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Das Duell Mensch gegen Seelöwe

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Dauerschwimmen: Ostern 1928 - Das Duell Mensch gegen Seelöwe

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Im April 1928 trat der Husumer Schwimmer Otto Kemmerich gegen einen kalifornischen Seelöwen an – in einem Manege-Bassin eines Hamburger Zirkus. Eine Sportgeschichte zum Osterfest.

Postkarte: Otto Kemmerich mit Seelöwe Leo
Postkarte: Otto Kemmerich mit Seelöwe Leo
Quelle: ZDF/Sammlung Eggers

Im Sommer 1927, Otto Kemmerich war gerade durch den Öresund geschwommen, von Malmö nach Kopenhagen, kam wieder diese Frage. Ob er sich da draußen nicht einsam fühle? Nein, antwortete Kemmerich. Und außerdem: "Es schwimmt ja niemand mit." Wenn er dies überhaupt bedauere, dann nur deshalb, "weil ich beim Alleinschwimmen nichts als meine Uhr zum Maßstab habe. Der Anreiz, noch größere Leistungen herauszuholen – sagen wir: die Konkurrenz – fehlt."

Kemmerich will Weltrekord zurück

Vor diesem Hintergrund entstand kurz darauf die schrille Idee, Kemmerich, dem der Ruf eines "Wunderschwimmers" vorauseilte, einen Seelöwen an die Seite zu stellen. Wer kann länger schwimmen: Mensch oder Tier? Das war die eine Frage, die nun die Sensationspresse beschäftigte. Kemmerich ging es mehr darum, den Weltrekord im Dauerschwimmen, den ihm die US-Athletin Lotti Schoemmel in Miami entrissen hatte, auf 50 Stunden auszubauen.

Im Winter 1928 trainierte Kemmerich also in Hamburg mit "Leo", einem zweijährigen kalifornischen Seelöwen, den er von einem Hamburger Zirkus erworben hatte – und er trommelte fleißig für sein Projekt. Sogar die New York Times berichtete am 29. Januar 1928, Kemmerich habe sich einen Seelöwen als "Pacemaker" organisiert, um am Osterfest 1928 den Weltrekord wieder an sich zu reißen.

Öffentliches Training vor Zuschauern

Kemmerich trainierte vor Ostern 1928 öffentlich: in der kleinen Badeanstalt der Reichardt-Werke, einer Kakaofabrik in Wandsbek, die zugleich als Sponsor fungierte. Jeden Sonntag schwamm er dort vor Publikum zwölf Stunden lang mit dem Seelöwen Leo, mit dem er sich bald angefreundet hatte.

Schauplatz des Weltrekordversuchs, der am 9. April 1928 begann, war ein Manege-Bassin im Zirkus Busch, das einen Durchmesser von rund neun Metern besaß. Beworben durch riesige Plakate an Litfaß-Säulen und durch Zeitungsberichte, kamen Tausende Besucher, um das Duell zu sehen. Ein Zoologe vom Tierpark Hagenbeck beobachtete den Seelöwen, ein Mediziner den Schwimmer.

Seelöwe schläft am Beckenrand ein

Nach 27 Stunden versuchte Leo, sichtlich ermüdet, mehrfach aus dem Bassin zu springen. Später sank er auf den Boden, um auszuruhen. Nach 42 Stunden färbten sich, so die Berichte, die Flossen des Seelöwen hellgrau, weshalb der Zoologe das Experiment beendete. Leo schlief am Beckenrand sofort ein.

Kemmerich trank Mokka und Kakao, er aß Früchte und gebratene Eier, aber auch er hatte mit dem Schlaf zu kämpfen und tastete sich oft mit den Händen am Bassin entlang. Als er zu halluzinieren begann und davon sprach, Warnemünde unbedingt erreichen zu wollen, wurde auch der Schwimmer gestoppt. Er war über 46 Stunden geschwommen. Neuer Weltrekord. Als Kemmerich aus dem Wasser stieg, berichtete die New York Times, habe er sich zum Seelöwen gelegt und Seite an Seite mit ihm geschnarcht.

Otto Kemmerich und die Mensch-Tier-Duelle

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