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Profi- und Amateurfußball - Der Kampf der Schiedsrichter um Respekt

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Schiedsrichter im Fußball spüren gesellschaftliche Fehlentwicklungen unmittelbar. Immer weniger Männer und Frauen wollen diesen Job an der Basis machen.

Fußball-Bundesliga, Eintracht Frankfurt - FC Augsburg: Schiedsrichter Harm Osmers (rechtes) wird nach dem Abpfiff von den Frankfurtern Ajdin Hrustic, Christopher Lenz und Makoto Hasebe (von links) bedrängt
Oft gesehen und schlechtes Vorbild: Spieler bedrängen Schiedsrichter. Hier reklamieren die Frankfurter Ajdin Hrustic, Christopher Lenz und Makoto Hasebe (von links) bei Harm Osmers.
Quelle: Arne Dedert/dpa

Eines hat Schiedsrichter Deniz Aytekin mit seiner Gelb-Roten Karte im Topspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund (1:0) am vergangenen Samstag ja erreicht: eine grundsätzliche Debatte über Respekt in der Beziehung zwischen Schiedsrichter und Spielern.

Viel diskutierte gelb-rote Karte für Dahoud

Aytekin hatte mit der zweiten Gelben Karte für Mo Dahoud, der einen Pfiff Aytekins mit einer abwertenden Geste quittierte, "ein Zeichen setzen" wollen. Seitdem wurden Pro und Contra seiner Handlung in allen Facetten ausgetauscht.

Deniz Aytekin nach dem Spiel Mönchengladbach - Dortmund: "Kein Respekt gegenüber unserer Arbeit."

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Das allein weckt Sensibilität fürs Hauptanliegen. "Sei fair zum 23. Mann", heißt eine Kampagne des DFB. Ein Leitspruch, der nicht oft genug wiederholt werden kann. Bevor es in die zweite Länderspielpause der Saison geht, steht am siebten Bundesliga-Spieltag das Verhalten aller Beteiligten im Blickpunkt.

Der Schiedsrichter - Blitzableiter und Buhmann

Lutz-Michael Fröhlich, Sportlicher Leiter der Elite-Schiedsrichter, hat erst zu Saisonbeginn in der "Schiedsrichter-Zeitung" festgehalten, dass die häufige öffentliche Schelte an den Schiedsrichtern einem gesamtgesellschaftlichen Phänomen geschuldet sei:

Es dominiert das Negative, Schuldige werden gesucht, und die Leute sind nur noch selten bereit, Stärken und Schwächen gegeneinander abzuwägen.
Lutz-Michael Fröhlich


Ein heikler Punkt: Wenn sich 22 Protagonisten auf dem Platz begegnen, spüren Referees wie kaum andere auch gesamtgesellschaftliche Strömungen. Im Amateurbetrieb ist das noch viel ausgeprägter als bei den Profis. Dort ist der Unparteiische oft genug der Blitzableiter für Frust und Unzufriedenheit. Der 23. Mann ist für viele nur der Buhmann.

Der Berliner Amateurverein Friedenauer TSC stellt den Schiedsrichtern Sicherheitspersonal zur Seite - als Zeichen gegen die immer wieder aufflammende Gewalt gegen die Unparteiischen.

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Schiedsrichter-Streik in Berlin

Gesunken ist die Hemmschwelle, gegenüber Schiedsrichtern körperliche und verbale Gewalt auszuüben, weshalb sich im Herbst 2019 die Berliner Schiedsrichter zu einer einmaligen Aktion entschlossen: Sie traten in einen Streik.

Mehr als 1.000 Amateurspiele mussten abgesagt werden. Seitdem beschäftigt der Berliner Fußball-Verband mit der Sportpsychologin Theresa Hoffmann eine Fachkraft im Bereich Gewaltprävention.

Fußball ist noch immer ein Spiegel der Gesellschaft. Und unsere Gesellschaft zeigt, dass wir uns in vielen Dingen weiterentwickeln müssen, um unser Miteinander zu verbessern.
Sportpsychologin Theresa Hoffmann

Die Bundesliga hat dabei eine Vorbildfunktion: Schlechtes Benehmen wird von Kindern und Jugendlichen gerne nachgeahmt.

Nur noch knapp 57.000 Schiedsrichter gemeldet

Der Nebenjob des Schiedsrichters wird deshalb zunehmend unattraktiv: Waren zum 1. Januar 2011 noch 78.455 gemeldet, kamen bei der letzten Erhebung des DFB zur Saison 2019/2020 nur 56.680 Schiedsrichter zusammen.

Im Vergleich zu 2018/19 vermeldete der Verband einen Rückgang um 4.796 Schiedsrichter (rund 8,5 Prozent). Neu ausgebildet wurden in jener Spielzeit nur 3.239 Unparteiische.

In den unteren Ligen das Leben leichter machen

Setzt sich dieser Trend fort, drohen alarmierende Zustände auf den Amateurfußballplätzen. Wie sich die Lage nach der Corona-Pandemie entwickelt, ist schwer abzuschätzen. Doch braucht es eine Strategie, besser miteinander auszukommen.

DFB-Schiedsrichterchef Lutz Michael Fröhlich im Interview mit Sebastian Ehm über das striktere Durchgreifen bei Unsportlichkeiten, den Platzverweis von Gladbachs Alassane Pléa sowie den Umgang mit Schiedsrichtern im deutschen Fußball.

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Sportpsychologin Theresa Hoffmann unterbreitete den Vorschlag, dass die Schiedsrichter pünktlich am Spielort erscheinen, Smalltalk mit dem Platzwart, Trainer und Spielern halten, um vorab zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen und ein Fußballspiel auf Augenhöhe zu durchlaufen.

Kollege Schiedsrichter

Hier kann auch die Bundesliga als Vorbild dienen. Der kollegiale Umgang, den beispielsweise der Ex-Schiedsrichter Manuel Gräfe pflegte, gilt als beispielhaft. Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich merkte zuletzt an: "Die Erhaltung der Schiedsrichter ist von grundlegender Bedeutung. Und deshalb müssen wir 98 Prozent der Schiris in den unteren Ligen das Leben leichter machen."

Wenn Aytekin und Kollegen es schaffen, einen respektvollen Umgang in der höchsten Spielklasse zu verankern, wäre also viel gewonnen.

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