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Olympia - Gewichtheben - Heben unter dem Damoklesschwert

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Wegen zahlreicher Dopingfälle und Missständen im Weltverband werden die Gewichtheber in Tokio scharf beäugt. Am 24. Juli starten die Hantel-Größen in ihre olympischen Wettkämpfe.

Gewichtheben
Gewichtheber im Fokus der Dopingjäger
Quelle: ap

Denkt Jürgen Spieß an seine internationale Feuertaufe als Gewichtheber zurück, fällt ihm sofort der Name Chadschimurat Akkajew ein. Spieß wurde damals, bei seiner ersten Jugend-EM im Jahr 2000, Vierter. Der Russe Akkajew holte Gold – und war in der Folge einer von Spieß‘ Dauer-Konkurrenten.

Sorgenvoller Blick nach Tokio

Wie etwa bei den Spielen 2008 in Peking. Da gewann Akkajew Bronze im Mittelschwergewicht – seine Medaille kassierte das IOC acht Jahre später aber wieder ein. Weil dem Wiederholungstäter Akkajew bei Nachtests der Dopingproben von Peking die Einnahme eines anabolen Steroids nachgewiesen wurde.

Es ist nur einer von vielen Fällen aus der Vergangenheit, die Spieß nun auch besorgt auf die Wettkämpfe in Tokio blicken lassen. „Unser Weltverband muss aufpassen, dass es dort keine positiven Fälle gibt. Das ist das Entscheidende“, betont der 37-Jährige im Gespräch mit ZDFheute.de.

Für die Spiele 2024 droht der Rauswurf

Wegen des tief verwurzelten Dopingproblems der Sportart, der starren Strukturen und des mäßigen Reformeifers innerhalb der Führungsriege des Internationalen Gewichtheber-Verbandes (IWF) drohte das IOC der Hantel-Abteilung schließlich wiederholt mit dem Ausschluss für die Spiele 2024.

Mit weniger Startplätzen (196 statt 260 wie in Rio) und Gewichtsklassen (14 statt 15) müssen die Gewichtheber, bei denen Thailand, Malaysia, Ägypten und Rumänien wegen zu vieler Disqualifikationen in Tokio gesperrt sind, schon jetzt auskommen. Und für die Olympia-Ausgabe in drei Jahren in Paris sind für sie maximal 120 Plätze in zehn Klassen vorgesehen.

Aufreibender Kampf gegen die Alteingesessenen

Damit es der Branche vorher nicht an den olympischen Kragen geht, engagiert sich Spieß, der seine vierte Olympia-Teilnahme im Frühjahr bei der EM in Russland verpasste, seit letztem September in der frisch gegründeten Athletenkommission des IWF.

Der Deutsche Olympische Sportbund sorgt sich um den unterschiedlichen Umgang mit Dopingkontrollen. Vor Olympia gäbe es weltweit größere Unterschiede, so Präsident Hörmann.

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"Wir haben da von Anfang an nichts anderes zu tun gehabt, als gegen die Alteingesessenen anzukämpfen. Aber wenn man da ein Prozent in die richtige Richtung treibt, kann es am Ende das entscheidende eine Prozent sein, das die Sportart rettet", hofft der Europameister von 2009.

Neuwahlen für den Herbst geplant

Tamas Ajan, der umstrittene Langzeit-Präsident des IWF, war im April 2020 angesichts schwerer Vorwürfe der Dopingvertuschung, Korruption und Vetternwirtschaft zurückgetreten. Auch Vizepräsident Nicolae Vlad und Exekutivmitglied Hasan Akkus haben den Rückzug von ihren Ämtern mittlerweile bekanntgegeben.

Doch trockengelegt ist der Funktionärssumpf im Weltverband damit noch immer nicht. Das weiß auch der gebürtige Heidelberger Spieß, für den die angestrebte neue Satzung für den IWF die entscheidende Grundlage darstellt, um im Herbst wie geplant Neuwahlen durchführen zu können.

Deutsche Kandidaten für den Weltverband

Sollte es dann auch zu einer ordentlichen Wahl der Athletenkommission kommen, würde Spieß sich aufstellen lassen. Auch im Interesse des eigenen Verbandes, dessen neuer Chef Florian Sperl als IWF-Vizepräsident kandidieren will und beim erhofften Neustart so einen prominenten Mitstreiter neben sich wüsste.

Noch aber schwebt das Damoklesschwert des Olympiaausschlusses für 2024 über den Gewichthebern. Und keiner weiß das besser als Jürgen Spieß – aus dessen neuntem Platz in Peking durch olympische Nachanalysen mittlerweile Rang sechs geworden ist.

Drohender Cut des IOC

"Sollten sich Teile dieser Verbrecher, die seit Jahren im Amt sind und das Gewichtheben überhaupt erst dahin gebracht haben, wo es jetzt ist, wider Erwarten wieder durchsetzen, sehe ich für unsere Sportart schwarz", sagt der zehnmalige deutsche Meister. "Denn dann wird sich das IOC das nicht mehr anschauen und einfach einen Cut machen."

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