Carlsen gegen Teenager Niemann: Bizarre Fehde am Schachbrett

    Carlsen gegen Niemann:Bizarre Fehde am Schachbrett

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    Der Weltmeister spielt gegen einen Teenager - und plötzlich läuft die Sache aus dem Ruder: Das Duell Magnus Carlsen - Hans Niemann versetzt die Schachwelt in Aufregung.

    Magnus Carlsen bei der Schach-Olympiade 2022 in Mahabalipuram, Indien
    Magnus Carlsen - hier bei der Schach-Olympiade 2022 - wurde im Dezember 2021 mit dem Sieg über Jan Nepomnjaschtschi zum fünften Mal Weltmeister.
    Quelle: epa/Idrees Mohammed

    Das Spiel der Könige liefert seit Montag viel Stoff für den Boulevard, und es ist alles etwas unübersichtlich geworden. Im Kern geht es um den möglicherweise größten Schach-Skandal seit Jahren.

    Carlsen deutet Betrug an

    Im Zentrum stehen Superstar Magnus Carlsen und ein junger Herausforderer, der 19-jährige US-Amerikaner Hans Niemann. Begonnen hatte alles Anfang September mit einer seltenen Niederlage des Weltmeisters aus Norwegen. Carlsen verlor in St. Louis völlig unerwartet gegen Niemann, ein Aufsteiger und Querkopf der Szene. "Es muss peinlich für den Weltmeister sein, gegen einen Idioten wie mich zu verlieren", sagte Niemann damals nach der Partie und fügte hinzu: "Er tut mir leid".
    Peinlich oder nicht, wenig später zog sich Carlsen aus dem Turnier zurück, beinahe wortlos. Via Twitter verkündete er dies knapp und stellte dazu lediglich das kurze Video eines berühmten Interviews mit dem Fußballtrainer Jose Mourinho: "Ich ziehe es vor, nichts zu sagen. Wenn ich etwas sage, gerate ich in große Schwierigkeiten, und ich möchte nicht in große Schwierigkeiten geraten."

    Nach einem Zug: Carlsen schmeißt hin

    Das Wort Betrug nahm Carlsen bis heute nicht öffentlich in den Mund, geredet wird nun aber viel über Niemann und mögliche Betrügereien.
    Am Montag ist diese Fehde in die nächste Runde gegangen: Bei einem hochkarätig besetzten Online-Turnier trafen beide erneut aufeinander - und schon nach einem Zug beendete Carlsen das Spiel kommentarlos, offenbar im Protest. Am Rande des Online-Turniers waren die Reaktionen von Experten heftig. Der ungarische Großmeister Peter Leko zeigte sich "sprachlos", Maurice Ashley, US-Großmeister, twitterte: "Das ist schockierend und beunruhigend. Niemand kann glücklich damit sein, dass das in der Schachwelt passiert. Unglaublich!"

    Experten empört über Carlsen

    Aus Sicht der Internationalen Meisterin Jovanka Houska, Kommentatorin bei dem Turnier, habe Carlsen "mehr Öl ins Feuer gegossen. Er kann nicht einfach sagen: "Ich glaube, du hast betrogen" und damit eine Hexenjagd provozieren. Er muss sagen: Hier ist mein Beweis."
    Besonders fruchtbar sind diese Spekulationen, weil der US-Amerikaner im Alter von 16 Jahren bei virtuellen Turnieren betrogen hatte und dies auch zugibt. Die Veranstalter in St. Louis allerdings hielten sich an alle Richtlinien und prüften jeden Teilnehmer gründlich. Es liegen keine Anhaltspunkte auf ein Vergehen Niemanns vor.

    Wilde Spekulation: Funksignale via Vibrator?

    Hier übernahm allerdings die weltweite Schach-Community. Eric Hansen etwa, Großmeister aus Kanada, sprach öffentlich über die Möglichkeit, mithilfe von ferngesteuerten Vibratoren Signale zu empfangen, um die nächsten Züge zu planen.
    So oder so, Niemann sieht sich mittlerweile dazu gezwungen, sich zu verteidigen. "Wenn ich mich komplett nackt ausziehen soll, dann tue ich das", sagte er zuletzt, "ich weiß, dass ich sauber bin."
    Das Online-Turnier läuft noch bis zum Ende der Woche. Carlsen und Niemann nehmen weiterhin teil.
    Quelle: SID
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