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Interview

Para-Leichtathletik : Markus Rehm: "Ich bin noch nicht fertig"

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Prothesen-Weitspringer Markus Rehm hat mit 8,66 Metern gerade wieder einen Weltrekord aufgestellt - und will mehr. Vielleicht klappt es schon am heutigen Freitag in Leverkusen.

Paralympics 2020: Interview mit Markus Rehm
Markus Rehm im ZDF-Interview.
Quelle: ZDF

ZDFheute: Herr Rehm, wir befinden uns in einem nach-paralympischen Jahr, eigentlich eine Zeit, um sportlich durchzuatmen. Sie haben aber schon wieder einen Weltrekord aufgestellt. Können Sie nicht anders?

Markus Rehm: So ganz ohne Ansporn kann ich es nicht.

Entweder ganz oder gar nicht, halbe Sachen sind nicht so meins.
Markus Rehm

Ich dachte, wenn es dieses Jahr mal nicht so läuft, ist es auch in Ordnung. Aber ich habe ganz normal trainiert. Und dann hat es tatsächlich wieder geklappt.

ZDFheute: 8,66 Meter. Den deutschen Rekord von Lutz Dombrowski von 1980 (8,54 Meter) haben Sie schon überboten, zum Weltrekord von Mike Powell von 1991 (8,95 Meter) fehlen noch 29 Zentimeter. Ist das ein Ziel?

Rehm: Ich habe schon immer gesagt, dass das ziemlich weit ist. Und es ist immer noch ziemlich weit. 29 Zentimeter sind im Weitsprung eine ganz schöne Hausnummer. Das ist ein Jahrhundert-Rekord. Also eins nach dem anderen. Aber ich bin noch nicht fertig. Ich möchte gern nochmal weiter springen, das ist das Ziel. Zumal wir gerade etwas Schwierigkeiten mit der Anerkennung des Weltrekords haben.

ZDFheute: Mit den 8,66 Metern von der Golden Roof Challenge in Innsbruck?

Rehm: Ja, genau. Der Wettkampf war wohl beim paralympischen Verband nicht angemeldet. Für die olympischen Athleten war er es aber, deren Ergebnisse standen am nächsten Tag direkt im World Ranking. Daher hoffe ich, dass wir auch für meine Leistung eine Lösung finden werden.

Der Sprung ist auf Video, die Anlage war perfekt vermessen, besser kann ich nicht nachweisen, dass ich diese Weite gesprungen bin. Man sollte davon ausgehen, dass auch der paralympische Verband da zustimmen wird, denn schließlich will man dort im Sinne der Athleten und des Sportes handeln.

ZDFheute: Nun steht zum dritten Mal das "Heimspiel" in Leverkusen an, ein Meeting, bei dem vom Paralympicssieger bis zum Anfänger, vom Para-Athleten bis zum olympischen Leichtathleten jeder mitmachen kann. Wie wichtig ist das für den Para-Sport?

Rehm: Das ist super wichtig. Und einfach auch schön. Ich bin da meistens viel damit beschäftigt, Tipps zu geben, zu Prothesen, zum Training. Ich finde das cool, ich freue mich, wenn die Leute sich bei mir Rat holen, das ehrt mich.

Die mediale Aufmerksamkeit für den paralympischen Sport steigt von Jahr zu Jahr.
Markus Rehm

Das größte Problem scheint die Nachwuchsfindung zu sein.

ZDFheute: Wie sind Sie nach Ihrem Unfall in der Leichtathletik gelandet?

Rehm: Ich habe auch mit Prothese weiter viel Sport gemacht. Irgendwann hat mich Heinrich Popow (ehemaliger Weltklasse-Athlet in der Para-Leichtathletik, Anm. d. Red.) auf einer Messe angesprochen und Jörg Frischmann (Geschäftsführer der Leverkusener Para-Sport-Abteilung, Anm. d. Red.) hat einen Zeitungsbericht über mich gelesen. Wir haben uns damals bei Jörg zu Hause zusammengesetzt, und dann hat alles seinen Lauf genommen.

ZDFheute: Das heißt, Sie mussten aktiv angeworben werden. Bis heute scheint es schwierig, als Mensch mit Handicap von allein den Weg in den Spitzensport zu finden.

Rehm: Ja, ich wurde da ganz aktiv reingeholt. Ich hatte vorher keine Ahnung von Para-Sport. Ich hoffe, dass wir das in den letzten Jahren etwas verändert haben.

Es haben heute mehr Kinder Zugriff auf Sportprothesen, die werden im Kinder- und Jugendalter inzwischen von den Krankenkassen bezahlt.
Markus Rehm

Und jedes Kind, auch jeder Erwachsene, der zum ersten Mal auf einer Sportprothese steht, hat ein Grinsen im Gesicht, das er nie wieder vergessen wird. Das war bei mir auch so, das war ein absolutes Highlight.

ZDFheute: Warum?

Mit einer Alltagsprothese kannst du einfach nicht schnell laufen, die Ferse ist im Weg. Ich kann das Sprunggelenk nicht nach unten klappen, um auf dem Vorfuß zu rennen. Die Sportprothese hat keine Ferse, das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Anders als zu meinen Anfängen ist heute aber auch: Damals habe ich die Paralympischen Spiele nicht im TV sehen können. Es gab keine Berichte. Das hat sich zum Glück verändert. Ich hoffe, dass wir Sportler mit unseren Leistungen heute in dem einen oder der anderen den Wunsch auslösen, es uns nachzutun.

Das Interview führte Susanne Rohlfing

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