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Sexualisierung im Sport - Athletinnen in der Nackte-Haut-Falle

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Wer Sponsoren will, braucht Follower. Und wer Follower will, veröffentlich am besten sexy Posts. Die deutsche Ruderin Michaela Staelberg will da nicht mehr mitmachen.

Ruderin Michaela Staelberg
Ruderin Michaela Staelberg sagt: "Es ist wichtig, auf die Leute zu hören, die diskriminiert werden, und nicht auf die, die diskriminieren."
Quelle: imago

Es gibt Sätze, die kann Michaela Staelberg nicht mehr hören: "War doch nicht so gemeint", oder "Stell dich nicht so an", oder "ach komm, das hast du jetzt aber falsch verstanden" zum Beispiel. All das bekommt die Ruderin aus Krefeld, bekommen Sportlerinnen überall auf der Welt, immer wieder gesagt, wenn sie aufbegehren gegen Sprüche über ihr Aussehen im Sportdress.

Oder "Ist doch nicht so schlimm", wenn ihnen nicht gefällt, dass Fotos gemacht werden, obwohl das nasse, enge Trikot zu viel Durchblick gewährt oder die Turnübung Körperregionen frei legt, die so ziemlich jeder eigentlich lieber privat hält. Die 26-jährige Staelberg betont:

Eine enges Outfit im Sport bedeutet nicht: Ja, ihr könnt jetzt alle mein Äußeres bewerten.
Michaela Staelberg, Ruderin

"Bikini-Gate" zeigt: Sexismus bleibt präsent im Sport

Bei den Olympischen Spielen in Tokio ist die Doppelvierer-Europameisterin von 2019 als Ersatzfrau der Skullerinnen dabei. Und der Kindernothilfe dient Staelberg als Gesicht der Kampagne "We for safe Sports". Es geht darum, Kindern im Sport eine sichere Umgebung zu schaffen. Denn Sexualisierung, Sexismus und sexualisierte Gewalt sind weiterhin sehr präsent im Sport.

Das zeigen Athletinnen, die das Thema aktuell wieder vermehrt aufgreifen und öffentlich machen. Wie etwa die norwegischen Beach-Handballerinnen, die zuletzt im Spiel um EM-Platz drei, statt der vorgeschriebenen Bikini-Höschen mit maximaler Seitenbreite von zehn Zentimetern etwas längere Sporthosen trugen – und dafür von der Disziplinarkommission der Europäischen Handball-Föderation (EHF) wegen "unangemessener Bekleidung" eine Geldstrafe kassierten.

Interview

Turn-EM | Sarah Voss - Aufbegehren in langen Hosen 

Sarah Voss hat bei den Titelkämpfen in Basel mit ungewohntem Outfit ein Zeichen für mehr Selbstbestimmung gesetzt. Sie will gut aussehen im Wettkampf, sich aber nicht nackt fühlen.

Oder wie die deutschen Turnerinnen, die bei ihrer EM im Vorfeld der Olympischen Spiele mit langen Ganzkörperanzügen antraten. Um zu unterstreichen, dass Athletinnen die Wahl haben sollten, wie viel nackte Haut sie zeigen wollen. Und das zeigen Interviews mit Sportlerinnen, die der Verein Athleten Deutschland im vergangenen Jahr führte. Presse-Referentin Julia Hollnagel erzählt:

In diesen Gesprächen waren Sexismus-Themen für uns überraschend präsent.
Julia Hollnagel, Athleten Deutschland

Problem liegt auch in den Strukturen des Sports

Zudem setzt sich Athleten Deutschland für die Einrichtung eines unabhängigen Zentrums für "Save Sport" ein. Weil es schwierig werden dürfte, das Problem allein innerhalb der Strukturen des Sports zu lösen. Zu familienähnlich seien da oft die Abhängigkeiten, erklärt Hollnagel.

Wenn Athletinnen mit ihrem Sport Aufmerksamkeit erregen oder gar Geld verdienen wollen, müssen sie nicht nur erfolgreich sein, sondern möglichst auch dem gemeinen Gesellschaftsbild von Schönheit entsprechen. Und am besten Willens sein, in der Öffentlichkeit mit weiblichen Reizen zu protzen.

Auch Sportlern hilft ein athletischer Körperbau bei der Vermarktung. Aber sie werden eher nicht mit sexistischen Nachrichten bombardiert, wenn sie sich in den sozialen Medien freizügig präsentieren.

Laura Ludwig und Margareta Kozuch
Im Beachvolleyball spielen die Athletinnen in knappen Bikini-Höschen.
Quelle: REUTERS

Mehr nackte Haut, mehr Follower, mehr Sponsoring

Frauen schon. Michaela Staelberg hat die Erfahrung gemacht: Postet sie keine entsprechenden Bilder, hat sie weniger Follower und damit schlechtere Chancen auf gute Sponsorenverträge. Spielt sie das Sexy-Posts-Spiel mit, kassiert sie allerdings Sprüche. Es ist eine Nackte-Haut-Falle, in der Sportlerinnen sitzen. Ärgern sie sich darüber, wird ihnen auch noch erklärt, dass das kein Grund zum Ärgern sei.

"Dabei ist es wichtig, auf die Leute zu hören, die diskriminiert werden, und nicht auf die, die diskriminieren", betont Staelberg. "Die können ja nicht beurteilen, wie ich mich fühle." Als Ruderin sei sie nicht so extrem betroffen wie etwa Turnerinnen oder Beach-Sportlerinnen. Trotzdem finde sie es wichtig, sich zu positionieren.

Es ist doof, wenn diejenigen die Initiative ergreifen müssen, die schlimme Erfahrungen machen.
Michaela Staelberg, Ruderin

Staelberg betont: "Ich sehe mich als Athletin in der Verantwortung, eine Veränderung mit anzustoßen. Wir müssen da alle zusammenhalten."        

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