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Ausnahmekönnerin und Sympathieträgerin

von Susanne Rohlfing

Anna Schaffelhuber hat einen Berg internationaler Medaillen gesammelt und ist fünf Mal zur Para-Sportlerin des Jahres gewählt worden. Nun wird sie noch einmal ausgezeichnet.

Videolänge:
1 min
Datum:
24.11.2020

Wenn sich Matthias Berg die Bilder von Anna Schaffelhubers Abfahrten bei den Paralympischen Spielen 2014 in Sotschi in Erinnerung ruft, gerät er noch heute ins Schwärmen: "Da hat sie den Ski befreit laufen lassen, in einer runden Eleganz, das war fantastisch", sagt der Parasport-Experte des ZDF, der zwischen 1980 und 1994 selbst Mitglied der deutschen Nationalmannschaft Ski Alpin der Behinderten war.

Schaffelhuber - elegant und schnell

Und Schaffelhuber war damals nicht nur elegant, sondern auch wahnsinnig schnell. Fünf Starts, fünf Mal paralympisches Gold - so lautete ihre Bilanz der Spiele von Sotschi.

Die Monoskifahrerin, die mit einer inkompletten Querschnittlähmung zur Welt kam und auf den Rollstuhl angewiesen ist, war auf dem Höhepunkt ihres sportlichen Schaffens angelangt. Und nun ist sie in einer Online-Abstimmung des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) auch zur Para-Sportlerin des Jahrzehnts gewählt worden.

Von mehr als 10.000 Stimmen wählten online 39,08 Prozent Anna Schaffelhuber. Auf Platz zwei folgt Andrea Eskau (20,18 Prozent), die in Winter und Sommer im Para Ski nordisch und Radsport erfolgreich ist. Dritte ist Para-Ski-Nordisch-Legende Verena Bentele (14,92 Prozent), die jüngst in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen wurde. Der Wahlsieger bei den Männern wird am Donnerstag, das Team des Jahrzehnts am Samstag bekanntgegeben.

Mit einem Skikurs ging's los

Entdeckt habe die gebürtige Regensburgerin ihre sportliche Passion mit fünf Jahren bei einem Skikurs für körperbehinderte Kinder, erzählte Schaffelhubers Mutter mal der "Abendzeitung".

Neun Jahre und viele Familienskiurlaube später folgte der erste Monoski-Lehrgang - und 2010 schließlich war aus dem kleinen Mädchen eine formidable Athletin und Paralympics-Starterin geworden. In Vancouver holte Schaffelhuber Bronze, der Grundstein für ihre famose Karriere war gelegt.

Rücktritt mit 26

Als sie am 11. November 2019 mit nur 26 Jahren ihren Rücktritt vom Wettkampfsport erklärte, hatte Anna Schaffelhuber sieben paralympische Goldmedaillen, elf WM-Titel, sechs Gesamtweltcup- und 67 Einzelweltcup-Siege gesammelt.

Matthias Berg erklärt Schaffelhubers Erfolgsbilanz so: "Sie hat ein herausragendes Talent. Dazu kommen die frühe Förderung durch die Familie, ihr früher Eintritt in die Nationalmannschaft, ihr gesunder Ehrgeiz und ihre sehr klar strukturierte Art."

Sie ruht sich nie aus, sie will immer etwas verbessern. Sie ist schon eine Perfektionistin.
Anna Schaffelhubers Mutter Beate

Anna Schaffelhuber: Druck in Pyeongchang

Vier Jahre nach ihren Glanz-Spielen von Sotschi stand Anna Schaffelhuber 2018 in Pyeongchang enorm unter Druck. Sie selbst hatte die Latte fast unerreichbar hoch gelegt. Fünf Starts, fünf Siege - daran wurde sie gemessen, daran maß sie sich selbst.

"Jeder Tag wird ein eigener Kampf sein", hatte sie im Vorfeld gesagt. Und auch: "Es ist kein Selbstläufer, dass man sich jedes Jahr wieder überwindet und jedes Jahr wieder an den Start geht. Das wird jedes Jahr schwerer, das ist irgendwann auch zäh."

Sport | sportstudio reportage - Schaffelhuber: Zwischen Spitzensport und Studium 

Anna Schaffelhuber ist eine der erfolgreichsten Athletinnen bei paralympischen Winterspielen. Mit Matthias Berg spricht die Monoskibobfahrerin über ihre Karriere, ihr Trainingspensum und ihr Lehramtsstudium.

Videolänge
6 min
von Henrik Diekert

Da war schon herauszuhören, dass es Schaffelhuber nicht leicht fiel, mit dem zunehmenden Druck klar zu kommen. In Pyeongchang holte sie noch zwei Mal Gold und einmal Silber.

WM 2019 der letzte große Wettkampg

Sie sei längst nicht mehr so befreit die Hänge hinabgesaust wie noch vier Jahre zuvor, sagt Berg. Bei der WM 2019 sammelte Schaffelhuber dann noch zwei Mal Gold und drei Mal Silber - bevor sie Ende des Jahres Schluss machte.

Neben dem Sport hat sie immer auch ihr Lehramtsstudium in den Fächern Mathe, Recht und Wirtschaft vorangetrieben. Aktuell absolviert sie in Wasserburg ihr Referendariat. Und im vergangenen Jahr heiratete Schaffelhuber ihren Freund Michael, der als Mathe- und Sportlehrer arbeitet.

Jugendarbeit im "Grenzenlos"-Camp

Langweilig wird es in ihrem Leben also auch ohne Spitzensport nicht. Zumal sie sich in ihrem "Grenzenlos"-Camp engagiert, einem Workshop-Angebot für Jugendliche von 14 bis 17 Jahren mit und ohne körperliche Behinderung. Dabei geht es um Sporterlebnisse gepaart mit Medien-Know-How.

Auch das bewundert Matthias Berg. "Anna Schaffelhuber ist ein Riesenvorbild für eine Generation von Frauen im Rollstuhl. Sie zeigt, wie man über den Sport einen sehr spannenden Zugang zum Leben finden kann", sagt er: "Sie ist eine herausragende Figur des Parasports, Leistungs- und Sympathieträgerin. Und sie nimmt ihre Rolle als Vorbild an, sie engagiert sich für andere, das ist grandios."

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