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Tokio 1964 als Zäsur

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Olympische Spiele - Tokio 1964 als Zäsur

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1964 in Tokio waren die ersten Olympischen Spiele in Asien. Sie standen ganz im Zeichen des Wettstreits zwischen Ost und West. Und Doping wurde zum Thema.

Einmarsch der gesamtdeutschen Mannschaft in Tokio 1964
Einmarsch der gesamtdeutschen Mannschaft in Tokio 1964
Quelle: ap

Die nordkoreanische Leichtathletin Sin Kim Dan, 26, war schon vor ihrer Ankunft in Tokio auf Olympiasieg geeicht. Die Leichtathletin führte die Bestenlisten über 400 und 800 Meter klar an, daher galt die Schlosserin als Goldgarant bei den Olympischen Spielen 1964. Zugleich wollte sie ihren in Südkorea lebenden Vater treffen. Eine Mauer trennte die beiden Länder seit dem Koreakrieg.

Traum von Olympia in Tokio geplatzt

Sins erster Traum platzte schon vor der Eröffnungsfeier. Der Ausschluss aller Athleten, die ein Jahr zuvor bei den von den olympischen Funktionären geächteten GANEFO-Spielen in Jakarta teilgenommen hatten, betraf auch sie. Der zweite Traum währte nur kurz. Ihren Vater sah sie nur fünf Minuten am Flughafen, bevor sie nach Pjöngjang zurückreiste. Diese herzzerreißende Geschichte, die den tiefen Graben zwischen beiden politischen Blöcken aus Kommunismus und Kapitalismus symbolisierte, ging um die Welt. Ursprünglich sollten die Spiele der XVIII. Olympiade, die das Internationale Olympische Komitee (IOC) 1959 in München vergeben hatte, einen Aufbruch verheißen. Es waren die ersten Spiele außerhalb Europas und Nordamerikas: Tokio sollte von Olympia als der wahrlich globalen Bewegung künden.

Tokio 1964 eine sportpolitische Zäsur

Figuren wie der äthiopische Olympiasieger Abebe Bikela entsprachen diesem Bild. Und es gab auch fantastische Duelle im Geist des Fair Play, wie sie der deutsche Olympiasieger im Zehnkampf, Willi Holdorf, und sein sowjetischer Konkurrent Rein Aun erzählten.

Doch nicht nur wegen des Athletenausschlusses stellte Tokio eine sportpolitische Zäsur dar. In Tokio trat letztmals eine gesamtdeutsche Mannschaft an. Wie bizarr dieser letzte Auftritt unter der Schwarz-Rot-Gold-Flagge mit den olympischen Ringen war, dokumentierte schon der Mauerbau von 1961.

Erste Anti-Doping-Kommission in Tokio

Unwürdig waren schon die Gefechte zwischen der BRD und der DDR im Vorfeld der Spiele gewesen. Damals rangen Ost und West darum, die meisten Athleten nach Tokio zu entsenden, denn wer die meisten Sportler schickte, durfte den Chef de Mission stellen: Am Ende war dies DDR-Sportfunktionär Manfred Ewald.

In Tokio installierte das IOC erstmals eine Anti-Doping-Kommission. Dopingkontrollen wurden noch nicht durchgeführt, obwohl sich die Gerüchte verdichteten, dass US-Werfer wie Al Oerter in ihrem Training auch synthetisch hergestellte Anabolika wie Dianabol schluckten.

IOC beschließt Geschlechtertests

Zudem beschloss das IOC für die Zeit nach Tokio sogenannte „Geschlechtertests“ im Frauensport, weil zu viele Sportlerinnen als Männer betrachtet wurden. Das betraf etwa die Leichtathletinnen Tamara und Irina Press (Sowjetunion), die als „Press-Brüder“ verspottet wurden. Auch Sin Kim Dan wurde später als Hermaphrodit verdächtigt: Ein Südkoreaner behauptete, sie sei in Wirklichkeit sein Sohn. Aufgeklärt wurde das nie.

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