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Olympisches Feuer | Interview - Günter Zahn: Stolpern wäre fatal gewesen

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Am Donnerstag startet in Fukushima der Fackellauf der Tokio-Spiele. Günter Zahn erinnert sich, wie er 1972 vor 85.000 Menschen die Flamme der Münchner Spiele entzündete.

Günter Zahn, der Schlussläufer der Fackelstafette zur Eröffnung der Olympischen Spiele 1972 in München.
Der große Moment des jungen Günter Zahn: Als Schlussläufer der Fackelstafette entzündet er 1972 in München das Olympische Feuer.
Quelle: dpa

ZDFsport: Am 26. August 1972 haben Sie als letzter Läufer des olympischen Fackellaufes vor 85.000 Menschen in München das Olympische Feuer entzündet - hatten Sie dabei Nervenflattern?

Günter Zahn: Eigentlich nicht. Bis zu den Treppen bin ich von vier Läufern begleitet worden. Jeder von uns hat einen Kontinent repräsentiert. Unter anderem war Kipchoge Keino aus Kenia dabei, er war vier Jahre zuvor Olympiasieger über 1.500 Meter und Olympiazweiter über 5.000 Meter geworden, eines meiner Vorbilder. Er hat das Laufen in Afrika groß gemacht. Ich konnte in München mit ihm sprechen und war dann später mal bei ihm unten. Nur die 160 Stufen hoch zur Feuerschale bin ich allein gelaufen. Ich musste mich ziemlich konzentrieren, um nicht zu stolpern. Das wäre fatal gewesen.

Generali München Marathon 2018 Siegerin des Marathons und Bayrische Meisterin Susanne Schreindel mit Ihrem Ehemann Tobias Schreindel udn Trainer Günther Zahn.
Günter Zahn (rechts) beim München-Marathon 2018 mit der Siegerin Susanne Schreindel und deren Ehemann Tobias Schreindel
Quelle: Imago

ZDFsport: Sie als 18 Jahre alter Deutscher Jugend-Meister über 1.500 Meter im Kreis der Weltelite: Wie kam es, dass Sie das Feuer entzünden durften?

Zahn: Willi Daume war damals NOK-Präsident, und er wollte heitere Spiele, bei denen die Jugend im Mittelpunkt steht. Zwei seiner Mitarbeiter haben mich bei den deutschen Jugend-Meisterschaften in Bielefeld gesehen und ausgewählt. Das war Zufall. Nach dem Rennen fragten die mich, ob ich das machen würde. Ich dachte: Was ist denn da los, ich bin Deutscher Meister geworden, ich will doch feiern. Aber ich habe "ja" gesagt.

ZDFsport: Sind Sie für Ihren Auftritt bezahlt worden?

Zahn: Geld hat es natürlich keines gegeben. Für mich war es die größte Ehre, bei der Eröffnungsfeier das Olympische Feuer entzünden zu dürfen. So etwas kriegt man ja eigentlich nicht. Ich durfte während der gesamten Spiele im Olympischen Dorf wohnen und habe zwei Karten für die Ehrentribüne im Stadion bekommen. Ich habe von Früh bis Spät die Leichtathletik verfolgt. Und es war ein Highlight für mich, im Dorf herumzusausen und die Athleten aus all den verschiedenen Nationen zu sehen.

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ZDFsport: Und danach haben Sie beschlossen, auch mal als Athlet bei Olympischen Spielen dabei sein zu wollen?

Zahn: Ich wäre auch so weitergelaufen, aber das Erlebnis in München hat meinen Ehrgeiz angestachelt. Ich habe auch profitiert von der Sache. Als derjenige, der das Olympische Feuer entzündet hatte, habe ich öfter mal Einladungen zu Rennen bekommen, etwa zum Silvester-Lauf in Sao Paolo, zu denen man in meiner Preisklasse eigentlich eher nicht kommt. Zu den Spielen 1984 in Los Angeles wurde ich als drittbester deutscher 10.000-Meter-Läufer leider nicht mitgenommen, obwohl ich den New-York-Marathon im November 1983 in 2:15 Stunden gelaufen war und damit die Olympianorm um zwei Minuten unterboten hatte.

ZDFsport: Nun startet am Donnerstag im japanischen Fukushima der Fackellauf der verschobenen Olympischen Spiele 2020, die am 23. Juli in Tokio mit einem Jahr Verspätung eröffnet werden sollen. Werden Sie das verfolgen?

Zahn: Wenn dazu etwas im Fernsehen kommt, schaue ich mir das natürlich an. Und die Eröffnungsfeier schaue ich sowieso. 1972 in München wollte mich unbedingt ein Japaner treffen - das war Yoshinori Sakai, der 1964 bei den Spielen in Tokio das Feuer entzündet hatte. Er war ausgesucht worden, weil er am 6. August 1945 in Hiroshima geboren wurde, an dem Tag, als über seiner Geburtsstadt die erste Atombombe abgeworfen wurde. Ich bin sehr gespannt, ob er diesmal in Tokio auch wieder dabei sein wird.

Als Muhammad Ali 1996 in Atlanta das Feuer entzündete, hatte ich nasse Augen. Zum einen, weil ich es mir fast nicht anschauen konnte, wie er dabei gezittert hat. Und zum anderen, weil ich natürlich dachte: Mensch, jetzt steht der da, Muhammad Ali, der Größte, der Jahrhundert-Sportler. Und ich habe das auch schon mal gemacht.

Das Gespräch führte Susanne Rohlfing

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