von 32 möglichen olympischen Goldmedaillen das Maß aller Dinge ist, aber gerade ein wenig schwächelt. Daneben führt sie dann auch die chinesischen Segler an, die Löcher in ihrer Corona-Bubble entdeckt haben wollen und sich unsicher fühlen - auch wenn beide chinesischen Delegationen in keinem Zusammenhang stehen.

Sie konkurrieren fleißig

Der Eindruck entsteht: Das dominante China fühlt sich von Japan unter dem Corona-Deckmantel manipulativ angegangen, um ihnen Medaillen und insbesondere die Goldmedaille im Tischtennis abzuzwacken.

Japan und China vereint derzeit nicht nur politisch, wirtschaftlich und historisch eine Rivalität, auch im Sport der weißen Bälle geht es hoch her zwischen Athleten beider Länder. Tischtennis hat in Fernost hohes Prestige.

Japans Retoure folgt auf dem Fuße

Entsprechend harsch und wenig höflich fielen viele japanische Kommentare unter den Artikeln aus, wie etwa beim in Japan sehr lebendigen Yahoo: "Wenn es euch nicht gefällt, nehmt nicht teil und geht nach Hause. Die Veranstaltung findet halt in Japan statt", heißt es da.

Brisanz gewinnt die Guoliang-Story, weil ein paar Tage später der Trainer der japanischen Auswahl, Kurashima Yousuke, Besorgnis darüber äußerte, dass das fehlende Wischen und Pusten zu einem Verlust von Konzentration und Effektivität seiner japanischen Athleten führen würde. Vor allem Harimoto Tomokazu, mit gerade einmal 18 Jahren die japanische Nummer eins und die Nummer drei der olympischen Setzliste, würde das beeinträchtigen.

"So etwas wie hier in Tokio hat es noch nie gegeben, und wird es in dieser Form hoffentlich auch nie mehr geben", sagte DOSB-Chef Alfons Hörmann zum Start der Olympischen Spiele.

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Begleitet wurden diese Artikel in den Medien jedoch von Details zur japanischen Mannschaft, die sich vorbildlich isoliere, und einer ausführlichen Erklärung, warum das Pusten und Wischen eben wichtig für das Tischtennis sei. Die Kommentarspalte bei Yahoo blieb dementsprechend friedlich gegenüber der japanischen Auswahl.

Reine Provokation der Chinesen?

Luo Guoliang hatte sich kurz darauf wieder geäußert. "Der gesamte Spielraum ist kleiner als sonst." Die Spieler könnten sich nicht gut positionieren. Er habe nachgemessen. Die Berichterstattung verblieb im Stil der Puste-Affäre und der Shitstorm gewann wieder an Stärke.

Am Donnerstag trainierten beide Teams zeitgleich in der Halle. China arbeitete konzentriert, bei den Japanern wurde auch mal gelacht. Aber niemand pustete. Freiwillige wischten nach dem Training die Tische ab. Mit Handtüchern.

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