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Chaos im Deutschen Rugby-Verband - Vorwürfe um Machtmissbrauch und Dementis

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Explosive Vorwürfe gegen einen Rugby-Topfunktionär sorgen für Aufsehen. Der Verband dementiert, der Nationalmannschafts-Kapitän relativiert - es droht ein Riss im deutschen Rugby.

Rugby
Es herrscht Unfrieden im Deutschen Rugby-Verband.
Quelle: imago

Der Rugbysport gilt unter seinen Anhängern und Aktiven als besonders fair, doch davon spürt man aktuell wenig. Zwei Ex-Nationalspieler und ein anonymer Whistleblower erheben schwere Vorwürfe gegen den Sportdirektor des Verbandes.

Schwere Vorwürfe gegen Sportdirektor Wilhelm

In einer Reihe von Berichten, die beim SWR, im "Spiegel" sowie in der ARD-Sportschau veröffentlicht wurden, werfen Christopher Korn und Rafael Pyrasch dem amtierenden Sportdirektor Manuel Wilhelm schweres Fehlverhalten vor.

Wilhelm agiere mit Einschüchterungen, Erpressungen und pflege einen fragwürdigen Umgang mit öffentlichen Fördermitteln. Ein anonymer Whistleblower aus dem Team beklagt eine "Kultur der Angst". Wilhelm beanspruche Teile der Athleten-Förderung für dubiose Zwecke, so ein weiterer Vorwurf.

Anonyme Umschläge mit privaten Chatverläufen

In den Berichten wurde auch aus privaten Chatverläufen zwischen Funktionär Wilhelm und Ex-Nationalspieler Pyrasch zitiert, die nahelegen, dass der Sportdirektor den mittlerweile als Trainer tätigen Pyrasch zur Falschabrechnung angestiftet habe.

Pyrasch selbst will sich auf Anfrage von ZDFsport nicht weiter zu den Zusammenhängen äußern und verweist auf die bisherigen Berichte - auch Wilhelm hat sich bisher nicht öffentlich zu den Anschuldigungen geäußert.

Manuel Wilhelm
Sieht sich Vorwürfen ausgesetzt: DRV-Sportdirektor Manuel Wilhelm
Quelle: imago

Bereits Tage zuvor hatte jemand dem langjährigen Präsidenten des deutschen Rugby-Verbands Claus-Peter Bach diesen privaten Chatverlauf ausgedruckt und per unmarkiertem Briefumschlag ohne Absender zukommen lassen, wie Bach gegenüber ZDFsport erläutert.

Rugby-Verbandsspitze weist Kritik von sich

Die Verbandsspitze reagierte noch am Freitag mit einem Statement, wenige Stunden nach der Veröffentlichung der Berichte und wirkte trotz der raschen Reaktion unbeholfen und wenig souverän. Einerseits betont das Präsidium, dass man offen für Kritik sei, andererseits bewertete das Spitzengremium die Vorwürfe bereits zu diesem frühem Zeitpunkt als "nicht haltbar".

Zudem mussten zwei Namen von Präsidiumsmitgliedern nachträglich von der Liste der Unterzeichner genommen werden, da sich diese mit der "überhasteten" Erklärung nicht einverstanden zeigten. Der Kapitän der Nationalmannschaft hingegen, Carlos Soteras Merz, stellte sich voll hinter Sportdirektor Wilhelm.

Aktive Spieler sprechen von "Leistungsdruck"

Soteras Merz betont in seiner Stellungnahme, dass den aktiven Spielern kein Fall bekannt sei, in dem Fördermittel gegen den Willen der Spieler abgegeben worden seien. Vielmehr habe man mannschaftsintern Geld gesammelt, um Spieler zu unterstützen, die nicht von der Spitzensportförderung profitierten.

Hintergründe zu den Beteiligten

Sein Teamkollege Robert Haase, ebenso Teil der Mannschaft im olympischen Siebener-Rugby, die 2019 den EM-Titel holte, pflichtet Soteras Merz bei. "Ich kann die gegenwärtigen Anschuldigungen in den aktuellen Berichten in keiner Weise bestätigen", so Haase gegenüber ZDFsport.

Vielmehr betonen beide, dass es Leistungsdruck gebe, das aber zum Erfolg des Teams beigetragen habe, das zuletzt große Rugby-Nationen wie Irland und England hatte schlagen können. Zudem bemängeln Kapitän Soteras Merz und Haase, dass sie im Vorfeld zu dieser Berichterstattung nicht befragt worden seien.

Verband beruft Ethik-Kommission ein

Nachdem die Fronten zunehmend verhärtet scheinen, glaubt Ex-Präsident Bach nicht an eine schnelle Lösung.

Ich denke nicht, dass wir dieses Problem Rugby-intern lösen können.
Claus-Peter Bach, ehemaliger DRV-Präsident

Der DRV ist mittlerweile von seiner Position abgerückt, laut der die Vorwürfe haltlos seien und hat Henric Lewkowitz damit beauftragt, eine unabhängige Ethik-Kommission zur Untersuchung der Vorwürfe zu gründen.

Lewkowitz wird in Rugby-Kreisen respektiert und soll bis zum Deutschen Rugby-Tag im Juli die Vorwürfe genauer unter die Lupe nehmen. Bis dahin drohen weitere Grabenkämpfe in der deutschen Rugby-Familie.

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