Sie sind hier:

Sinti und Roma im Sport - Abseits im eigenen Land

Datum:

Der weltweite Roma Day erinnert daran, dass Sinti und Roma heute noch in ganz Europa diskriminiert werden. Auch im Sport. Nur wenige Sportler*innen bekennen sich zu ihrer Herkunft.

Fans von RB Leipzig am 08.04.2017 mit einenm Transparent: "Zigeuner ist kein Fangesang - Antiziganismus bekämpfen."
Fanprotest in Leipzig gegen Antiziganismus (Archivbild).
Quelle: Imago

Am heutigen Roma Day wird weltweit mit Aktionen auf die Kultur, die Geschichte und die aktuelle Situation der Roma aufmerksam gemacht. Das Datum erinnert an den ersten Welt-Roma-Kongress, der vor fünfzig Jahren am 8. April 1971 stattfand. 

Roma-Weltauswahl wäre mit Stars gespickt

Als eine wirkungsvolle Aktion könnte man sich den Auftritt einer Fußball-Weltauswahl vorstellen, die ausschließlich aus Spielern besteht, die in ihren Heimatländern zu der Minderheit gehören, die weltweit unter dem Begriff Roma zusammengefasst werden und die sich bei uns als deutsche Sinti und Roma bezeichnet.

Es wäre eine illustre Mannschaft, gespickt mit Weltstars und Weltmeistern, aktiven und ehemaligen. Dass sie nicht zustande kommt, hat nichts mit mangelndem Engagement zu tun, sondern damit, dass die meisten von ihnen ihre Herkunft nicht öffentlich machen.

Wenige Informationen, viele Vorurteile

Möglicherweise, weil sie ihre Privatsache ist, die sie nicht der Mitteilung für wert erachten. Aber vor allem, weil Roma, Sinti, Gitanos, Kale, Manouche oder welcher Gruppe sie auch immer angehören, noch immer in ganz Europa diskriminiert werden. Auch im Fußball, in den Kurven und Logen gibt es Antiziganismus, wie diese Form des Rassismus genannt wird.

Über keine anderen Minderheiten verfügt die Bevölkerung über so wenig Informationen, glaubt aber zugleich, so viel Negatives zu wissen,

sagt der ehemalige Boxer Oswald Marschall. "Die Vorurteile halten sich hartnäckig und führen dazu, dass sich bis heute auch im Sport kaum Prominente zu ihrer Zugehörigkeit zu der Minderheit bekennen."

"Vergessene Helden"

So sind es nur ein paar Spitzen-Fußballer, deren Roma-Herkunft allgemein bekannt ist, wie die des Portugiesen Ricardo Quaresma und die von Jesus Navas vom FC Sevilla.  Drei "vergessene Helden" des Sports in Deutschland präsentiert die Wander-Ausstellung "Abseits im eigenen Land" von Andrzej Bojarski: den ehemaligen HSV-Spieler Walter Laubinger, den Mannheimer Sergio Peter, der für Blackburn Rovers in der Premier League spielte und Oswald Marschall.

Als Mitglied der Box-Nationalmannschaft war es Marschalls größter Traum, in Montreal 1976 als erster Sinto für Deutschland bei Olympischen Spielen anzutreten. Nach seiner Ausbootung beendete er enttäuscht mit 22 Jahren die Karriere. "Kein Trainer hat sich mit mir in Verbindung gesetzt, kein Funktionär hat jemals mehr nach mir gefragt", schreibt Marschall in seiner Biografie. Heute trainiert er in Minden selbst junge Boxer und ist unter anderem stellvertretender Vorsitzender des Dokumentation- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma.

"Undeutsches Boxen"

Boxen hat bei den Sinti und Roma Tradition. Der Hannoveraner Johann Wilhelm Trollmann wurde 1933 deutscher Meister im Halbschwergewicht, mit einem Stil, den die Reporter "Faustfechten" nannten. Die nationalsozialistischen Funktionäre sahen darin "undeutsches Boxen" und erkannten ihm den Titel wieder ab. "Rukeli" Trollmann wurde später im KZ Neuengamme ermordet.

Insgesamt fielen 500.000 Sinti und Roma dem nationalsozialistischem Völkermord zum Opfer. An führender Stelle wirkte der ehemalige DFB-Präsident Felix Linnemann daran mit. Als SS-Obersturmbannführer und Kriminaldirektor in Hannover war er persönlich für die Deportation von mehreren hundert Sinti und Roma nach Auschwitz verantwortlich.

Die Sprache der Nazis

Romani Rose, der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, sagte am Erinnerungstag des deutschen Fußball 2020 im Mainzer Stadion:

Wenn ich die Beleidigungen in den Stadien höre, wenn sich die Fankurven gegenseitig als 'Zigeuner' beschimpfen, dann bedienen sie sich der Sprache der Nazis, die die Angehörigen unserer Minderheit unter dieser Bezeichnung verfolgt, entrechtet und ermordet haben.

Rose weiter. "Dann ist eine Grenze überschritten. Das ist nicht hinnehmbar, nicht zu entschuldigen. Wer das Vokabular der Nazis benutzt, muss wissen, wohin es geführt hat."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.