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Die Crux der Wettkampfklassen - Neue Unsicherheit für Para-Sportler

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Die Einteilung in Wettkampfklassen galt für viele Athleten bis Ende 2020. Mit der Verschiebung der Tokio-Spiele wurde sie nicht verlängert. Das könnte böse Überraschungen bringen.

Sitzvolleyball bei den Paralympics 2016
Auch im Sitzvolleyball - hier eine Szene der Paralympics 2016 - könnte in Tokio vor Ort klassifiziert werden.
Quelle: reuters

Wenige Monate vor dem größtmöglichen Wettbewerb von dessen Verschiebung zu erfahren, ist schlimm für Athleten. Viele Sportler hat im vergangenen März die Absage der Olympischen und Paralympischen Spiele 2020 in Tokio und deren Verlegung auf 2021 in ein tiefes Loch gestürzt.

Mühsam mussten sie sich neu motivieren, wieder in die gewohnte und nötige Trainingsroutine finden, Zuversicht fühlen bei all der Ungewissheit, die durch die Corona-Pandemie gekommen ist.

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Karl Quade: Unfreiwillige Abreise 1992

Vielen ist das gelungen, das verdient höchsten Respekt und Anerkennung. Aber einigen Para-Sportlern droht nun neues Ungemach. Eines, das Karl Quade, langjähriger Chef de Mission des deutschen Teams und selbst zweimaliger Paralympics-Sieger im Standvolleyball, 1992 in Barcelona selbst erlebte - und das er nun wirklich niemandem wünscht.

Er reiste seinerzeit nach Barcelona, damals als Kugelstoßer, und erfuhr dann vor Ort, dass seine Behinderung, eine angeborene Fehlbildung des Fußes, nicht für eine der Startklassen anerkannt wurde. Er wurde aussortiert und musste zuschauen.

Dauerthema Wettkampfklassen

Die Wettkampfklassen sind im Behindertensport ein Dauer-Diskussionsthema. Dabei werden die Athleten von Fachleuten getestet und begutachtet, die dann entscheiden, ob und in welche Startklasse der jeweilige Sportler eingruppiert wird.

Vor allem bei fortschreitenden Krankheiten wie einer Seebehinderung oder einer Spastik muss das immer wieder überprüft werden, damit es innerhalb der Startklassen nicht zu einer Wettbewerbsverzerrung kommt.

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Corona bringt vieles durcheinander

Oft endet so eine Zuordnung mit einem olympischen Zyklus. Was ja sinnvoll ist. Damit, dass Paralympische Spiele verschoben werden könnten, konnte ja bislang niemand rechnen. Und auch nicht damit, dass der Wettkampfkalender und damit die Möglichkeiten zu Klassifizierungen in den Monaten vor den Paralympics durch eine Pandemie arg eingeschränkt werden könnten.

Dies alles ist aber nun der Fall. Und deshalb hätte sich Karl Quade gewünscht, dass die paralympischen Athleten ihre Zuordnung einfach ein weiteres Jahr behalten.

Einteilung vor Ort möglich

Doch das Internationale Paralympische Komitee (IPC) hat entschieden, dass diesmal bei den Spielen vor Ort in Tokio noch klassifiziert werden kann. Das hatte man eigentlich abgeschafft, um Fälle wie jenen von Karl Quade 1992 in Barcelona zu vermeiden.

Denn vorbereitet, qualifiziert und angereist zu sein, und dann nicht mitmachen zu dürfen oder überraschend in eine ungünstige Startklasse verschoben zu werden, ist wohl noch schlimmer als eine Verschiebung der Spiele einige Monate vor dem Highlight.

Keine "Zero-Games-Classification-Policy"

Die so genannte "Zero-Games-Classification-Policy" wird also für Tokio ausgesetzt. In zehn Sportarten (Leichtathletik, Boccia, Kanu, Radsport Bahn und Straße, Judo, Rudern, Sitzvolleyball, Schwimmen, Rollstuhl-Rugby und Rollstuhl-Tennis) kann vor Ort noch klassifiziert werden.

Die Zero-Games-Classification-Policy war ein großer und wichtiger Schritt zum verantwortungsvollen Umgang mit den Athletinnen und Athleten und zur professionellen Darstellung des paralympischen Sports.
Karl Quade

Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) werde alles daran setzen, damit die eigenen Athleten von Vor-Ort-Klassifikationen verschont bleiben, sagt Quade. Doch einfach wird das nicht, da der Wettkampfkalender in vielen Sportarten auf Grund der Corona-Pandemie auf sehr wackligen Beinen steht.

Ärgerlich, aber erträglich

Am Ende sind ja alle froh, wenn die Paralympics in diesem Jahr überhaupt stattfinden. Und sei es auf ganz andere Art als gewohnt. Die "übelsten Maßnahmen" seien wohl nötig, sagt Quade.

Etwa das Einreiseverbot für ausländische Fans oder die strikten "Hygiene-Blasen", in denen sich die Athleten werden aufhalten müssen. Ärgerlich sei das alles, findet Quade, aber irgendwie erträglich. Denn: "Wenn die Paralymics ausfallen würden, wäre das für viele Sportler wirklich dramatisch. Und eine weitere Verschiebung ist nicht realistisch."

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