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Verein Athleten Deutschland - Rassismus im Sport: Sehen und bekämpfen

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Eine Arbeitsgruppe von "Athleten Deutschland" will Rassismus im Sport sichtbarer machen. Die Sportler fordern unter anderem Workshops für alle und Anlaufstellen für Betroffene.

Leichtatheltik-Hallen-EM 2021 in Torun (Polen): Weitspringerin Maryse Luzolo in Aktion
"Ich als schwarze Frau erlebe im Alltag natürlich Rassismus, auch im Sport", sagt Weitspringerin Maryse Luzolo - hier in Aktion bei der Hallen-Europameisterschaft 2021 in Torun (Polen).
Quelle: REUTERS/Aleksandra Szmigiel

Mit Rassismus haben sie schon ihr ganzes Leben lang zu tun, er gehört zu ihrem Alltag. Der konzentrierte, gemeinsame Protest dagegen ist neu.

Athletinnen und Athleten aus den unterschiedlichsten Sportarten haben sich unter dem Dach von Athleten Deutschland, der unabhängigen Vertretung der deutschen Kaderathleten, zusammengetan, um auf Rassismus im Sport aufmerksam zu machen und dagegen anzugehen.

Athleten: Rassismus sichtbarer machen

Sie wollen mehr Sichtbarkeit und Sensibilität für das Thema, wünschen sich Anlaufstellen für Betroffene in den Verbänden und Workshops für Athleten und Trainer. Das haben betroffene Athletinnen am Montagabend in einer öffentlichen Online-Diskussion mit Verbandsvertretern aus den Sportarten Rudern, Hockey und Leichtathletik deutlich gemacht.

Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, teilte bei der Gelegenheit mit, auf Anregung von Athleten Deutschland dem Thema auch bei der nächsten Sitzung des Sportausschusses im Mai Raum geben zu wollen.

GERMANIA ... mit der Ruderin Carlotta Nwajide:

"Ich wusste immer ganz klar, was es bedeutet schwarz zu sein."

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"Ich als schwarze Frau erlebe im Alltag natürlich Rassismus, auch im Sport", sagte die Weitspringerin Maryse Luzolo. Ruderin Carlotta Nwajide stimmte ihr zu und erklärte: "Der Sport setzt sich nicht genug damit auseinander." Es sei wichtig, Rassismus zu sehen und zu verstehen - um dann etwas ändern zu können.

Im Fußball wird Rassismus häufiger thematisiert. Aber wir anderen Sportarten werden immer ein bisschen vergessen, wir sollten mehr darüber sprechen.
Bob-Anschieberin Deborah Levi

Nach der Ermordung des Afroamerikaners George Floyd durch einen Polizisten vor knapp einem Jahr haben sich weltweit Menschen an Protesten einer erstarkten Black-Lives-Matter-Bewegung beteiligt - auch schwarze Athletinnen und Athleten in Deutschland.

Konsens: Rassismus ist Thema

Der Verein Athleten Deutschland hat das beobachtet und betroffene Sportler eingeladen, sich zu dem Thema auszutauschen und der Frage auf den Grund zu gehen: "Rassismus im Leistungssport - (k)ein Thema?"

Die Antwort war sehr schnell klar. Es ist ein Thema. Sogar ein großes, über das aber wenig gesprochen wird. Dabei geht es auch, aber nicht immer um vom Gegenüber gewollte Beleidigung oder Diskriminierung, wie etwa in klar rassistischen Posts in den Sozialen Medien.

"Rassismus ist nicht immer laut"

Da sind auch das ständige "mal die Haare anfassen" wollen, die ewige Herkunfts-Frage oder die lapidar formulierte Erklärung für sportlichen Erfolg in bestimmten Disziplinen: Ist ja klar, liegt an der Hautfarbe. "Dabei muss ich genauso hart arbeiten wie alle anderen, um weit zu springen", betonte Luzolo.

"Rassismus ist nicht immer laut, das ist nicht immer etwas böse Gemeintes, das dir jemand mitten ins Gesicht sagt", erklärte die Leichtathletin, die sich als einzige schwarze Athletin in einer weißen Trainingsgruppe oft nicht wohl fühlte. "Wo kann ich jetzt hin und meine Seele ausheulen?", habe sie sich oft gefragt, wenn ihr mal wieder der alltägliche Rassismus zu schaffen machte, der vor allem von Weißen kaum wahrgenommen wird.

Engagierte Hockey-Nationalmannschaft

Auch Nike Lorenz engagiert sich in der Rassismus-AG. Sie wurde dazu gebeten, weil sie sich in einem Blog auf ihrer Homepage und über den Instagram-Account der deutschen Hockey-Nationalmannschaft der Damen (Danas) in verschiedenen Beiträgen ganz klar gegen Rassismus im Sport positioniert - und dort auch Yasmin Kwadwo das Wort gegeben hat.

"Ich bin weiß und in einem elitären Sport", sagte Lorenz dem ZDF: "Aber mit den Danas haben wir eine große Reichweite. Wir sprechen viele Leute an, bei denen ich davon ausgehe, dass sie einen großen Einfluss auf das Leben anderer Menschen haben. Wenn ich diese Leute dazu bekomme, über Rassismus nachzudenken, ist das ein guter Anfang."

Denn Nike Lorenz ist überzeugt: "Bei allen Problemen unserer Zeit sind die Privilegierten diejenigen, die am meisten verändern können. Sie sitzen auf den mächtigsten und einflussreichsten Positionen."

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