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Vendée Globe - Herrmann: "Radar hat Boot nicht erfasst"

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Der deutsche Segler Boris Herrmann hat geschlafen, als seine Yacht einen Fischkutter rammte. Das Radar-Signal habe das Boot nicht wahrgenommen, erklärt Herrmann im Interview.

Profi-Segler Boris Herrmann segelt chancenreich bei der Vendée Globe 80 Tage lang auf stürmischen Gewässern um die Welt. Bis er kurz vor dem Ziel von einer Kollision mit einem Fischkutter überrascht wird. Wie hat er das erlebt?

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ZDF: Was war das nun für ein Gefühl für Sie, nach 80 Tagen See wieder an Land zu sein: Schwankender oder fester Boden?

Boris Herrmann: Fester Boden und super schönes Gefühl. Meine Frau, mein Baby, die vielen Freunde, die gekommen sind - ganz, ganz toll. Einer der schönsten Momente überhaupt.

ZDF: Jetzt waren sie auf dem Seeweg ins Glück, kann man so sagen. Sie hätten der erste Nicht-Franzose werden können, der jemals die Vendée Globe gewinnt. Und dann kreuzte das Unglück. Wie haben Sie das erlebt?

Herrmann: Also ich bin plötzlich konfrontiert mit diesem Zusammenstoß und ich gucke hoch an einer Wand von diesem Fischerboot. Mein Boot klebt an denen dran, wird vom Wind dagegen gedrückt und von den Wellen dagegen geworfen, wird stark beschädigt.

Ich bin auf bestem Wege, eine richtig gute Position im Rennen zu machen. Und auf einmal geht es darum, dass ich mein Boot sichere, dass wir überhaupt ins Ziel kommen.

Und das hat so viel Adrenalin freigesetzt, dass ich erstmal in voller Aktion war, voller Aktivität, mein Boot zu reparieren, zu sichern. Und danach war ich komplett erschöpft, habe geschlafen. Und als ich aufgewacht bin, habe ich gesagt: Ich bin einfach nur glücklich, dass ich noch im Rennen bin.

Die Vendée Globe ist die wohl anspruchsvollste Einhandregatta der Welt mit Start und Ziel an der französischen Atlantikküste. Kurz vor dem Ziel stieß der Deutsche Segler Boris Herrmann mit einem Fischkutter zusammen und verpasste so die Siegertreppe.

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ZDF: In dem Moment, als das passiert ist, haben Sie geschlafen oder waren Sie wach?

Herrmann: Nein, ich habe geschlafen. 15 Minuten. Ich habe mir das im Data Lock angeguckt und ich kann da auch zurückspulen, was mir die Instrumente anzeigen. Und ich hatte tatsächlich keine Alarme. Mein Radar hat am Start alle Schiffsbegegnungen, die ich hatte - an dem Tag 15 Schiffsbegegnungen, Fischerboote, Tanker, Frachtschiffe - immer super gesehen.

Komischerweise hat mein Radar dieses riesige Fischerboot nicht erfasst. Warum, ist mir ein Rätsel.

ZDF: Haben Sie da im Moment mal gedacht: War das wirklich ein Unfall? Warum hatte der Fischer keine Positionslichter?

Herrmann: Nein, natürlich war das einfach Pech. Da ist es für mich Konspiration, zu sagen - da steckt etwas Anderes dahinter. Nein, das ist einfach Pech. Und ich habe ganz viel Glück gehabt in diesem Rennen, auch viel Pech. Ich bin hier, ich bin vielleicht Vierter oder Fünfter, das wissen wir erst, wenn Jean Le Cam am Ziel ist, je nachdem wieviel Zeitunterschied da noch besteht. Und ich bin glücklich.

Es ist eine Riesenherausforderung, dieses Vendée Globe überhaupt zu beenden. Das habe ich geschafft, und da bin ich einfach total dankbar.

Die Vendée Globe ist entschieden: Yannick Bestaven, der als Dritter ins Ziel kam, hat dank Zeitgutschrift gewonnen. Boris Herrmann büßte bei einer Kollision die Siegchancen ein.

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ZDF: Sie hatten ja auch ein Minilabor an Bord, nicht das erste Mal. Was genau ist da herausgekommen?

Herrmann: Wir messen verschiedene ozeanographische Daten: CO2 im Ozean, Wassertemperatur, Salinität et cetera. Aber das Entscheidende ist wirklich dieses CO2, der CO2-Gehalt des Ozeans. Das ist ein Wert, den kann man nicht so leicht messen. Den kann man zum Beispiel nicht vom Satelliten aus messen, nicht von driftenden Bojen, weil man relativ viel Strom braucht für so ein Messinstrument.

Den können wir an Bord bereitstellen über unsere Solarpaneele. Wir können diesen Messwert produzieren in sehr hoher Qualität, so wie auf einer "Polarstern", wie auf einem Top-Forschungsschiff. Und das fließt in die internationalen Datenbanken ein und wird für die nächsten Dekaden und vielleicht sogar über mehr als hundert Jahre immer wieder für die Klimaforschung wichtige Anhaltspunkte liefern, um diese Veränderung im Ozean besser zu verstehen.

ZDF: Sie haben gesagt, Sie hätten immer nur diese 20-Minuten-Schlafrhythmen gehabt. Wie ist das jetzt: Behält man diesen Rhythmus bei?

Herrmann: Heute Nacht ist das wahrscheinlich noch ein bisschen so, aber relativ schnell – ist meine Erfahrung nach solchen Rennen – ist da doch so eine tiefe Erschöpfung, die einem in einen langen komatösen Nachtschlaf verhilft.

Dieser Kurzschlaf ist eine tolle Sache, wenn man auf dem Boot ist, wenn man ständig gebraucht wird, wenn immer wieder Alarme piepen, aber an Land kann ich das auch gerne und schnell hinter mir lassen.

ZDF: Da drücken wir ihnen die Daumen, dass das klappt. Und, Herr Herrmann, viele wissen: Echte Sieger brauchen kein Treppchen. Schön, dass sie wieder an Land sind. Herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Wulf Schmiese.

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