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Medaillenrausch am Nippon - Das Geheimnis hinter Japans goldenen Spielen

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Schon über 20 Mal Gold: Japan erlebt seine erfolgreichsten Spiele. Nur warum? Ein Skate-Girl aus einer Schnappsbrennerei ist ein typisches Beispiel.

Sakura Yosozumi
Goldmedaillengewinnerin für Japan: Sakura Yosozumi
Quelle: epa

Yosozumi Sakura dreht einen Five-fourty und noch einen und grinded, slided, carved. Sie schwebt förmlich durch die Beton-Bowle, auf der das erste Skater-Gold der Olympia-Geschichte verteilt wird. Nur 19 Jahre ist sie alt, doch an diesem Tag skatet keine besser. Gold für Yosozumi, Gold für Japan.

Ich weiß gar nicht, wo diese japanischen Mädels alle her kommen. Auf der World Tour waren die alle nicht.
Yndiara Asp (Brasilien) über Yosuzumi Sakura

Tatsächlich muss den Skaterinnen der Welt das Land der vielen Inseln geisterhaft erscheinen. Platz eins, zwei und vier gehen nämlich nach Nippon. Und es kommt noch unheimlicher. "Wo die drei herkommen, gibt es noch zehn weitere", sagt Skatercoach Nishikawa Takashi. Und wo hat der Erfolg von Yosozumi seinen Ursprung?

Yosozumi: Das Mädchen aus der Brauerei

In einer Brauerei für Sake, dem japanischen Reisschnaps, im abgelegenen Wakayama. Dort nämlich steht ihr eigener kleiner Skatepark. Zuvor fuhr ihre Mutter Yosozumi sechs Stunden täglich zur Großstadt Kobe und zurück, damit sie adäquat üben konnte. Bis der Besitzer der örtlichen Sake-Brauerei von Yosozumis Talent, ihrer Situation und ihren olympischen Träumen erfährt – und sich entschließt sie zu sponsern.

Der Kern des Engagements ist der Skate-Park in einem stillgelegten Teil der Brauerei. Das klingt nach einer Self-Made-Story, doch die ist typisch für den derzeitigen japanischen Goldregen.

Lilly Stoephasius hat ein starkes Debüt auf der Olympia-Bühne abgeliefert. Die 14-Jährige verpasste als Neunte das Park-Finale nur knapp. Siegerin wurde Sakura Yosozumi (Japan).

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Heimvorteil in Japan sorgt für Medaillenrausch

Noch haben alle Ausrichter daheim besser performt als auswärts. In seiner Mächtigkeit erinnert der japanische Goldrausch aber an den der Briten von 2012. Großbritannien investierte damals jährlich über 80 Millionen Euro in die Sportförderung.

"Das britische System hat seit 2010 einen signifikanten Einfluss auf unser japanisches", sagt Akira Fujiwara, Forscher am japanischen Institut für Sportwissenschaften, das maßgeblich für die Mittel ist, die Athleten zur Verfügung stehen.

Geld aus der Staatslotterie hilft Sportförderung

"Jede Disziplin muss einen Achtjahresplan mit Zielsetzungen schreiben – wobei meiner Expertise nach längere Zeiträume, zum Beipiel 16 Jahre, nachhaltiger wären", sagt Fujiwara. Die Förderung wird dann den Ergebnissen entsprechend bewertet und neu zugeteilt. "Anders als das UK staffeln wir aber nicht nach Medaillenhoffnung."

Als Japan 2013 die Ausrichtung der Spiele für 2020 gewann, intensivierte Japan Förderungen extrem. "Man verdoppelte auf etwa 80 Millionen Euro pro Jahr", so Fujiwara. Zudem werden, ähnlich wie in Britannien, drei Viertel der Gewinne von verzockten Sportwetten aus der Staatslotterie in die Förderung von Sportstätten wie auch Athleten geleitet.

Pläne und Programme

Daneben begannen großangelegte Projekte, wie das, in jeder der 47 Präfekturen Japans Talente zu finden. Oder das des nach seinem Erfinder benannten "Suzuki-Plans", der unter anderem gezielt junge Sportler in andere Disziplinen quervermittelt. Zusätzlich wurde der Athletensupport im präolympischen Jahr besonders intensiv und mit einer Rundumversorgung gestaltet.

Erst 13 und schon Olympiasiegerin: Die Japanerin Momiji Nishiya hat in Tokio den ersten Skateboard-Wettbewerb der Frauen gewonnen.

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"In dem Sinne hat uns auch die Pandemie affektiert. Diesen Zeitraum mussten wir anpassen. Viele Athleten konnten wegen Corona nicht international antreten", sagt Fujiwara Akira. Das betraf auch die in großen Teilen minderjährige Skater-Elite um Yosozumi; der Grund für die internationale Unsichtbarkeit.

Keine Klubkultur wie in Deutschland

Doch nationale Sportförderung ist nicht alles. In Japans Sporthistorie sind Firmenteams und –sportler Gang und Gäbe. Eine Klubkultur wie in Deutschland gibt es nicht. "Japans zwischenzeitlicher Medaillenniedergang resultierte auch aus der Wirtschaftsdepression der Neunziger", sagt Fujiwara. Firmen investierten weniger in ihre Sportler.

Doch wie passt Yosozumi in diese Muster? Zum Einen motivierte Olympia die heimische Wirtschaft – in Form eines Sake-Brauers – wieder kräftig in Sportler zu investieren. Und zum Anderen ist da Coach Nishikawa, der festangestellt quer durchs ganze Land tourt, um junge Skater-Asse zu scouten. So schaffte es Yosozumi mit ihrem enormen Talent vom Sake-Skatepark im bergigen Wakayama auf die Weltbühne Olympia.

sportstudio live - Olympia

Olympia - Olympia - Tokio 2020 

Alles zu den Olympischen Sommerspielen 2020

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