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Geteiltes Gold im Hochsprung - Das Comeback des Olympischen Geistes

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Essa Mutaz Barshim und Gianmarco Tamberi teilen sich Hochsprung-Gold – und hätten eine zweite Medaille verdient für ihre Interpretation von Fairness, Freundschaft und Freude.

Erstmals in der Geschichte der Olympischen Spiele gibt es zwei Sieger im Hochsprung. Der Italiener Tamberi und Barshim aus Katar werden gemeinsam Olympiasieger.

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Am Samstag noch wurde der olympische Geist mit Füßen getreten. Hinaus gejagt aus dem Leichtathletik-Stadion in Tokio von den Allüren und der Missgunst zweier Sprinterinnen. Die Jamaikanerinnen Elaine Thompson-Herah und Shelly-Ann Fraser-Pryce faszinierten mit ihren Leistungen, doch ihre anschließend demonstrativ zur Schau getragene Antipathie füreinander irritierte.

Am Sonntag dann feierte der Geist, der ja offiziell, weil über Geld nicht gesprochen wird, der Grund ist, warum diese Corona-Spiele unter so unwirtlichen Bedingungen überhaupt ausgetragen werden, ein fulminantes Comeback. Er wehte mit Verve durch die Arena.

Die beiden Hochspringer Essa Mutaz Barshim und Gianmarco Tamberi gaben ihm ein Gesicht. Sie teilen sich Gold. Und jeder sagt über den anderen, dass er es mit niemandem lieber teilen würde als eben mit dem anderen.

Barshim und Tamberi brauchen keine Regelkunde

Olympischer im Sinne von Fairness, Freundschaft und Freude geht es kaum. Essa Mutaz Barshim und Gianmarco Tamberi sind sportliche Konkurrenten auf allerhöchstem Niveau. Im Wettbewerb in Tokio blieben beide bis zur wahrlich beachtlichen Höhe von 2,37 Metern ohne einen einzigen Fehlversuch. Erst 2,39 Meter rissen beide dreimal.

Essa Mutaz Barshim und Gianmarco Tamberi sind aber auch das, was man gemeinhin wahre Sportsmänner nennt. Als der Kampfrichter fragte, ob sie Bescheid wüssten über die Regeln, seien sie sich ohne Worte einig gewesen, erzählten sie später. Ein einziger Blick habe gereicht. Sie kannten die Regeln für ein mögliches Stechen um den Sieg nicht so genau. Und wollten sie auch nicht kennenlernen. Sie wollten Gold. Beide. Zusammen. Also verzichteten sie einvernehmlich auf das Stechen.

Der Italiener Lamont Marcell Jacobs hat Olympiagold über 100 m gewonnen. Er siegte mit Europarekord von 9,80 Sekunden vor Fred Kerley (USA) und dem Kanadier Andre de Grasse.

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Olympia-Gold in Tokio Höhepunkt nach schweren Rückschlägen

"Er weiß wie ich, was es heißt, einen Traum zu haben und nach einer schweren Zeit zurückzukommen", sagte Tamberi über Barshim: "Gold mit einem Freund zu teilen, das ist unglaublich." Essa Mutaz Barshim, 30 Jahre alt und aus Katar, Weltmeister von 2017 und 2019 sowie zweimal Olympiazweiter, und Gianmarco Tamberi, 29 Jahre alter Italiener, Europameister und Hallenweltmeister von 2016, mussten beide nach schweren Fußverletzungen um die Fortsetzung ihrer Karrieren bangen.

Tamberi, 2016 der große Favorit auf Olympia-Gold, riss sich kurz vor den Spielen in Rio ein Band im Knöchel. Es folgten eine Operation und das Bangen, ob er überhaupt im Alltag wieder würde richtig gehen und laufen können. Barshim zog sich 2018 eine ähnliche Verletzung zu und erzählte in Tokio:

Ich konnte nicht allein aus dem Bett, ich konnte nicht allein zur Toilette. Ich weiß, dass Gianmarco das Gleiche durchgemacht hat. Ich weiß, dass er Gold genauso verdient hat wie ich
Essa Mutaz Barshim, Hochsprung-Olympiasieger

Beispiel Simon Biles zeigt: Spitzensport ist mentaler Stress

Nun saßen sie also gemeinsam dort, am Ziel eines beschwerlichen Weges, und teilten ohne auch nur einen Funken Missgunst ihren größten sportlichen Moment. Sie nutzten diese Bühne, um ähnlich wie Turnerin Simone Biles daran zu erinnern, dass Spitzensport eben nicht nur schillernd ist. "Ihr könnt euch nicht vorstellen, was Leute durchmachen im Sport, wenn die Dinge mal nicht laufen", sagte Tamberi. "Du gehst durch mentalen Stress, nahezu an jedem einzelnen Tag", ergänzte Barshim.

Irgendwann fühlst du, dass du nichts mehr zu geben hast. Dann brauchst du eine Pause.
Essa Mutaz Barshim, Hochsprung-Olympiasieger

"Du kannst nicht immer weitermachen, weitermachen, weitermachen", sagt Barshim. "Du musst auch deinen Geist stärken, nicht nur deinen Körper." Ihre Familien und Freunde seien in den dunklen Momenten ihr Anker und Kraftspender gewesen, erzählten beide.

Tamberi und Barshim muteten ihren Vertrauten einiges zu

Und gaben zu, dabei selbst oft schlechte Partner und Freunde gewesen zu sein, weil sie so viel Kraft und Zeit in ihren Sport steckten. Barshim erzählte von Freunden zu Hause, die ihren Job riskierten, weil sie der Arbeit fernblieben, um seinen olympischen Wettbewerb live mitzuerleben.

Und Tamberi ergänzte: "Sie gehen unseretwegen nicht zur Arbeit, dabei gab es Jahre, da sind wir nicht zu ihren Geburtstagen oder Hochzeiten gegangen, weil wir unserem Traum gefolgt sind." Jetzt ist ihr Traum wahr geworden. Und der Olympische Geist jubiliert.

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Olympia - Olympia - Tokio 2020 

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