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Olympia in Japan - Tokio 2020 - weniger nachhaltig als gedacht

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Die Wettkampfstätten sollen fit für die Zukunft sein. Tatsächlich sieht es ziemlich bedenklich aus: Der Tartanbahn droht der Rückbau - und die Ruderstätte hat ein Austern-Problem.

Archiv 22.06.2021: Das Nationalstadion in Tokio.
Das Olympiastadion in Tokio soll nach den Spielen schon wieder umgebaut werden.
Quelle: dpa

Sie ist ein kleines Wunderwerk, ja ein kleines Trampolin - soweit sie Trampolin sein darf - und auf jeden Fall sehr beliebt und hochgelobt von Athleten: Tokios Tartanbahn im Nationalstadion, Grund vieler Rekorde. Doch ihre Existenz ist womöglich nur von enorm kurzer Dauer.

Sie soll abgebaut werden, denn sie nehme Platz weg: Für eine mögliche kommende Fußballweltmeisterschaft. Mehr als 1,3 Millionen Euro hat das Leichtathletik-Gesamtwerk gekostet, zwei bis drei Jahre Bauzeit hat es gedauert. Und das alles nur für ein paar Wochen Sport?

Fußball bringt mehr als Leichtathletik

Fußball und Rugby seien eben rentabler als Leichtathletik. Das erklärte zumindest das Working Team, das unter dem Vorsitzenden Mizuochi Toshiei Pläne zur mittel- bis langfristigen Nutzung der Wettkampfstätten erarbeitet. Und dass Japan nach der eher pragmatisch gesehenen Co-Fußball-WM mit Südkorea einem eigenen Turnier nicht abgeneigt ist, ist ein offenes Geheimnis.

So soll der Rück- und Umbau vom Kokuritsu-Kyougijo, dem Nationalstadion, Platz schaffen für 12.000 weitere Sitzschalen. Der finale Entscheid dazu soll im September fallen, also nach den Paralympischen Spielen.

Eine Bilanz der Olympischen Spiele in Tokio im Zeichen der Corona-Pandemie.

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Ein neues Nagano?

Umstritten ist nicht nur das Herzstück der Olympischen Spiele, sondern auch andere Wettkampfstätten, vorneweg die der Ruderer und Kanuten: der Sea-Forest-Waterway. Die Anzahl japanischer Ruderer und Kanuten wird landesweit auf bloß je 200 geschätzt. Ein ordentlicher Betrieb wird sich damit nicht führen lassen.

Und so fürchten Kritiker allenthalben, dass die Ruder-Stätte irgendwann so enden wird wie die Bobbahn von Nagano. Zwanzig Jahre nach den Winterspielen von Nagano 1998 schloss die nämlich mangels Nutzung ihre Kühlanlagen. Immerhin wird sie noch als Walkingkurs benutzt - und könnte für den Fall erneuter Winterspiele wiederbelebt werden.

Austern werden zum Problemfall

Doch dem Sea-Forest-Waterway droht noch ganz anderes - eigentlich ganz leckeres - Ungemach: Austern. Die gewaltigen Wellenbrecher, die die Spielstätte vor der rauen See schützen sollten, begannen zu sinken. 14 Tonnen Austern hatten sich festgesetzt. Vor Olympia musste also die komplette Struktur aus dem Wasser gezogen und gereinigt werden.

Knapp eine Millionen Euro hat die Unvorhergesehenheit gekostet. Die Austern gehörten übrigens zur Gattung Magaki - in Deutschland als Sylter Royal bekannt und für mehr als 40 Euro das Kilo im Freihandel erhältlich.

Entsorgt statt verkauft

Die Delikatesse wurde allerdings entsorgt und nicht veräußert. "Darüber haben wir nicht nachgedacht", wird dazu ein Stadtbeamter zitiert. "Sicherlich wäre dazu ein Hygienezertifikat nötig gewesen."

Nachhaltigkeit war ein Schlagwort dieser Spiele: Stolz wurden die Pappbetten und Recycle-Goldmedaillen präsentiert, die Wasserstofftaxen und die Holzkonzepte der Spielstätten. Doch auch diese sind nicht frei von Kritik.

Die großen und kleinen Momente von Tokio 2020: Gold, Silber und Bronze - Rekorde und Reinfälle.

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Illegaler Raubbau für Olympia?

87 Prozent der Sperrholzplatten stammen aus Indonesien oder Malaysia. Und das ist problematisch. "Denn Japan ist zu Galapagos geworden, was die Umweltstandards betrifft", erwähnt hierzu Furozawa Koyu, emeritierter Professor der Kokugakuin Universität in Tokio.

Es gibt eine wachsende Zahl unabhängiger Ökolabels für Forstwirtschaft auf dem heimischen Markt. Aber die sind nicht so streng wie der international anerkannte Forest Stuartship Council.
Furozawa Koyu

Eine unkalkulierte Zukunft

Die Folge: In den japanischen Wettkampfstätten kann nicht ausgeschlossen werden, dass Holz aus illegalem Tropenholzabbau verzimmert wurde. Der floriert gerade in Indonesien und Malaysia. Bitter wäre, wenn diese Arenen dann im Nachhinein auch noch aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit verfallen würden.

Bislang schätzt man nur für die Ariake-Volleyball-Arena einen positiven Saldo, die restlichen werden mit insgesamt zehn Millionen Euro Verlust verbucht - jährlich. Es droht Nagano. Das Working-Team hat viel zu tun und muss kreativ sein - vielleicht denkt es dabei ja an die Austern.

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