ZDFheute

Vettel: Letzter Ausweg Red Bull?

Sie sind hier:

Formel 1 - Vettel: Letzter Ausweg Red Bull?

Datum:

Viel Kritik gab es für Sebastian Vettel nach seinem Fehler beim Formel-1-Auftakt in Spielberg. Aber bekommt er bei Ferrari überhaupt noch eine faire Chance? Und wie geht es weiter?

Sebastian Vettel beim Training zum Großen Preis von Österreich am 3. Juli 2020
Sebastian Vettel fuhr beim Rennen in Österreich auf Platz 10.
Quelle: reuters

Sebastian Vettel hat offenbar jegliches Vertrauen in Ferrari verloren. Seinen Dreher beim Saisonauftakt der Formel 1 in Spielberg will er zwar nicht entschuldigen ("Das darf mir nicht passieren"), aber er sagt auch immer wieder: Sein Auto, in dem er im Training in Spielberg noch schneller als Teamkollege Charles Leclerc gewesen war, sei im Laufe des Wochenendes aus unerfindlichen Gründen immer schlechter geworden, fast unfahrbar. Was ja auch Inboard-Videos bestätigen.

Zweierlei Maß bei Ferrari?

Zumindest der Gedanke, ob da noch alles mit rechten Dingen zugehe, scheint bei ihm präsent zu sein. Ob zu Recht oder zu Unrecht. Normalerweise ist es natürlich unwahrscheinlich, dass ein Team einen Fahrer absichtlich benachteiligt. Andererseits soll nach Insiderinformationen genau dies bei zwei Teams in den letzten Jahren passiert sein:

Nachdem beim damaligen Sauber-Team, heute Alfa Romeo, die schwedischen Unterstützer von Marcus Ericsson aus der Tetra-Pack-Dynastie eingestiegen waren und das Team aus größten finanziellen Schwierigkeiten gerettet hatten, klagte Ericssons brasilianischer Teamkollege Felipe Nasr, sonst immer der Schnellere, mehr als einmal über ein von einem Tag auf den anderen völlig verändertes Auto. Ein damals beteiligter Mechaniker, heute nicht mehr in der Formel 1, behauptete kürzlich in einem Online-Forum, dass damals manipuliert worden sei.

Über Monate mit instabilem Flügel

Pascal Wehrlein ging es ein Jahr später offenbar als Ericssons Teamkollege bei Sauber nicht viel besser. Die Differenzen um die Gleichbehandlung der Fahrer sollen auch bei der überraschenden Kündigung von Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn eine Rolle gespielt haben. Sie hatte darauf bestanden, das Wehrlein-Auto in allen Details zu vermessen.

2012 bei Williams musste Bruno Senna über Monate mit einem völlig instabilen Frontflügel fahren, Onboard-Aufnahmen zeigten das deutlich. Teamkollege Pastor Maldonado, mit 30 Millionen Euro Sponsorgeldern im Gepäck, musste unbedingt behalten werden, aber man brauchte für 2013 einen Platz für Valtteri Bottas, den Schützling von Toto Wolff, damals noch Williams-Anteilseigner.

Vettel: "Racing ist mein Leben"

Sollte sich Vettels Überzeugung verfestigen, dass ihm ähnlich mitgespielt wird, dürfte er die Saison bei Ferrari eigentlich gar nicht mehr zu Ende fahren. Und dann, 2021?

Von den drei Alternativen für 2021 - Weiterfahren, ein Jahr Pause einlegen oder ganz aufhören - scheint Vettel die mittlere nicht wirklich in Betracht zu ziehen. Eigentlich würde er ja wohl schon gerne weiter machen: "Wichtig ist aber ein Umfeld zu finden, das passt."

Racing ist mein Leben, mir macht das Fahren immer noch sehr, sehr viel Spaß.
Sebastian Vettel

Die Frage ist das "wo". Bei Mercedes besteht keine Chance. Die einzige logische Antwort ist Red Bull - ein Auftritt am Montag beim Haussender der Bullen, "Servus TV", wirkte schon fast wie ein Bewerbungsschreiben. Auffällig, wie sichtlich wohl er sich in seinem alten Umfeld fühlte.

Red Bull hält sich bedeckt

Mit Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko hat er in den vergangenen Wochen oft gesprochen. Der hatte kürzlich, bei "F1-Insider.com", die Tür einen kleinen Spalt aufgemacht: "Derzeit haben wir mit unseren beiden Fahrern einen Vertrag. Das ist der Stand der Dinge. Aber in der Formel 1 kann sich auch mal schnell was ändern."

Bei Teamchef Christian Horner klingt das so: "Seb braucht ein gutes Umfeld, das ist wichtig für ihn. Bei uns hatte er das. Aber es ist jetzt schwierig für uns, ihm zu helfen, weil wir nicht dachten, dass er auf dem Markt sei und von Ferrari so behandelt werden würde." Am Freitag ruderte Horner dann zurück: Auf die Frage nach Vettel gebe Red Bull "ein definitives Nein, fürchte ich", sagte der Engländer bei Sky Sports News: "Ich denke, Sebastian weiß das - nun, er weiß es."

Es geht um das zweite Cockpit, Alex Albon hat es inne, er ist noch ohne Vertrag für 2021. Dass Horner jetzt zurückrudert, hat taktische Gründe. Denn letztlich werden die Entscheidungen nicht in der Öffentlichkeit, sondern hinter verschlossenen Türen geführt. Max Verstappen jedenfalls würde Vettel neben sich akzeptieren:

Zwei Siegertypen in einem Team können funktionieren.
Max Verstappen

Und Mark Webber, jahrelang Teamkollege Vettels bei den Bullen, forderte sein altes Team schon mal auf: "Worauf wartet ihr noch? Macht endlich!" Das große Problem sind freilich die thailändischen Besitzer von Red Bull, die 51 Prozent der Anteile halten und "ihren" Alex Albon auf keinen Fall für Vettel opfern wollen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.