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Rudern - EM : Deutschland-Achter: Sehnsucht nach Wettbewerb

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Der Deutschland-Achter freut sich auf einen ersten Härtetest. Und auf Olympia in Tokio. Trotz drohender Einschränkungen. Mehr Sport und weniger Event wäre den Ruderern recht.

Die Ruder-EM wird in Varese/Italien auf dem Lago di Varese ausgetragen. Die Finals kommentiert Norbert Galeske.

Beitragslänge:
107 min
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Sie haben allen Grund, zuversichtlich zu sein. Drei WM- und vier EM-Siege in Folge sind eine klare Sache. Und doch fährt ein bisschen Unsicherheit mit, wenn die Ruderer des Deutschland-Achters sich von Freitag bis Sonntag bei der EM im italienischen Varese der Konkurrenz stellen. Ob sie nach einem Jahr Corona-Pandemie und entsprechend eingeschränkten Trainings- und Wettkampfmöglichkeiten so fit sind wie in den letzten Jahren? "Wir wissen es nicht", gesteht Bugmann Johannes Weißenfeld.

Die EM in Italien ist daher eine sehr willkommene Bewährungsprobe. Die Engländer, Holländer und Rumänen seien sehr starke Konkurrenten, sagt Weißenfeld: "Wenn wir da eine Duftmarke setzen können, zeigt das auch den Überseenationen, dass sie mit uns rechnen müssen. Die werden die EM natürlich verfolgen."

Schlagmann Hannes Ocik ergänzt:

Nach gefühlt eineinhalb Jahren, die wir jetzt durchtrainiert haben, brennt es uns unter den Fingernägeln. Es ist gut, dass wir wieder Rennen fahren können.
Deutschland-Achter Schlagmann Hannes Ocik

Vorfreude auf "Schönwetter-Rudern"

Im vergangenen Jahr verhinderte die Corona-Pandemie nach dem schweißtreibenden Wintertraining und der wie üblich knallharten internen Ausscheidung um die Rollsitze im Achter den ersehnten Start ins "Schönwetter-Rudern". So nennt Richard Schmidt, neben Steuermann Martin Sauer der einzige noch in der Crew verbliebene Olympiasieger von 2012, die Zeit im Jahr, in der das Rudern wieder mehr Spaß macht und Wettbewerbe anstehen. Der Vergleich mit den anderen Top-Nationen ist es schließlich, der die Männer im langen, dunklen Winter durchhalten lässt.

2020 sollte ein Olympiajahr sein, doch dann gab es nur einen einzigen Wettbewerb: die EM in Polen. Der Deutschland-Achter siegte standesgemäß vor Rumänien und den Niederlanden. Allerdings fehlte mit England das Boot, das die Deutschen 2016 in Rio um den Olympiasieg brachte. Wie hat es der ärgste Konkurrent durch die Pandemie geschafft? Die EM soll ein bisschen Klarheit bringen und zeigen, was bis zu den verschobenen Olympischen Spielen im Sommer in Tokio noch zu tun ist.

Athleten rechnen mit Olympia im Sommer

Dass diese mit einem Jahr Verspätung nun auch wirklich stattfinden werden, davon gehen die Ruderer aus. Alles andere wäre für sie und viele andere Spitzensportler ein Desaster. Denn eine weitere Verschiebung hält niemand für realistisch, dazu ist der Wettkampfkalender 2022 zu voll mit Weltmeisterschaften - wie üblich in einem geraden Jahr zwischen Olympischen Spielen. Und man würde zu nah an Olympia 2024 in Paris heranrücken.

Die Einschränkungen in Tokio werden drastisch sein, die Spiele nicht vergleichbar mit vergangenen. Ausländische Zuschauer werden nicht zugelassen, so viel steht fest. Und nach allem, was bisher von den Plänen der Organisatoren bekannt ist, werden die Athleten zwischen Trainings- und Wettkampfblase wechseln. Gemeinsame Essen in der Mensa des Athletendorfs (sonst das Highlight zum Sehen und Gesehen-Werden) wird es ebenso wenig geben wie Besuche der verschiedenen Arenen, um den Athleten anderer Sportarten bei ihren Wettbewerben zuzusehen.

Weißenfeld: Vielleicht wieder mehr Sport im Fokus

Klingt nicht schön, stört aber etwa Weißenfeld wenig: "Ich weiß, wie es in Rio war. Es war laut, viele Leute haben nur gefeiert, es ging in erster Linie um Werbung, Geld und alles Mögliche. Ich hatte wenig das Gefühl, dass der Sport im Vordergrund steht", sagt der 26 Jahre alte Medizinstudent.

Er war damals Ersatzfahrer und hatte den Blick geschärft für das Drumherum. Für Tokio hofft er:

Vielleicht zählt diesmal die sportliche Leistung wieder mehr. Vielleicht wird Olympia wieder ein Wettkampf für Sportler und nicht für Firmen, reiche Menschen und Werbepartner.
Johannes Weißenfeld, Bugmann

Denn: "Ich will da nicht wegen des Mega-Events hin. Ich will da hin, um den höchsten sportlichen Wettkampf zu gewinnen, den es zu gewinnen gibt."

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