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Sylvia Pille-Steppat bangt um ihren Traum

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Paralympics | Rudern - Sylvia Pille-Steppat bangt um ihren Traum

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Noch im vergangenen November hat Para-Ruderin Sylvia Pille-Steppat voller Vorfreude ins Olympia-Jahr 2020 geblickt. Vier Monate später ist von der Vorfreude nicht mehr viel übrig.

Sylvia Pille-Steppat
Ihr Traum ist in weite Ferne gerückt: Sylvia Pille-Steppat
Quelle: imago

Ihr Traum von der Teilnahme an den Parlympischen Sommerspielen 2020 in Tokio hängt an einem seidenen Faden, besser gesagt an einem Virus, der derzeit nahezu den gesamten Planeten lahmlegt. Auch der Sport und seine Protagonisten sind davon betroffen. Zahlreiche Großereignisse sind bereits abgesagt worden, Sportstätten und Stadien bleiben geschlossen. Sogar die Fußball-EM wird verschoben. Und Olympia? Noch sträubt sich das IOC mit seinem Chef Thomas Bach gegen eine Entscheidung und setzt auf den Faktor Zeit.

Zu den Olympischen Spielen zu kommen, ist das absolute Ziel eines jeden Sportlers.
Sylvia Pille-Steppat

Zeit genug hatte Pille-Steppat im November 2019 noch für die Vorbereitung auf Tokio. Sie hatte gerade die Qualifikation für die Paralympischen Sommerspiele geschafft und trainierte am Ruder-Olympiastützpunkt in Hamburg mehrmals in der Woche: "Zu den Olympischen Spielen zu kommen, ist das absolute Ziel eines jeden Sportlers, das größte Sportevent überhaupt", sagte die 52-Jährige, die sich zuvor einer großen Herausfordung stellen musste.

Vom Laufen zum Rudern

Sylvia Pille-Steppat war einst Hamburgs schnellste Marathon-Läuferin. 1998 und 2002 gewann die Architektin den traditionsreichen Hamburg-Marathon. Doch mit der Zeit fiel ihr das Laufen immer schwerer und sie wurde schwächer. 2008 dann die erschreckende Diagnose: Multiple Sklerose. Die neurologische Krankheit griff ihr Nervensystem an und sorgte schon bald dafür, dass sie ihrer großen Leidenschaft nicht mehr nachgehen konnte. Im Jahre 2009 lief sie ihren letzten Marathon: "Bei mir ist das schleichend passiert. Inzwischen kann ich meine Beine kaum noch bewegen und sitze zum Großteil im Rollstuhl."

Doch Aufgeben war keine Option für sie. Sie münzte den Schicksalsschlag um in Energie und suchte fortan nach einer Disziplin, die sie trotz ihrer neuen Behinderung ausüben konnte: "Wichtig für mich war eine Sportart, die man draußen machen kann. Bewegung und frische Luft, das gehört für mich einfach zusammen. Und beim Para-Rudern kann man dazu noch sitzen."

Im Jahre 2013 entdeckte sie ihre neue Leidenschaft für sich und ist seitdem auf dem Wasser zuhause. Und das durchaus erfolgreich. Scheiterte Pille-Steppat 2016 noch knapp an der Zulassung für Rio, erfüllte sich die Kämpfernatur im August des letzten Jahres ihren großen Wunsch und qualifizierte sich bei der WM in Linz für die Spiele in Tokio: "Die Qualifikation für Olympia geschafft zu haben, das ist schon etwas ganz Tolles für mich!"

Warten auf die Entscheidung

Nun aber muss sie auf die Entscheidung des IOC warten. In vier Wochen wolle man ein finales Urteil fällen, solange sollen alle möglichen Szenarien durchgespielt werden. Was bedeutet diese Unklarheit für Athleten wie Pille-Steppat? "Noch bis vor zwei Wochen habe ich fest daran geglaubt, dass die Spiele stattfinden werden. Inzwischen bin ich mir da nicht mehr so sicher", sagt die 52-Jährige.

Den Kurs des IOC kann sie trotzdem nachvollziehen: "Eine jetzige Entscheidung wäre ja absolut. Ich finde es verständlich, dass man noch abwarten will wie sich die Lage entwickelt." Aber natürlich sei die Situation erschreckend und erfordere konsequente Gegenmaßnahmen. Mit ihrer Krankheit zählt sie eigentlich zur Corona-Risikogruppe, sieht sich selbst aber nicht als übermäßig gefährdet: "Ich habe zum Glück keine Probleme mit der Atmung. Aber natürlich ist jede Infektion eine Gefahr und kann eine Verschlechterung auslösen."

Trainingspläne sind hinfällig

Planungssicherheit ist ein rares Gut in diesen Tagen, auch für die Para-Ruderin. Der extra ausgearbeitete Trainingsplan bis Tokio ist vorerst hinfällig. Überhaupt ist unklar, ob es noch Wettkämpfe in diesem Jahr geben werde. Ein Trainingslager, sowie die zwei Weltcups in Italien wurden abgesagt, aktuell versucht sie sich zuhause in Hamburg fit zu halten: "Ich habe zum Glück ein Ergometer hier und fahre mit meinem Handbike draußen rum. Aber trotzdem will ich natürlich wieder nach draußen aufs Wasser und hoffe, dass sich die Situation bald wieder bessert. Aber eigentlich ist dar gar nicht mehr aufzuholen.“

Slyvia Pille-Steppat hat in ihrem Leben aber gelernt, positiv zu bleiben: "Eine Verschiebung von mindestens drei Monaten ist, denke ich, realistisch. Und auch wenn die Paralympics erst im nächsten Jahr stattfinden, greife ich halt dann wieder an!"

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